Startseite HAZ
Volltextsuche über das Angebot:

Wollen Sie den Beruf wechseln, Frau Gaga?

Interview mit Popsängerin Wollen Sie den Beruf wechseln, Frau Gaga?

Lady Gaga lag schon 2001 für Fernsehkameras am Pool der "Sopranos" – lange bevor sie zur schrillen Popdiva wurde. Mit der Hauptrolle der Countess in der Kultserie "American Horror Story" aber könnte sich die Schauspielerei zum Hauptberuf wandeln. Ein Gespräch über die Faszination von Rollenwechseln.

Voriger Artikel
Wie viel Kommissar Faber steckt in Ihnen?
Nächster Artikel
Haben Sie ABBA-Platten verbrannt?

Von der schrillen Popdiva zur Vampirfürstin in "American Horror Story": Lady Gaga liebt das Rollenspiel.

Quelle: imago

Die gewagtesten Kostüme sind bei ihr an der Tagesordnung. Da sollte man meinen, dass Lady Gaga es locker nahm, in der fünften Staffel der US-Kultserie "American Horror Story Hotel" als gruselige Gräfin vor die Fernsehkamera zu treten. Weit gefehlt. Die Popdiva war nervöser als je zuvor im Leben: "Auf dem Weg zum Set habe ich mich im Auto übergeben müssen. Gut, dass ich eine Plastiktüte zur Hand hatte."

Doch dann haben Sie sich gefangen?
Ich bin schnell in meine Rolle reingewachsen. Weil sie mir so viel bedeutet. Ich kann meine eigene dunkle Seite ausspielen.

Als Countess, als adelige Hotelbesitzerin, die in Wirklichkeit ein Vampir ist.
Ich bin ein Monster, aber ein sehr glamouröses. Ich liebe seine Intelligenz, seine Weisheit, seine sexuelle Power. Die Vampirlady lebt schon Hunderte von Jahren und hat ihre Lektionen im Leben gelernt. Sie kann vor allem offen ihre Emotionen zeigen, egal ob Trauer, Schmerz oder Freude. Es ist ihr völlig egal, was andere über sie denken, weil sie schon alles erlebt hat. Sie nutzt es aus, dass sie nach außen hin jung und naiv erscheint.

Sie haben einige Sexszenen in der Show. Waren Sie da auch nervös?
Die erste ist mir nicht leichtgefallen, aber ich gewöhne mich daran. Ich hatte inzwischen schon zwölf solcher Szenen – und mit jeder wird es einfacher. Der schwierigste Drehtag für mich war, als John Travolta plötzlich am Set aufgetaucht ist. Ich bin ein riesiger Fan von ihm und war nah daran, mir in die Hose zu machen.

Lady Gaga in "American Horror Story Hotel"

Blutsaugende Gräfin: Lady Gaga als Vampirlady im Trailer für "American Horror Story Hotel"

Quelle: Screenshot Youtube/FX

Sie sind selbst ein Superstar – allerdings in der Musikbranche. Wollen Sie jetzt etwa Ihren Beruf wechseln?
Nein, nicht wirklich. Aber ich wollte schon immer schauspielern und habe zehn Jahre lang Unterricht genommen. Meine Auftritte – sowohl als Lady Gaga als auch als Countess – sind allerdings nicht wirklich gespielt. Ich werde zum Teil der Rolle. Deshalb habe ich Probleme damit, nach Hause zu kommen und plötzlich wieder ich selbst sein zu müssen. Lange, heiße Duschen helfen meist.

Wieso können Sie sich eigentlich mit einer sexsüchtigen Blutsaugerin so gut identifizieren?
Sie ist isoliert und einsam. Das kann ich nachvollziehen. Ich stamme aus einer streng katholischen, italostämmigen Familie, in der Depressionen vererbt werden. Medikamente, Therapie oder Ärzte waren verpönt. Ich fühlte mich einsam, aber nicht, weil meine Eltern mich im Stich gelassen haben. Es war einfach so, es war erblich, lag schlicht an chemischen Prozessen in meinem Gehirn. Als ich älter wurde, habe ich mich abgeschottet und meine Befreiung in der Musik gefunden. Ich habe gelernt, dass man durch Kreativität und Fantasie alles bekommen kann, was man will.

Was für eine Beziehung haben Sie heutzutage zu Ihren Eltern?
Eine sehr innige. Wir konnten uns immer darauf verlassen, dass wir einander haben. Meine Großeltern waren Einwanderer aus Sizilien. Meine Eltern mussten sich alles selbst erarbeiten. Es war oft hart, hat uns aber als Familie zusammengeschweißt. Das Beste daran, berühmt geworden zu sein, ist, dass ich sie unterstützen kann. Ich zahle zurück, was sie mir ermöglicht haben.

Wie schwer ist es, mit Ruhm umzugehen?
Ich habe mir schon als kleines Mädchen geschworen, dass ich mich nie verbiegen lassen würde. Egal ob mir fünf oder 50 000 Menschen bei einem Konzert zuhören. Ich will ehrlich mit mir umgehen und nur die Dinge machen, von denen ich überzeugt bin. Das versuche ich auch meinen jungen Fans zu vermitteln: Bleibt so wie ihr seid!

Hat Ihr Ruhm Sie denn nicht verändert?
Nein. Ich bin immer noch dieselbe. Doch das ist nicht leicht, weil ich mich gerade deshalb oft einsam fühle. Als wären Mauern um mich herum. Wenn man berühmt ist, kann man selten sein normales Ich zeigen. Zumal 99 Prozent der Menschen, die ich treffe, mich ohnehin nicht wirklich kennenlernen wollen. Sie haben schon in Vorhinein ein fixes Bild von mir und erwarten, eine Person anzutreffen, die ich nicht bin.

Wer sind Sie denn?
Ein ganz normaler Mensch, der die Kreativität hat, gewisse Dinge zu produzieren.

Konnten Sie im Kreis Ihrer Schauspielkollegen Sie selbst sein?
Ja. Ich habe mich unglaublich gut aufgenommen und wohl gefühlt. Alle haben sich gegenseitig unterstützt, wie eine große Familie. Das war ein tolles Gefühl. Und es hat mir die Sicherheit gegeben, alles was ich habe, in meine Rolle zu stecken. Als Schauspielerin bin ich glücklicher, als ich es jemals zuvor war.

Wie werden Sie eigentlich von Ihren Kollegen am Set genannt? Gaga?
Die meisten reden mich mit meinem bürgerlichen Namen an, nennen mich also Stefanie oder Stef. Natürlich höre ich auch auf Gaga. Mein Vater nennt mich "Loopy", mein Lover "Babe".

Lover? Sind Sie nicht seit Februar mit dem Schauspieler Taylor Kinney verlobt?
Er ist beides.

Ist der große herzförmige Ring an Ihrem Finger von ihm?
Ja. Das ist der Verlobungsring. Ich glaube, Taylor hat extra einen solch großen Klunker gewählt, damit jeder andere Mann sieht, dass ich vergeben bin. Spätestens wenn sie mir die Hand geben, wissen sie Bescheid (lacht).

Was macht Taylor zum Mann Ihres Lebens?
Wir haben eine spirituelle Verbindung. Ich war vorher eine Löwin, die allein die Steppe regiert hat. Bis dieser starke, sehr mutige Löwe gekommen ist. Ich hätte niemals gedacht, dass es außer meinem Vater jemals einen Mann geben könnte, der stark genug ist, sich um mich zu kümmern. Der es akzeptieren kann, wie es in meinem Leben abgeht. Doch dann habe ich Taylor getroffen.

Gibt er Ihnen Schauspieltipps?
Klar. Ich habe vor ein paar Tagen zwei Stunden mit ihm am Telefon verbracht, weil mir eine Szene besonders schwergefallen ist. Es war sehr emotional. Es ist manchmal schwer, wenn ich ihm sagen muss, dass ich jetzt doch noch nicht nach Hause kommen kann, weil sich die Dreharbeiten wieder mal deutlich verzögern. Aber er ist ein starker Typ, der darauf ganz entspannt sagt: "Willkommen im Warte-Verein".

Sie sind 29 und schon Ihr halbes Leben im Showbusiness. Wird man da nicht manchmal müde?
Schon. Besonders die vergangenen sieben Jahre waren hart. Seitdem ich groß raus gekommen bin. Manchmal fühle ich mich fucking alt. Ungefähr 100 Jahre. Aber man wird ja auch immer ein bisschen weiser.

Inwiefern sind Sie weise geworden?
Ich bin weise genug, um zu erkennen, dass es einfach zu viele Leute gibt, die völlig narzisstisch nur an ihrem eigenen Scheiß interessiert sind. Zu viele von uns sind smartphonesüchtig und haben es komplett verlernt, vernünftig miteinander zu kommunizieren. Natürlich sollte jeder das machen, was ihn glücklich macht. Doch wir dürfen es auch nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft deswegen völlig aus dem Ruder läuft, weil wir nur noch uns selbst am nächsten stehen.

Würden Sie eigentlich gern noch mehr Fernseh- oder auch Kinorollen bekommen?
Klar, das wäre ein Traum. Es würde mir auch ganz persönlich helfen. Ich habe eine rebellische Natur und es ist sehr gut für mich, wenn mir Grenzen gesetzt werden. Also, wenn mir durch ein Drehbuch und einen Regisseur vorgeschrieben wird, was ich zu tun habe, ist das wie ein Stellungswechsel beim Sex. Ich will nicht immer nur oben sein, manchmal will ich auch genommen werden (lacht). Es ist sehr befreiend. Zumal ich ja dann am Ende des Tages wieder nach Hause gehe und die Kontrolle wieder zurückhabe.

von Dierk Sindermann

Zur Person

Lady Gaga liebt es spektakulär und geheimnisvoll

Sex, ex und hopp. Sechs Millionen Fernsehzuschauer in den USA machten am 3. Oktober große Augen, als Lady Gaga (29) in der ersten Folge von "American Horror Story: Hotel" nur im Höschen Teil eines erotischen Quartetts war. Swinger-Sex, nach dem sie und ihr von Matthew Bomer gespielter Liebhaber mit dem genüsslichen Grinsen postkoitaler Zufriedenheit ins Laken sanken, während das zweite Pärchen auf blutigen Laken keinen Mucks mehr von sich gab. Der Popstar spielt in der Kultserie des Senders FX die mordlüsterne Hotelchefin The Countess (Die Gräfin).

Die Kritiken in den USA waren gemischt, vorzugsweise gingen die Daumen Richtung Fußboden: "Das ist kein Trash, das ist Schrott. Trash kann immerhin lustig sein", schimpfte "Vanity Fair" und riet nach Gagas hämoglobinfarbener Bettgeschichte: "Wegschmeißen und vergessen." Die Website Serienjunkies wand sich in Beschwichtigungen und lobte schließlich "das wunderschöne Setdesign und die wunderschönen Kostüme". Von Gagas Schauspielkünsten können sich die Deutschen ab Mittwoch, 25. November, selbst ein Bild machen. Dann öffnet ihr Horror-Hotel auf dem Fox Channel die Pforten.

 

Stefani Joanne Angelina Germanotta alias Lady Gaga ist einer der wenigen Pop-Superstars, den die Nullerjahre hervorgebracht haben. Aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammend, arbeitete die New Yorkerin schon im Alter von 14 Jahren an einer Profimusikerkarriere, wurde 2007 als Songwriterin angeheuert, dann von Rapper Akon als Sängerin entdeckt. Gagas bekanntester Song ist "Pokerface" vom Debüt "The Fame" (2008, weltweite Verkäufe: 15 Millionen). Das dritte Album "Artpop" (2013) erwies sich mit 2,5 Millionen verkaufter Einheiten als Flop – gemessen an den Vorgängern.

Worauf sich die Gaga von der Suche nach dem neuesten Rocktechnodubstepr’n’b-Hybridsound abwandte und mit Pop-Oldtimer Tony Bennett Standards der Jazzlegenden Cole Porter, Duke Ellington und Irving Berlin aufnahm – was ihr euphorische Kritiken einbrachte. Derzeit tanzt sie mit einer Coverversion des Discoklassikers "I Want Your Love" von Chic wieder unterm Glitzerball.

Gewagte Garderobe

Außer durch Musik machte die Madonna-Thronfolgerin Gaga durch spektakuläre Kostüme von sich reden. Als eines der denkwürdigsten Modeereignisse jüngerer Zeit gilt ihr Auftritt bei den MTV Video Music Awards 2010, als sie zwecks Empfangnahme der Auszeichnung für das "Video des Jahres" im Fleischkleid auf die Bühne kam. Die ungewöhnliche Erscheinung wurde auf Bedeutung abgeklopft: War es ein Statement gegen die menschenverachtende Modebranche in Entwicklungsländern? Eins gegen die Reduzierung der Frau aufs Fleischliche? Nein, sie trete für schwule Soldaten ein, erklärte Gaga rätselhaft und verstummte.

Kryptik macht sexy. Und Designer Franc Fernandez erklärte derweil dem MTV-Volk, wie man seine Schnitzelschöpfung zu Hause nachschneidern könne. Das Fleischkleid hängt seit Kurzem in der Rock ’n’ Roll-Hall-of-Fame in Cleveland. Gegen Verwesung präpariert, seine Steakfarbe nachgerötet. Der Countess würde es gut gefallen.

von Matthias Halbig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Promi-Talk