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Rollt bei dir

Rückkehr des Skateboards Rollt bei dir

Das Skateboard wird immer mal wieder cool. 2016 soll es den Longboards endlich wieder den Rang ablaufen – auch, weil es nichts für Erwachsene ist. Und doch tut sich gerade etwas: Der Lebensstil der Skateboarder rückt wieder mehr in den Fokus.

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Das klassische Skateboard, das auf der Halfpipe gefahren wird, hat längst rollende Geschwister bekommen. Longboard und Cruiser machen ihm Konkurrenz.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover. Skateboards sind wieder in – auch wenn das ein echter Kenner der Szene so nie sagen würde. "Nach mehr als 40 Jahren stürmischer Entwicklung der Skateboard-Jugendkultur fällt es mir schwer, von einem Trend zu sprechen", sagt Skateboardhändler und -ikone Titus Dittmann, der die Rollbretter in Deutschland Ende der Siebzigerjahre populär gemacht hat. Und doch tut sich gerade etwas: Der Lebensstil der Skateboarder rückt wieder mehr in den Fokus.

Die Modelabel Coach und Jimmy Choo haben ihre Sommerkollektion für 2016 in Skateparks präsentiert. Coach hat sich dabei modisch am Neunzigerjahrestil der Skateboarder orientiert – die Schuhe erinnern stark an klassische Vans. Prominente wie Angelina Jolie und Brad Pitt bauen ihren Kindern statt Piratenburgen Skate­rampen in den Garten. Und Magazine wie "GQ" rufen Rollbrett-Fahren für 2016 zum Trend aus, sodass man es besser rechtzeitig lernen sollte. Die Hersteller freuen sich schon jetzt auf die neue Saison.

Von den Eltern abgrenzen

In Skateboardmagazinen und Internetforen wird das Thema intensiv diskutiert. "Unser Leben ist kein Trend", überschreibt etwa Oliver Blankenburg einen Artikel im "Monster Skateboard Magazine", dem nach eigenen Angaben dienstältesten Skateboard-Blatt Europas. Das Skateboarden bewege sich "unaufhaltsam (und nicht zum ersten Mal) auf den Mainstream zu".

Doch eine Massenbewegung ist keinesfalls das Ziel einer Szene, die sich mit ihrem Lebensstil vor allem von den eigenen Eltern abgrenzen wollte. Zudem haben einige Angst, dass anschließend ein neues Tief kommt – und gehen schon allein deshalb auf Abstand zu Modefirmen, anbiedernden Stars und Kids, die das Motto "Skate or die" nicht ernst nehmen.

Das Skateboarden hat einige Wellen durchlaufen, seit Surfer in den Fünfzigerjahren das erste Mal Rollen unter Holzbretter montierten. Ende der Siebziger machte sich auch in Deutschland eine erste große Begeisterung fürs Skateboarden breit – doch die war nach wenigen Jahren wieder verklungen.

Nichts für Erwachsene

Skateboarder Ralf Middendorf glaubt indes, dass sich immer wieder Jugendliche dafür begeistern werden. Er war dabei, als Ende der Achtzigerjahre die zweite Welle begann, gehörte zu den ersten deutschen Profis und kümmert sich heute beim nationalen Branchenführer Titus in Münster um das Marketing.

Mit den Brettern könne man sich abgrenzen. "Skateboarden ist erwachsenen-untauglich", sagt Middendorf. Hier liege ein Unterschied zum Inlineskaten. Das werde nie wieder als "cool" gelten – weil es auch Eltern und Großeltern lernen können. "Es gibt zwar ein paar ältere Skater, aber die Tricks, die Schmerzen der Stürze – das können und wollen die meisten Erwachsenen einfach nicht."

Moderne Omas mögen ein Smart­phone haben und bei Facebook posten – auf ein Skateboard stellen sie sich nicht. "Skateboarding ist zur größten bewegungsorientierten Jugendkultur geworden", sagt Titus Dittmann, der sich heute mit einer Stiftung weltweit um Kinder- und Jugendprojekte kümmert und dessen Unternehmen längst von seinem Sohn weitergeführt wird.

Rückkehr der Klassiker

In den vergangenen beiden Jahren waren in Deutschland vor allem Longboards zu sehen. Die Skateläden verkauften davon deutlich mehr als von den klassischen Skateboards. Die Bretter, meist mehr als einen Meter lang, sind eher für lange Strecken oder Downhill gemacht. "Der Skateboard-Fahrer fährt eigentlich kein Long­board", so Middendorf.

Umgekehrt würden sich nun aber Longboard-Fahrer vermehrt ein Skateboard kaufen – quasi als sportlichen Kleinwagen neben der Limousine. Deswegen prognostiziert er nach dem Longboard-Trend für das nächste Jahr eine Rückkehr der klassischen Bretter. Titus und andere große Anbieter werden jedenfalls im Frühjahr einige Serien mit Komplett-Skateboards für Einsteiger herausbringen.

Wer mehr ausgeben will, stellt sich selbst ein ­Board zusammen. Middendorf glaubt zudem, dass man wieder mehr von den einzelnen Disziplinen des Skateboardens sehen wird – und eben auch die entsprechende Ausrüstung: also mehr Boards für die Spielarten Freestyle (Tricks auf meist flachem Untergrund) oder Streetstyle, der in Skateparks oder bei Objekten wie Bänken und Stufen gepflegt wird.

"Suche nach Freiheit"

Voll im Retro-Trend liegen schließlich die Plastik-Cruiser: Die kleinen, quietschbunten Skateboards, die nach dem bekanntesten Hersteller oft auch Penny Boards genannt werden. Anders als die meisten Boards sind sie nicht aus Holz, sondern Plastik – wenn auch in besserer Qualität als in den Siebzigern.

Die Penny Skateboards werden vom gleichnamigen australischen Hersteller vertrieben. Dessen Chef, der Ex-Profiskater Ben Mackay, hat seine Variante 2011 auf den Markt gebracht. Der Name geht dabei auf eine simple Begebenheit zurück: Mackays Schwester heißt Penny.

Er selbst hatte schon als Fünfjähriger auf einem kleinen Board aus dem künstlichen Material gestanden. "Es war an der Zeit, dass dieses kleine Plastik-Board zurückkommt", sagt Mackay heute. Und fügt ein wenig pathetisch hinzu: Es sei ein Board "für alle auf der Suche nach der völligen Freiheit".

Von Gerd Schild

Eine kleine Skateboard-Übersicht

Das Skateboard: Die meisten Skateboards sind heute etwa 80 Zentimeter lang und 20 Zentimeter breit. Das Brett ist in der Regel aus mehreren Schichten Ahornholz zusammengeleimt. Vier Rollen aus Polyurethan sind an zwei beweglichen Achsen angebracht. Einstiegs-Skateboards gibt es für unter 100 Euro. Die eignen sich grundsätzlich für das Fahren in Skateparks, auf der Straße oder für Tricks, etwa an Geländern. Für die einzelnen Teilbereiche gibt es aber auch spezielles Material.

Der Cruiser: Die Plastik-Cruiser gab es erstmals in den Siebzigerjahren auf den Straßen zu sehen. Damals haben die kompakten, bunten Bretter den Skateboard-Boom mit angefacht. Sie eignen sich besonders zum Cruisen durch die Stadt und erhielten dadurch auch ihren Namen. Heute gibt es unzählige Varianten, meist mit buntem Design und farbigen Rollen. Die bekannteste Marke sind die Penny Boards – so bekannt, dass diese oft als Synonym für Plastik-Cruiser benutzt werden. Es gibt zahlreiche Spielarten und Längen dieser bunten Rollbretter. Die mit 22 Zoll kürzeste Variante kostet ab etwa 120 Euro.

Das Longboard: Ein Longboard ist länger als klassische Skateboards. Es gibt auch Varianten, die mehr als zwei Meter lang sind. Longboards, die in der Regel zwischen 150 und 200 Euro kosten, haben dickere und weichere Rollen als Skateboards, der Abstand zwischen den Achsen ist größer. Sie eignen sich deshalb auch für schnelle Downhill-Fahrten, aber auch für das Zurücklegen langer Strecken.

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