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Technik & Apps Die Stunde der Überflieger
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20:05 07.04.2017
Kurze Akkulaufzeiten und eine unklare Rechtslage haben den kommerziellen Einsatz von Drohnen bisher schwierig gemacht. Das soll sich jetzt ändern. Quelle: iStockphoto
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Braunschweig

Der Gedanke, dass eine Pizza, das Blutdruckmedikament oder womöglich die Tageszeitung künftig per Drohne geliefert werden könnte, dürfte kaum noch jemanden überraschen. Viel mehr kommt die verwunderte Frage auf, wann es denn nun so weit ist, wann endlich die erste Lieferdrohne in unserem Vorgarten landet oder ein Päckchen vor der Haustür abwirft. Gefühlt nämlich kreisen gewerbliche Drohnen schon seit Jahren in Endlosschleife über unseren Köpfen – seien es die Fluggeräte des Onlineversenders Amazon oder die Parcelcopter vom Logistikriesen DHL.

Auch auf anderen Einsatzgebieten erobern gewerbliche Drohnen zunehmend den Luftraum: Sie inspizieren wartungsintensive, aber schwer zugängliche Objekte wie Windräder oder Bohrplattformen. Sie liefern Geodaten für Kartenmaterial, sie beobachten Grenzanlagen, sie überwachen landwirtschaftliche Flächen, um Aufschluss über Pflanzenwachstum und -krankheiten zu gewinnen oder um vor dem Mähen mit Wärmebildkameras in den Feldern nach verstecktem Jungwild Ausschau zu halten.

Rund 300 000 Drohnen werden monatlich weltweit verkauft, die meisten davon bislang für den Hobbybereich. Der gewerbliche Einsatz gilt als aussichtsreicher Zukunftsmarkt, das Beratungsunternehmen PWC schätzt, dass die von Drohnen erbrachten Dienstleistungen bis 2020 einen Wert von 127 Milliarden Dollar haben werden. Bis dahin sind freilich noch einige Hürden zu meistern. Eine davon ist die Energieversorgung der ultraleichten Flugkörper. “Heutige Lithium-Ionen-Akkus erlauben eine Flugdauer von 30, maximal 45 Minuten“, sagt Jörg Schamuhn, Vorstand für das Europa-Geschäft des chinesischen Drohnenproduzenten Yuneec. “Damit sind Drohnen für Dauereinsätze kaum geeignet.“ Wie andere führende Hersteller beobachte auch Yuneec die Entwicklung alternativer Antriebe, etwa durch Brennstoffzellen, die Flugzeiten von zwei Stunden und mehr erlaubten.

Ingenieur Csaba Singer sieht die Zukunft der unbemannten Luftfahrt bei Luftschiffen. Quelle: Behrendt

Csaba Singer, Luft- und Raumfahrttechnikingenieur und Mitgründer des Start-ups Hybrid Airplane GmbH, geht mit seinem unbemannten Hybridflugzeug H-Aero One einen anderen Weg, um längere Flugzeiten zu erzielen. “Für natürlichen Auftrieb sorgt ein mit Helium gefüllter Flugkörper“, erklärt der Ingenieur. Zwei mit Elektromotoren versehene Tragflächen machen Singers Luftschiff zu einem Fluggerät das startet und landet wie ein Hubschrauber und sich fortbewegt wie ein Flugzeug. Drei Kilogramm Nutzlast kann Singers Entwicklung bis zu neun Stunden lang tragen. Als schneller Paketlieferant kommt das eher gemächliche H-Aero One dabei nicht infrage. Als Einsatzgebiete schweben dem Entwickler etwa die Beobachtung von Vogelschwärmen oder das Erkunden unwirtlicher Gegenden nach Bodenschätzen vor.

Ein weiterer Hemmschuh für den kommerziellen Einsatz von Drohnen ist die Rechtslage. “Fliegen außer Sicht des Piloten ist bislang nicht gestattet“, sagt Jörg Dittrich vom Institut für Flugsystemtechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig. “Das steht einem Regelbetrieb für autonome Systeme wie der Amazon-Drohne oder dem DHL-Parcelcopter entgegen.“ Deshalb begrüßt der Drohnenexperte ein von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt auf den Weg gebrachtes Gesetz, das den Betrieb von Drohnen neu regelt.

Demnach ist für gewerbliche Nutzer das Fliegen außer Sicht künftig genehmigungsfähig. Im Gegenzug müssen private Drohnenpiloten zusätzliche Auflagen hinnehmen: So besteht für unbemannte Fluggeräte ab einem Startgewicht von 250 Gramm künftig Kennzeichnungspflicht, um im Fall eines Unfalls den Besitzer ausfindig machen zu können. Für Drohnen, die schwerer als zwei Kilogramm sind, ist ein Kenntnisnachweis in Form des sogenannten Drohnenführerscheins erforderlich.

Demnächst genehmigungsfähig: DHL experimentiert mit dem autonomen Parcelcopter. Quelle: dpa

Als „konsequent und richtig“ bezeichnet Dittrich diesen Vorstoß: “Er macht es gewerblichen Nutzern leichter und begrenzt den Wildwuchs im Privatbereich.“ Solcher “Wildwuchs“ führt dazu, dass Drohnen Passagierflugzeugen gefährlich nahe kommen, etwa, weil die Besitzer den gesetzlichen Mindestabstand zu Flughafenarealen nicht einhalten. 2016 gab es laut Deutscher Flugsicherung mehr als 60 solcher sicherheitsrelevanten Vorfälle.

Rund 400 000 Drohnen schwirren über Deutschland, bis 2020 sollen es weit mehr als eine Million sein. Mit wachsendem Aufkommen der unbemannten Flugkörper steigt das Unfallrisiko. Entsprechend müssen Drohnen immer sicherer, auch idiotensicherer werden. Teurere Modelle verfügen inzwischen über Systeme, die Hindernisse registrieren und die Drohne im Bedarfsfall ohne Eingriff des Piloten zu einem Ausweichmanöver veranlassen. Auch eine vollautomatische Rückkehr zum Abflugort und das selbstständige Erkennen von Flugverbotszonen gehören zum Sicherheitsrepertoire.

Obgleich Drohnen immer “intelligenter“ werden: Der Schritt zu Systemen, die keinerlei Pilotierung mehr erfordern und womöglich als Lufttaxis Passagiere befördern könnten, ist gewaltig. Der Fahrdienst Uber arbeitet nach eigenen Angaben bereits an derartigen Drohnen und will in einigen Jahren eine marktfähige Lösung präsentieren. “Das ist eine extrem anspruchsvolle Aufgabe“, sagt DLR-Experte Dittrich. Ein solches Lufttaxi müsse nicht nur in extrem anspruchsvollen Umgebungen per Autopilot fliegen können, sondern derart narrensicher sein, dass es seine Passagiere ohne jegliche Flugkenntnisse auch in Extremsituationen erfolgreich notlande. “Dagegen sind selbstfahrende Autos eine überschaubare Aufgabe“, meint Dittrich denn auch.

Von Daniel Behrendt

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