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20:05 03.03.2017
Kollege und Partner der gar nicht so fernen Zukunft: Roboter werden in unserem Alltag immer normaler werden. Quelle: Vitra Design Museum
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Weil am Rhein

Paro hat große schwarze Kulleraugen. Wenn sich ein Mensch nähert, fiept er und kuschelt sich vertrauensvoll an. Paro ist ein Robbenbaby. Und ein Roboter. Die liebenswerte Maschine kommt in Deutschland, Japan und Belgien bereits regelmäßig bei der Pflege von Demenzkranken zum Einsatz.

Dem niedlichen Tierimitat, das niemals müde wird und anders als menschliches Pflegepersonal immer Zeit hat, gelingt es oft, die Patienten für einen Moment aus ihrer inneren Welt herauszuholen und für ihre Umgebung zu interessieren. Die Form einer Robbe wurde gewählt, damit die Menschen keinen Vergleich zu früheren Haustieren aus Fleisch und Blut herstellen können.

Das Beispiel zeigt, wie immens die ethischen Herausforderungen der modernen Robotik sind: Sollten wir es zulassen, womöglich fördern, dass Menschen eine emotionale Beziehung zu einer Maschine aufbauen, wenn es ihnen dadurch besser geht?

„Wir leben längst in einer Robotwelt“

Amelie Klein, Kuratorin der Ausstellung “Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine“ im Vitra Design Museum im baden-württembergischen Weil, definiert Robotik als Verbindung von Sensoren, die Daten erfassen, einer Software zur Interpretation der Daten und der physischen Reaktion darauf.

Diese Kombination findet sich bereits in einer simplen Waschmaschine, die das Programm anhand der Wäschemenge auswählt. Klein zufolge werde die Vorstellung vom Roboter als menschenähnlichem Automaten schon in der frühen Kindheit geprägt. “Während wir ängstlich erregt darauf warten, dass der Roboter auf zwei Beinen um die Ecke biegt, leben wir längst in einer Robotwelt“, sagt sie. Wir begegnen ihnen in Form selbstfahrender Autos, Lieferdrohnen, selbstlernender Algorithmen im Internet (Bots) oder bei der automatisierten Fütterung und dem Melken von Kühen.

Beim Internet der Dinge kommunizieren wir mit unseren Haushaltsgeräten. Es gibt Lampen, die genau wissen, dass man nach dem Bürotag erst mal eine Weile gedämmtes Licht braucht. Für Klein ist Robotik die nächste große Entwicklung nach industrieller Revolution und Digitalisierung. Wie jede epochale Veränderung wird sie von Hoffnungen und Ängsten zugleich begleitet. Künstliche Intelligenz ist ein Lieblingsthema für Zukunftsenthusiasten, zugleich hat der Mensch Angst vor seiner eigenen Entmündigung.

Kulleräugige Pflegerobbe: Der niedliche Kuscheltierroboter Paro wird bereits bei der Pflege Demenzkranker eingesetzt – und das mit Erfolg. Quelle: Vitra Design Museum

Die Brisanz des Themas zeigt sich daran, dass das EU-Parlament jüngst in einer mit großer Mehrheit verabschiedeten Resolution eine Art Robotergesetz auf EU-Ebene forderte. Es soll den Umgang mit intelligenten Maschinen regeln. Androide Serviceroboter in Menschenoptik, die in Japan bereits Kaffee ausschenken oder an der Hotelrezeption sitzen, sollen hierzulande etwa verboten werden. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe begründeten ihr Vorhaben damit, dass sie verhindern wollen, dass sich Menschen in Roboter verlieben.

So abwegig ist der Gedanke nicht. Die Fiktion kennt die Liebe zur Maschine, etwa in den Filmen “Ex Machina“ (2015) oder “Her“ (2013). Und als die Sprachassistentin Siri eingeführt wurde, verknallten sich die Nerds aus der Serie “Big Bang Theory“ prompt in das intelligente Gegenüber. “Es braucht nicht viel, damit wir eine Beziehung zu Objekten aufbauen“, sagt Klein. Das zeige sich etwa an der Vielzahl von Youtube-Videos, in denen Menschen ihren runden automatischen Staubsaugern witzige Weihnachtsmannmützen aufgesetzt hätten – wie einem Haustier.

In der Ausstellung im Vitra Design Museum gibt es eine kleine Lampe, die zittert, sobald man mit erhobener Stimme spricht. Wenn die Kuratorin die Lampe während einer Führung anschreit, nehmen die Besucher regelmäßig die Maschine in Schutz. “Lassen Sie die arme Lampe in Ruhe“, heißt es dann. So lässt sich Emotion designen. Computer können schon heute mit bis zu 80-prozentiger Genauigkeit die Gefühle eines Menschen bestimmen, davon konnte der Androide Commander Data aus “Star Trek“ nur träumen.

Wachstumsmarkt Cybersex

Cybersex ist neben dem Militär der größte Wachstumsmarkt für die Robotik. Für einen fünfstelligen Betrag kann sich der Käufer einen Erotikpartner nach Belieben zusammenstellen, die Sexpuppen von heute simulieren humanoide Körperlichkeit etwa mit Beckenbewegungen.

Auch der Mensch wird Teil robotischer Systeme, wenn er sich intelligente Sensoren einpflanzen lässt. Es gibt zum Beispiel bereits Chips, die man sich in den Hautlappen zwischen Daumen und Zeigefinger einsetzen und so Autotüren öffnen kann. Oder es wird mit integrierten Kameras für Farbblinde experimentiert, die Farben in Geräusche umwandeln. Amelie Klein hält es für wahrscheinlich, dass es einmal Chips geben wird, mit denen man plötzlich fließend Italienisch sprechen kann. Bei Douglas Adams gibt es diese “Babelfische“ schon.

“Wir sind die Roboter“, sang die Gruppe Kraftwerk vor fast 40 Jahren. Heute trifft diese Aussage mehr denn je zu.

“Hello, Robot. Design zwischen Mensch und Maschine“, bis 14. Mai, Vitra Design Museum, Weil am Rhein, www.design-museum.de

Von Nina May

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