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Technik & Apps SMS von der Kuh
Sonntag Technik & Apps
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20:00 23.10.2015
Bestens informiert: Der Bauer erfährt vom Zustand seiner Kühe per Smartphone-App. Quelle: iStock
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Kayla ist wahrscheinlich die erste Hündin, die ihr Leckerli über das Internet bekam. Die Golden-Retriever-Dame litt unter der Einsamkeit zu Hause. Ihr Frauchen, die Schülerin Brooke Martin, war 13 Jahre alt, als sie begann, einen Chat-Apparat für Kayla zu bauen. "Wir haben diese ganzen Möglichkeiten, mit unseren Freunden und der Familie zu kommunizieren, wenn sie nicht da sind", sagt Brooke im Interview: "Warum geht das nicht mit unseren Haustieren?"

Das Gerät, das sie baute und gemeinsam mit ihrem Vater auf den Markt brachte, heißt IC-Pooch und besteht aus einem Smart­phone-Halter auf Hundehöhe, der mit einem Keksspender verbunden ist. So kann Frauchen mit dem Hund videochatten. Zwölf Jahre nach dem Start von Skype ist es damit möglich, den eigenen Hund anzurufen, ihm ein paar tröstende Worte zuzurufen – und ihm über das Netz ein Leckerli in den Napf fallen zu lassen – sofern der Familienhund ein eigenes Smartphone hat.

Leckerli per Smartphone: Das IC-Pooch macht den Videochat zwischen Hund und Frauchen möglich. Quelle: IC Pooch

Die Fernfuttersäule der jungen Amerikanerin ist nicht nur irgendeine verrückte Erfindung. Sie steht für das Phänomen, dass immer mehr Tiere Anschluss ans Internet finden. "Im Internet weiß niemand, dass du ein Hund bist." Diesen Satz prägte der Cartoonist Peter Steiner vor 22 Jahren. Eine seiner Grafiken aus der Zeitschrift "New Yorker" zeigt zwei Hunde vor einem Computer sitzend. Zwei Jahrzehnte später beginnt der Witz aus den Anfangstagen des Netzes Realität zu werden: Hund und Frauchen videochatten, Milchkühe rufen per SMS den Veterinär, das Aquarium bloggt und der Storch verschickt seinen Standort aufs Smart­phone.

Besonders populär sind unter technikverliebten Hunde- und Katzenhaltern zurzeit Fitnesshalsbänder wie das "Fitbark". Das sieht aus wie ein kleiner blauer Plastikknochen, speichert die Laufrouten des Hundes und registriert, wann er bellt und wann er spielt. Susan Chappel, die Besitzerin eines Minipinschers berichtet, ihr Hund Batty habe ein paar Pfund zu viel auf dem Gerippe gehabt. Jetzt teile er seine Daten im Netz – was für Hund und Frauchen ein Ansporn zum Abnehmen sei.

"Ich freue mich schon darauf, dem Tierarzt die Daten zu zeigen", schreibt die Besitzerin des vernetzten Minipinschers. Weil Hund und Katze nicht gern den Akku laden, setzen sich stromsparende Kurzstreckensender im Halsband durch. Diese funken nur bis zum nächsten Smartphone. Ist auf diesem eine Halsband-App aktiv, wird der Mensch quasi zum Sendemast für die tierische Kommunikation – und kann seinen Liebling jederzeit orten.

Rechenzentrum für Milchkühe

Als ob funkende Hunde noch nicht genug wären, schalten sich inzwischen sogar Aquarien online. Dabei geht es den Aquarianern meist nicht darum, ein Livebild der Miniaturunterwasserwelt in die Weiten des Web zu entsenden, sondern – analog zur menschlichen Quantified-Self-Bewegung – um den quantifizierten Fisch: um Futtermenge, Wassertemperatur und Wasserqualität.

Ganz andere Anliegen hat Bauer Ulrich Westrup, wenn er seinen Kühen einen Netzzugang verpasst. Im Stall in der Nähe von Osnabrück stehen 530 Milchkühe – und alle haben einen eigenen Mobilfunkanschluss bei der Telekom. Die Tiere tragen einen Funkchip im Halsband, der ihre Bewegungsmuster misst. Halbstündlich werden die Daten auf einen Server in Frankreich übertragen. Dort steht ein Rechenzentrum, das auf die Auswertung von Kuh-Daten spezialisiert ist. Der Bauer bekommt Bescheid, wenn die Tiere gehäuft bestimmte Bewegungen mit dem Kopf machen, denn das verrät ihm: Sie sind empfängnisbereit, Zeit also, den Veterinär zur Besamung einzubestellen. Und auch später, kurz vor dem Kalben, wird er alarmiert, um abermals alle erforderlichen Schritte in die Wege leiten zu können.

Auch die Wissenschaft hat das vernetzte Tier für sich entdeckt. In Radolfzell am Bodensee heben Störche mit Internetanschluss für das Max-Planck-Institut für Ornithologie ab. Früher wurden die Vögel mit Ringen ausgestattet, heute schnallen die Forscher ihnen kleine rucksackartige Tracker auf den Rücken. Auf den zugehörigen Sendern sitzt ein Solarpanel, das die Stromversorgung sicherstellt. Eingebaut sind ein GPS-Satelliten-Modul, ein Handy und ein Gerät, das analysiert, wie sich das Tier verhält. "Wenn der Sensor sich in einem bestimmten Rhythmus auf und ab bewegt, wissen wir, dass sich der Storch gerade im Flug befindet", sagt Martin Wikelski, Direktor des Instituts.

Tracking für den Tierschutz

Die Forscher statten nicht nur Vögel mit Sendern aus, sondern auch Bergziegen, Riesenschildkröten oder Weiße Haie. Über die App "Animal Tracker" kann jeder den Zug der Tiere verfolgen. Die Wissenschaftler hoffen, dass Hobbyforscher die Tiere auf die Weise entdecken und ihr Verhalten beschreiben. "Mit besserem Wissen um die Wege der wandernden Tiere könnten wir diese nicht nur effektiver schützen", sagt Wikelski: "Wir könnten zudem die Verbreitung von Krankheitserregern vorhersagen und sogar Hinweise auf Naturkatastrophen gewinnen."

Noch kommt die Mail vom Storch oft verspätet, weil das Mobilfunknetz in vielen Teilen der Welt noch Löcher hat. Doch Wikelski hat auch dazu eine Idee: Die Vögel sollen von 2017 an ihre Nachrichten an die Raumstation ISS senden. Denn die ist selbst aus den entlegensten Winkeln der Erde erreichbar. Ob Storch, Golden Retriever oder Milchkuh, ihr Weg ins Netz ist längst gebahnt. Fragt sich nur noch, wann sie tierische Freundschaften auf Facebook und Co. miteinander schließen werden.

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