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20:00 09.10.2015
Von Daniel Behrendt
Mehr Nutzen, weniger Design: Die Smartphonehülle kann mehr als nur gut aussehen und wird zum intelligenten Begleiter.
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Persönlicher Stil hin oder her – es gibt Situationen, in denen eine allzu exzentrische Smartphone-Hülle einfach deplatziert ist. So legte kürzlich ein argloser Reisender, der sein Handy unbedachterweise in einem pistolenförmigen Gehäuse verstaut hatte, für Stunden den Betrieb auf Amsterdams Flughafen Schiphol lahm. Ob der vermeintliche Bösewicht den Airport als freier Mann verlassen durfte, ist nicht bekannt.

Es gibt ähnlich ausgefallene, aber weit weniger verfängliche Verpackungen fürs Handy, etwa in Häschen-, Bananen- oder Goldbarrenform. Selbst wie ein Eis am Stiel kann man sein Mobiltelefon umhüllen. Je reißender der Absatz mit Smartphones – allein im Jahr 2014 wurden mehr als 1,2 Milliarden Geräte verkauft –, desto stärker wächst offenbar der Kundenwunsch nach immer ausgefalleneren Hüllen und Gehäusen, die einem verwechselbaren Stück Elektronik ein individuelles Gepräge, gewissermaßen ein Gesicht, verleihen.

Dezent aber intelligent

Neun von zehn Handybesitzern kaufen nach einer Umfrage des Digitalverbandes Bitcom mit jedem neuen Mobiltelefon auch eine neue Hülle. Die soll das Gerät in erster Linie schützen – und ihm in zweiter einen möglichst glamourösen, ulkigen oder coolen Auftritt bescheren. Wer es bonzig mag, zudem vier- bis fünfstellige Beträge nicht scheut, greift zu Smartphone­-Cases aus Massivgold, seltenen Reptilledern oder auch Leopardenfell, um die Distinktionsschwelle zum Normalverbraucher möglichst hoch zu halten.

Abgrenzung von der Hüllennorm ist aber auch dezenter möglich – und intelligenter. Wer Abstriche beim Design akzeptiert, kann aus einer stetig wachsenden Zahl an Gehäusen wählen, die das Smartphone um pfiffige Extrafunktionen erweitern oder es zu einem Spezialisten für besondere Aufgaben machen. Das fängt an bei Hüllen, die zugleich als Lenker- oder Helmhalterung fungieren, damit man das Handy als Navigationssystem oder Actionkamera einsetzen kann, bis hin zu modularen Systemen, die dem Mobiltelefon gleich einen ganzen Werkzeugkasten bescheren: Lautsprecher, USB-Port, Zusatzakku, Laserpointer – je nachdem, was gerade gebraucht wird.

Für die Ohren

Eine Strandparty lässt sich mit quäkigen Handylautsprechern sicher nicht zufriedenstellend beschallen. Für volleren Sound sorgen Smartphone-Hüllen mit integriertem Lautsprecher, etwa das "Zagg Speaker Case" (rund 80 Euro), das dank eines Hochleistungsakkus dafür sorgt, dass der Musikgenuss nicht vorzeitig endet. Der Klang ist trotz der immer noch zierlichen Lautsprecherabmessungen verblüffend satt und räumlich. Mit dem Smartphone verbindet sich der Lautsprecher via Bluetooth, er kann auch vom Mobilgerät getrennt betrieben werden.

Quelle: Picasa

Für Pubertäre

Gewiss, ein Hightechprodukt ist das Hangout Case (frei übersetzt etwa: eine Hülle zum gemütlichen Herumhängen) nicht – aber ein drolliges und nützliches Accessoire für die letzten verbliebenen Nikotinanhänger, die zu ihrer Zigarette ein kühles Feierabendbier zu schätzen wissen. Die Plastikkonstruktion hält neben einem Zigarettenanzünder auch einen Flaschenöffner vor. Nicht zu vergessen: Ein Stativgewinde ist ebenfalls an Bord. Das ist unter anderem nützlich für launige Gruppenselfies mit Kippe und Flasche.

Für Neugierige

Ein wenig darf sich der Besitzer des Smartphonecases "Flir One" (um 170 Euro) fühlen wie James Bond – denn es verpasst dem Mobiltelefon eine Wärmebildkamera. Das eigentlich für die militärische Verwendung entwickelte Gadget zeigt ein thermisches Abbild der Umgebung und macht Sehen – selbst in kompletter Dunkelheit – möglich. Geeignet ist das poppig-bunte Bildgebungsverfahren etwa, um Menschen und Tiere zu orten, Wärmebrücken zu erkennen oder auch schlicht, um auf etwas extravagantere Weise nachzuprüfen, ob der Babybrei wohltemperiert ist. Funktionieren soll die Thermokamera in einem Radius von bis zu
100 Metern.

Für allzeit Bereite

Ein charmanter Gedanke, seine Smartphonehülle für ganz unterschiedliche Einsatzzwecke konfigurieren zu können: Das Case bleibt dabei stets dasselbe – die Funktionalität passt sich über austauschbare Module indes den wechselnden Erfordernissen an. Das über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanzierte US-Produkt Nexpaq hat zwar noch nicht den Sprung in den Handel geschafft, lässt aber schon erahnen, dass sich Handyhüllen absehbar zu einer durchaus komplexen Gerätegattung mausern könnten: Immerhin zwölf verschiedene Module – weitere sind in der Entwicklung – sind für die Nexpaq-Hülle vorgesehen, darunter ein Zusatzakku, eine starke LED-Leuchte als Fotoaufheller, ein Flashspeicher, ein Kartenlesegerät, ein Thermometer und ein Laserpointer.

Quelle: Nexpaq

Für Sportler

Dank GPS-Funktionalität und ausgereifter Landkarten-Apps machen Smartphones ein separates Navigationsgerät praktisch überflüssig. Fit für den Fahrradeinsatz wird das Handy mit Lenkerhalterungen wie dem "RideCase" (ab etwa 50 Euro). Die aus extrahartem Kunststoff gefertigte Hülle macht das Mobiltelefon unempfindlich gegen Stöße, ein die Touchfunktionalität des Smartphones nicht beeinträchtigendes Folienfenster schützt das Gerät vor Nässe. Im Lieferumfang enthalten ist der Gratisdownload einer App, die wie ein klassischer Fahrradcomputer Trainingsdaten erfasst. Für die Navigation greift die App auf die Karten von Google zu.

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