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Haustiere aus dem Klonlabor

Unsterbliche Lieblinge Haustiere aus dem Klonlabor

Die meisten Haustiere leben nicht so lange wie ihre Besitzer. Kein Wunder, dass Frauchen und Herrchen immer häufiger auf das Klonen setzen. Unternehmen arbeiten daran, Hund, Katze & Co. aus den Zellen bereits verstorbener Tiere wiederauferstehen zu lassen – und versprechen oft zuviel.

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Was tun, wenn das geliebte Haustiere stirbt? Südkoreanische Forscher bieten jetzt an, Hund oder Katze zu klonen – gegen üppige Entlohnung.

Quelle: Fotolia / RND

Tote Hunde nicht in die Gefriertruhe! Was für ein seltsamer Ratschlag. Doch wenn man die Homepage des südkoreanischen Unternehmens Sooam Biotechnology besucht, ist dieser Warnhinweis das erste, was einem begegnet. Einen toten Hund, so steht es da, wickle man in feuchte Handtücher und packe ihn in den Kühlschrank. Nur so könne man ihm Gewebe entnehmen, das frisch genug sei, um das verstorbene Haustier zu klonen.

Sooam Biotechnology hat sich auf das kommerzielle Kopieren von Lebewesen spezialisiert. In den Laboren südwestlich von Seoul entstehen genetische Zwillinge von Nutztieren – und Hunden. Einem Bericht der Fachzeitschrift "Nature" zufolge produziert Sooam pro Tag rund 300 Klonembryos von Kühen und Schweinen und im Monat 15 Hundeklonwelpen. Das sind die verlässlichsten Angaben, die es über das Geschäft gibt.

Die Klone sind eigentlich nur genetische Zwillinge. Die Fellfarbe, ja sogar die Augenfarbe, können durchaus anders ausfallen als beim tierischen Vorbild. Und selbst die genaue Größe hängt davon ab, wie viel Nahrung das junge Tier bekommen hat.

Geklonter Pitbullwelpe

Der Pittbullwelpe in den Armen von Bernann McKinney (l.) ist in Südkorea aus den Zellen des verstorbenen Hundes der US-Amerikanerin gezüchtet worden.

Quelle: dpa / Soaam

Das erste kommerziell geklonte Haustier war eine Katze. Sie hieß Little Nicky und entstand 2004 in den Laboren des texanischen Unternehmens Genetic Savings & Clone. Ihre DNA stammt von einer 19-Jahre alten Katze namens Nicky, die ein Jahr zuvor gestorben war. Wie ähnlich die erwachsene Little Nicky ihrem genetischen Klon tatsächlich geworden ist, ist nicht bekannt.

Wissenschaftler haben in den letzten Jahren einen gesamten Zoo genetisch verdoppelt: Ratten und Kaninchen, Schafe, Schweine und Pferde, Dromedare und Hirsche. Hunde und Katzen klonen, das könnten heute viele. Einzig: Es ist wissenschaftlich nicht interessant. Ernstzunehmende Forschungsprojekte haben eher zum Ziel, vom Aussterben bedrohte Tierarten durch Klonen zu retten.

Doch immer wieder tauchen private Firmen auf, die versprechen, Haustiere zu klonen – die meisten davon sind, mitunter nach kurzem medialen Hype, pleite gegangen. Denn der Markt für geklonte Haustiere von Superreichen ist eben doch recht überschaubar. Und die Frage bleibt: Welchen Vorteil hat ein geklontes Tier wirklich? Die Gewöhnung an den Besitzer, sein Verhalten und seine Eigenheiten werden schließlich nicht mitgeklont.

Dubiose Wissenschaftler mit großen Plänen

Anders Soaam. Der zwielichtige Gründer von Soaam ist Hwang Woo-suk. Und er hat eine Mission. Hwang ist studierter Tiermediziner. Der Wissenschaftler löste einen der größten Wissenschaftsskandale aus. Im Jahre 2004 wurde er weltweit bekannt, weil er behauptete, den ersten menschlichen Embryo geklont zu haben – was sich ein Jahr später als Fälschung herausstellte.

Hwang Woo-suk wurde von der Universität entlassen, wird von der seriösen Wissenschaft gemieden – und wandte sich dem Haustierklonen und anderen steilen Vorhaben zu. Unter anderem soll er die russische Mafia geschmiert haben, um an die Zellen eines Mammuts zu gelangen.

Hwang gelang, so viel ist unstrittig, der erste geklonte Hund. Er nannte ihn Snuppy. Doch Snuppy war ein Glückstreffer. Von 1095 geklonten Embryonen, die Hwangs Forscher Leihmüttern einpflanzten, kam Snuppy als einziger lebender Welpe zur Welt. Etwa 90 000 Euro kostet dem Vernehmen nach ein Hundeklon bei Sooam heute. Das ist viel Geld, selbst für einen Rassehund. Was bei einem erfolgreichen Zuchtstier oder einem Rennpferd eine lohnenswerte Investition scheint, ist für ein Haustier kaum rational zu begründen.

Klonschaf Dolly

Steht inzwischen ausgestopft im Museum: Dolly war vor zwanzig Jahren das erste geklonte Säugetier. Dolly musste im Frühjahr 2003 mit sechs Jahren eingeschläfert werden. Sie zeigte starke Alterserscheinungen, weitaus früher als bei anderen Schafen.

Quelle: Wikipedia / Neverbutterfly / CC BY 2.0

Sooam nutzt im Grunde die Methode, mit der auch Klonschaf Dolly entstanden ist: Eine Eizelle wird entkernt. Hinein kommt der Zellkern des Originals. Im Zellkern ist Erbgut enthalten. Die so gebastelte Eizelle wird im Reagenzglas zur Teilung gebracht. Das Embryo wird einer Leihmutter eingesetzt.

Streng genommen handelt es sich bei ihnen nicht um einen echten Klon, da nicht nur im Zellkern Erbgut enthalten ist. Die Gene der Mitochondrien werden nicht vom verstorbenen Schoßhund, sondern von den Eizellen einer Spendehündin  übernommen. Auch Faktoren wie Fellfarbe und Musterung hängen bei Hund und Katze maßgeblich von den Einflüssen im Mutterleib ab.

Wer sich auf diese eher unromantische Prozedur einlässt und seinem Hund rechtzeitig Zellen entnimmt, könnte sechs Monate später den genetischen Zwilling seines Lieblings in den Händen halten – per Frachtgut aus Südkorea.

Von Jakob Vicari

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