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Viel Spaß bei der Abrechnung

"Hail, Caesar!" auf der Berlinale Viel Spaß bei der Abrechnung

Hollywood lacht über Hollywood – auch bei der kommenden Berlinale: Zur Eröffnung präsentieren die Coen-Brüder die stargespickte Komödie "Hail, Caesar!", in der sie dem Wahnsinn im Filmgeschäft nachspüren. Das haben schon andere humorbegabte Regisseure getan. Ein Kinospaziergang.

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Wasser marsch! Scarlett Johansson ist als Nixe in der Coen-Komödie „Hail, Caesar!“ ganz in ihrem Element.

Quelle: Verleih

Die ersten Filmausschnitte lassen kaum Zweifel zu: Die versammelten Stars haben richtig Spaß gehabt in ihren tolldreisten Verkleidungen – George Clooney in seinem lächerlichen Cäsaren-Brustpanzer und mit nackten Beinen, Scarlett Johansson in ihrem giftgrünen Badenixen-Fummel, Tilda Swinton mit putzigem Hütchen auf dem Kopf. Das lässt hoffen für die Komödie "Hail, Caesar!", mit der die Brüder Joel und Ethan Coen am 11. Februar die Berlinale eröffnen.

Für das Festival ist dies ein Auftakt nach Maß – nicht nur wegen der geballten Prominenz, die das düstere Winter-Berlin nun zum Funkeln bringen soll (außerdem vor der Kamera: Josh Brolin, Ralph Fiennes, Frances McDormand, Jonah Hill, Channing Tatum ...), sondern auch, weil sich der Film ums Filmemachen dreht.

Der Eröffnungsbeitrag macht sich also lustig über die eigene Kunst, die in den folgenden eineinhalb Wochen in dunklen Kinosälen am Potsdamer Platz wieder die Welt bedeuten wird. So viel Selbstironie muss sein.

Selbstironie muss sein

In "Hail, Caesar!" geht es um Baird Whitlock (Clooney), dem größten Star eines Studios in der goldenen Zeit der Traumfabrik, also in den Fünfzigerjahren. Whitlock ist spurlos von der Bildfläche verschwunden, er wurde gekidnappt. Ein "Problemlöser" (Brolin) soll ihn finden und unauffällig zurückholen. Jeder Tag, an dem die Dreharbeiten ruhen, kostet das Studio viel Geld, und für die Tratschblätter wäre die Entführung ein gefundenes Fressen.

Nimmt man die bisherigen Filme der schwarzhumorigen Coens als Maßstab ("Fargo", "No Country for Old Men", "Inside Llewyn Davis"), dürfte der "Problemlöser" auf ziemlich viele Probleme stoßen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass die Coens sich das eigene Metier vorknöpfen: In "Barton Fink" (1991) schickten sie einen gefeierten Theaterautor (John Turturro) nach Hollywood und quälten ihn mit einer Schreibblockade.

Es gibt selbstverständlich auch eine ganze Reihe düsterer, kritischer Filme über Hollywood, die überdies gern auf reale Vorbilder anspielen. Zu den berühmtesten zählt Billy Wilders "Boulevard der Dämmerung" (1950). Darin erzählte Wilder von einer abgehalfterten Stummfilm-Diva und besetzte diese Rolle auch gleich mit einer solchen (Gloria Swanson).

Selbstironischer Hollywood-Verächter: Woody Allen

Selbstironischer Hollywood-Verächter: Woody Allen in "Stardust Memories".

Quelle: Verleih

Zwischendurch gelingt es Hollywood aber immer wieder, über die eigenen Schwächen zu lachen. Das ist bemerkenswert für eine Branche, die sich wie kaum eine andere müht, Hochglanz-Perfektion auszustrahlen. Oft sind es Außenseiter, die über das schier übermächtige System spotten. Woody Allen gehört dazu, der bekennende New Yorker, der nicht einmal dann zur Oscar-Verleihung geht, wenn er selbst einen gewinnen könnte. Er schaut lieber Baseball oder spielt Klarinette.

Gerne jongliert Allen mit autobiografischen Bezügen. "Stardust Memories" (1981) drehte sich um einen frustrierten Komödienregisseur, der endlich einmal für ein Drama gelobt werden möchte. In "Hollywood Ending" (2002) erblindete ein Filmemacher wegen des psychischen Drucks, der auf ihm lastet – und dreht trotzdem weiter. Für sein Werk erntet der Filmemacher im Film im Cineasten-Paradies Frankreich viel Lob. Das kennt Woody Allen ja auch aus dem wirklichen Leben.

Keiner hat sich wohl so grandios bitterböse an der US-Kinoindustrie gerächt wie Robert Altman. Jahrelang war der 2006 gestorbene US-Regisseur raus aus dem Geschäft und musste sich mit Fernsehen und Theater über Wasser halten, dann drehte er "The Player" (1992).

"Dein Hollywood ist tot"

Die Handlung: Ein Hollywood-Produzent (Tim Robbins) schleift kreative Ideen, bis davon nichts mehr übrig bleibt – und liegt damit an der Kinokasse auch noch goldrichtig. Viele gedemütigte Drehbuchautoren hat sich der Produzent zum Feind gemacht. Das hat Folgen: Er wurde bedroht. "Your Hollywood is dead": Dieser Satz stand auf einer der Postkarten, die der Produzent zu Beginn zugeschickt bekam. Und das dürfte Altman ebenso gesehen haben.

Der perfide Clou war: Der Produzent wird zum Mörder und kommt mit dem Verbrechen davon – so wie er seinen Filmen stets ein Happy End verordnet, egal wie unglaubwürdig dieses ist. Verderbtheit zahlt sich eben aus in Hollywood. Einige Filmstars waren bei "The Player" so sehr motiviert, dass sie für eine rein symbolische Bezahlung vor die Kamera traten – und es spielten ziemlich viele mit.

Attacke als Therapie

Bei anderen Regisseuren scheint die Attacke auf Hollywood einen therapeutischen Beweggrund zu haben. Jüngst hat der Kanadier David Cronenberg in "Maps to the Stars" seinen Frust abgeladen. Sofia Coppola warf in "Somewhere" einen melancholischen Blick auf die Leere im Leben eines Filmstars.

Und dann war da noch "Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)" des Mexikaners Alejandro González Iñárritu: Ein ehemaliger Superhelden-Darsteller wird am Broadway von seinen Dämonen eingeholt.

Das Erstaunliche: Die Hollywood-Bewohner beklatschten Iñárritus Satire überschwänglich und überschütteten sie geradezu mit Oscars. Da könnte Selbsthass im Spiel gewesen sein – aber vielleicht war auch einfach nur der Wiedererkennungswert hoch und das Amusement groß. So lässt sich die Kapitulation vorm System Hollywood ertragen. Einen gewissen Preis muss ein Star eben zahlen.

Glücklich in der Berlinale-Schlange
Menschen warten auf die Öffnung der Vorverkaufskasse der Berlinale

Demnächst dürften in der Hauptstadt wieder erstaunlich gut gelaunte Menschen Schlange vor Kartenschaltern stehen. Manche übernachten sogar in Schlafsäcken, um ja ganz vorne aufzuwachen. Es ist Berlinale-Zeit.

Quelle: dpa

Deutschlands wichtigstes Kinofestival findet vom 11. bis 22. ­Februar statt. Das Programm wird bereits am Nachmittag des 2. ­Februar veröffentlicht. Der Ticketvorverkauf beginnt am 8. Februar um 10 Uhr – und dann sollte auch auf dem Sprung sein, wer seinen Stars nahe kommen will.

Karten können jeweils drei Tage im Voraus erworben werden (für Wettbewerbswiederholungen schon vier Tage im Voraus). Am Tag der Vorstellung sind Tickets nur an den Tageskassen der Kinos und unter www.berlinale.de erhältlich. Berlinale-Direktor Dieter Kosslick peilt wie in den Vorjahren rund eine halbe Million Besucher an.
Wer es nicht ins Kino schafft, hat nach der Preisverleihung ­­­­­­­(20. ­Februar, 19 Uhr, Berlinale-Palast) eine allerletzte Chance: Für Sonntag, 21. Februar, ist wie gewohnt ein Publikumstag anberaumt, an dem Wiederholungen aus dem Festivalprogramm zu sehen sind.

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