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Fortsetzung mit Herz

Neuer Roman von Jojo Moyes Fortsetzung mit Herz

Von der grauen Maus zum aufgestylten Star: Mit ihrem romantischen Roman "Ein ganzes halbes Jahr" ist Jojo Moyes zur weltweiten Bestsellerautorin aufgestiegen. In "Ein ganz neues Leben" erzählt die Britin nun die Fortsetzung. Demnächst kommt sie damit auf Lesereise nach Deutschland.

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Neue Frisur, neues Image: Die Britin Jojo Moyes musste lange warten, bis sie als Schriftstellerin Erfolg hatte. Heutzutage ist sie eine gefragte Bestsellerautorin.

Quelle: Rowohlt Verlag

Leserinnen sind für Jojo Moyes nicht einfach nur Leserinnen. Nein, wenn die 46-Jährige die Käuferinnen ihrer Bücher oder auch Journalistinnen anspricht, schlägt sie einen Ton an, als sei man unter Freundinnen oder zumindest guten Bekannten.

"Ich muss Sie um einen großen Gefallen bitten", schreibt die Britin in einem Begleitbrief zum gerade erschienenen Buch "Ein ganz neues Leben". Sie wisse, dass viele Leserinnen von "Ein ganzes halbes Jahr" – der bittersüßen Liebesgeschichte zwischen der Pflegerin Lou und dem gelähmten Will – gespannt darauf seien, wie es mit Lou weitergehe. Man möge aber doch den künftigen Lesern der beiden Romane die Freude nicht verderben. Und weiter schreibt Jojo Moyes in ihrem Brief, dass sie beim Schreiben des neuen Buches lachen und weinen musste.

High Tea im Hyatt

Diesen Satz hört man oft von der zierlichen Britin. Seit dem weltweiten Siegeszug von "Ein ganzes halbes Jahr" hatte sie genügend Gelegenheiten, ihn in Interviews oder bei Lesungen zu sagen. Das tat sie auch schon bei ihrem ersten größeren Pressegespräch in Deutschland. Im Januar 2013 hatte der Rowohlt Verlag ein Dutzend Journalisten zum High Tea ins Hamburger Hyatt Hotel geladen.

Bei Tee, Scones und Clotted Cream sprach Jojo Moyes über ihr Buch, das kurz darauf in Deutschland erscheinen sollte. Aufgeregt sei sie – und wahnsinnig erfreut, dass ihr Roman auf so viel Resonanz stoße, sagte sie damals. Etwas verlegen stand sie im gediegen eingerichteten Salon: eine patente Frau mit praktischem Kurzhaarschnitt, nicht sonderlich modisch oder teuer gekleidet.

So richtig legte Moyes ihre Nervosität erst ab, als sie erzählte, wie viel Zuspruch sie von ihren Leserinnen in England erfahren habe und wie viele Menschen sich bereits bei ihr gemeldet hatten, die einen Partner oder Verwandten pflegten, der als Tetraplegiker lebt, also vom Hals an abwärts gelähmt ist. Genauso wie der reiche Philippe in dem französischen Kinohit "Ziemlich beste Freunde". Den Film, beteuerte die Autorin, habe sie nicht gekannt, als sie mit ihrer Liebesgeschichte zwischen einer Pflegerin und einem gelähmten Patienten angefangen habe.

Foto: Jojo Moyes neuer Roman "Ein ganz neues Leben"

Jojo Moyes neuer Roman "Ein ganz neues Leben" soll an den Erfolg seines Vorgängers "Ein ganzes halbes Jahr" anknüpfen. Mittlerweile wurde der Roman in mehr als 30 Sprachen übersetzt; die Verfilmung kommt bald ins Kino.

Quelle: Rowohlt Verlag

Mittlerweile ist der Roman in 34 Sprachen übersetzt; die Verfilmung kommt demnächst ins Kino. Jojo Moyes trägt die blonden Haare immer noch recht kurz, doch als sie im Sommer 2014 wieder in Hamburg ist, wirkt sie weniger aufgeregt und weit abgeklärter als beim ersten Besuch – und in der schmal geschnittenen pinkfarbenen Hose und dem ebenso schmal geschnittenen blauen Blazer auch viel schicker. Alles an ihr, auch die Frisur, sieht eine Spur teurer und geschmackvoller aus.

Im Gespräch ist Jojo Moyes ähnlich unterhaltsam wie in ihren Büchern. Die gebürtige Londonerin spricht über die Farm in Essex, wo sie mit Mann, einem Journalisten, und drei Kindern lebt. Wenn sie nicht gerade auf Reisen ist. In den vergangenen zwei Jahren hat sie Einladung um Einladung bekommen. Wenn sie die alle annähme, wäre sie wohl 52 Wochen im Jahr unterwegs, erzählt sie. "Früher hatte ich wenig Geld, jetzt habe ich wenig Zeit. Doch was soll’s: Es ist einfach toll."

Auf diese tolle Zeit, auf ihren Erfolg hat Jojo Moyes lange hinarbeiten und warten müssen. Nach ihrem Journalistikstudium hat sie in unterschiedlichen Jobs bei der "Sunday Morning Post" und beim "Independent" gearbeitet; nebenbei hat sie Romane geschrieben. Ihre ersten drei Bücher wurden von Verlagen abgelehnt. 2002 erschien ihr Debüt, "Die Frauen von Kilcarrion". Als sie für ihr zweites Buch, "Das Haus der Wiederkehr", einen Preis für den besten romantischen Roman des Jahres erhielt, war sie erfreut und auch überrascht. Dass ihre Geschichten diesem Genre zugeordnet werden, hätte sie nicht gedacht.

Alltagsheldin trifft Traumprinz

Dabei sind Moyes’ Bücher – und gerade das lieben die Leserinnen wohl besonders – romantisch. Im Sinne von: gefühlvoll. Die frühere Journalistin zeichnet alles andere als eine heile Welt. Ihre Heldinnen stammen oft aus kleinen Verhältnissen, haben Geldprobleme, einige sind alleinerziehend, alle leiden sie unter früheren Enttäuschungen und seelischen Verletzungen.

Gerade ihre Unzulänglichkeiten machen die Hauptfiguren für Leserinnen (Männer, die Moyes-Bücher verschlingen, findet man eher selten) so anziehend. Diese Figuren sind von Selbstzweifeln geplagt, machen jede Menge falsch, sind aber immer hilfsbereit, warmherzig, witzig. So der Typ: große Klappe, großes Herz. Und sie alle lassen sich von ihren Gefühlen leiten, nicht etwa von Gedanken an Karriere oder gar Geld.

Der schwierige Weg zum Happy-End

Dass diese Frauen in ihrem Alltagskuddelmuddel dann doch den richtigen Mann treffen (und in auffällig vielen der Romane verfügt der attraktive Mr. Right über ein stattlich gefülltes Bankkonto), wirkt etwas schmonzettenhaft und gestrig. Jojo Moyes verteidigt diese Erzählmuster hartnäckig: Es sei nicht konservativ, dass ihre Heldinnen ihr Leben nach Kind und Mann ausrichten und beruflich so wenig aus sich machen. Sie finde vielmehr all die Karrierefrauen traurig, die mit Mitte 40 feststellen müssten, dass sie weder Kind noch Mann noch ein schönes Zuhause hätten. Nun, das wird Moyes’ Heldinnen nicht widerfahren.

Der Weg zum Happy-End ist auch in ihrem aktuellen Roman kein Zuckerschlecken. Aber Details über „Ein ganz neues Leben“ sollen nicht verraten werden. Dieser freundlich-bestimmten Bitte aus Jojo Moyes’ Brief mag man sich nicht widersetzen.

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