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Das Glück ist eine Insel

Der Traum vom Privat-Eiland Das Glück ist eine Insel

Wahrer Luxus in einer überdrehten Welt sind Ruhe und Abgeschiedenheit. Beides verspricht eine eigene Insel. Die Zeiten für das höchstpersönliche Inselglück sind günstig, der Markt ist in Bewegung. Und wer will nicht einmal etwas mit Leonardo DiCaprio oder Johnny Depp gemeinsam haben?

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Diese hübsche Insel gehört Nicolas Cage. Der Hollywoodstar hat sie von der Hamburger Agentur "Vladi Private Islands" erworben.

Quelle: dpa

Krise hin oder her – die Griechen sind ein stolzes Volk. Und es gibt vieles, worauf sie stolz sind. Ihre weit zurückreichende Geschichte zählt dazu, das gute Olivenöl und, natürlich, die reiche Inselwelt. Sogar eine eigene Sparte in der griechischen Volksmusik ist den Inseln gewidmet: Nisiotika heißt sie, Insellieder – flotter Takt, Violine, Schmachtgesang. Es gibt wohl keine unter den 167 bewohnten griechischen Inseln, die noch nicht mit einem eigenen Lied bedacht worden ist, mit einer kleinen Hymne.

Denkbar groß fällt da natürlich die Kränkung aus, wenn mal wieder jemand den Griechen vorschlägt, ihre Inseln zu verkaufen, um Geld in die leeren Kassen zu treiben. So muss man wohl davon ausgehen, dass einige Griechen ein Problem mit Farhad Vladi hätten, falls sich ihnen einmal die Gelegenheit böte, den Immobilienmakler aus Hamburg kennenzulernen. Vladi, 70 Jahre alt, deutsch-persischer Herkunft, ist spezialisiert auf den Verkauf von Inseln aus Privatbesitz, und sein in Hamburg und im kanadischen Halifax ansässiges Unternehmen hat auch griechische Inseln im Angebot.

Agios Athanasios zum Beispiel, gelegen im Golf von Korinth, zu haben für 1,6 Millionen Euro. Oder Agios Thomas, 45 Wassertaxi-Minuten von Athen entfernt, für 15 Millionen Euro. Eine namenlose Insel im Ionischen Meer, unweit von Odysseus Heimat Ithaka gelegen, mit Klippen, Höhlen, Buchten und Strand – Kosten: 45 Millionen Euro.

Die Griechen selbst wollen verkaufen

Dass Farhad Vladi auch Inseln aus griechischem Familienbesitz im Portfolio hat, hat viel zu tun mit der Krise im Land und den verlangten Reformen. Es sind die Griechen selbst, die jetzt verkaufen wollen. "Zahlreiche griechische Inselbesitzer möchten ihre Insel jetzt abstoßen, da sie seit Kurzem hohe Steuern auf Immobilien und Grundbesitz entrichten müssen", sagt Farhad Vladi. Wer nun aber meint, dass die griechische Inselwelt demnächst in ausländischer Hand sein wird, der unterschätzt den Erfindungsreichtum der hellenischen Bürokratie.

"Ganze 32 staatliche Genehmigungen sind nötig, um eine griechische Insel zu erwerben, da ist es eigentlich unmöglich, jemals in den Besitz eines Eilands zu kommen", sagt Vladi. Er rät daher seinen Interessenten vom Kauf ab. Alternativen hat er ja reichlich im Angebot.
Zum Beispiel in Kanada. Zu Hunderten liegen kleine bis kleinste Eilande vor der Küste der Provinz Nova Scotia. Manche dieser Inseln sind gerade einmal so groß, dass ein  Blockhaus nebst Garten darauf Platz findet, die größten der zum Verkauf stehenden Eilande messen hingegen 100 Hektar und mehr, bieten also hinreichend Raum auch für ehrgeizigere Projekte wie etwa luxuriöse Ferienresorts.

Kunden sind ganz normale Menschen

Bei findigen Investoren gelten die neuschottischen Inseln längst nicht mehr als Geheimtipp. Ein gut erreichbares, etwa zwanzig bis dreißig Bootsminuten vor der Küste Nova Scotias entferntes Eiland von einigen Zehntausend Quadratmetern Größe ist bereits zu einem Preis von etwa 60.000 kanadischen Dollar (rund 40.000 Euro) erhältlich. Auf den deutschen Nordseeinseln gibt es für diesen Betrag kaum mehr als 30 Quadratmeter Bauland.

Bei derart günstigen Kursen werden natürlich auch immer mehr Normalverdiener schwach. Entsprechend unzutreffend sind die gängigen Jetset-Klischees in Bezug auf viele Privatinsel-Deals denn auch: "Sicher gibt es immer noch zahlreiche Prominente, die sich eine eigene Insel kaufen möchten", sagt Makler Vladi, "doch der Großteil unserer Kunden sind ganz normale Menschen, die nicht Millionäre oder gar Milliardäre sind." Es seien in erster Linie Individualisten und Naturliebhaber, die gerne mal für sich zur Ruhe kommen wollten. "Eine Insel ist dann überhaupt gar kein Statussymbol", meint Vladi.

Inseln gibt's auch bei Tchibo

Freilich gibt es kein Schnäppchen ohne Haken. Die meisten für Normalverdiener erschwinglichen Objekte sind nicht erschlossen. Zumeist fehlt der Zugang zu Strom und Wasser, eigentlich fehlt jedwede Infrastruktur. Weitere preisbestimmende Kriterien sind die Lage und Größe eines Eilandes sowie dessen Flora und Fauna. Schließlich macht es einen erheblichen Unterschied, ob man sich auf einem kargen Felsen oder einer blühenden Bilderbuchinsel niederlässt.

Entscheidend ist zudem, ob der Eigentumstitel eingetragen wird, ob also Rechtssicherheit – und damit verlässlicher Inselbesitz – garantiert ist. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Farhad Vladis europäische Kunden ihr privates Inselglück hauptsächlich nicht in der Südsee suchen, sondern in politisch stabileren Gefilden wie an der französischen Atlantikküste, in Schottland und eben an der Ostküste Kanadas.

Sofern es noch eines Beleges bedurfte, dass das Geschäft mit den Privatinseln endgültig in den Sphären des Alltäglichen angekommen ist, dann hat ihn der Kaffeeröster und Allesverkäufer Tchibo jüngst mit einem eigenen Inselprospekt geliefert. Sechs Meeresimmobilien standen im Sommer zum Verkauf – vom 60.000 Euro günstigen Goose Island unweit der kanadischen Provinzhauptstadt Halifax bis hin zur Südseeperle Maraeroa für 999.999 Euro. Ganz seiner bewährten Gemischtwarenphilosophie folgend bot der Kaffeeröster im selben Prospekt praktischerweise gleich auch passende Möbel und exotische Accessoires für das Inseldomizil an.

Teils zweistellige Preiszuwächse

Der Trend geht also zur eigenen Insel – und jene Triple-A-Prominenten, die sich einst weniger aus Snobismus als schlicht um des lieben Friedens willen auf entlegene Eilande flüchteten, müssen um ihre womöglich letzte verbliebene Bastion fürchten. Hollywood-Legende Tony Curtis etwa gehörte zu jenen Stars, die Ruhe und Unberührtheit der neuschottischen Inseln als Erste lieben lernten. Jahre später kamen die nicht ganz so Prominenten wie etwa der deutsche Showmaster Jörg Pilawa. Und morgen? Winken womöglich schon Müller, Meier, Schulze von der Nachbarinsel herüber.

Dennoch gibt es sie natürlich noch immer, jene Inselrefugien, die für Normalsterbliche zumindest finanziell weit außer Reichweite liegen – und sogar beständig teurer werden. Die Londoner Immobilienberatungsfirma Knight Frank hat die Preisentwicklung am Inselmarkt kürzlich in den Blick genommen und notiert satte, teils zweistellige Preiszuwächse auf klassischen Inselmärkten wie Indonesien, der Karibik oder dem Mittelmeerraum. Unterhalb des Millionenbereichs brauchen Interessenten gar nicht erst einzusteigen, nach oben hin sind die Preisgrenzen nahezu offen.

Der Trend geht zur Zweitinsel

Leonardo DiCaprio etwa, der im Frühjahr ein Vermögen in die kleine Karibikinsel Blackadore Caye investiert haben soll, dürfte also auch zukünftig zu einem sehr kleinen, sehr feinen Kreis von wahrhaft illustren Inselbesitzern zählen – wie beispielsweise auch Johnny Depp, der Abgeschiedenheit auf Little Hall‘s Pond Cay findet, einem zu den Bahamas zählenden Eiland, und Mel Gibson, der bevorzugt auf seinem Fidschi-Inselchen Mago Island relaxt.

Foto: Auf der Bahamas-Insel Little Hall's Pond erholt sich Hollywoodstar Johnny Depp. 2006 hat er das Traumeiland, wie auch Kollege Cage, von dem Hamburger Makler Farhad Vladi gekauft.

Auf der Bahamas-Insel Little Hall's Pond erholt sich Hollywoodstar Johnny Depp. 2006 hat er das Traumeiland, wie auch Kollege Cage, von dem Hamburger Makler Farhad Vladi gekauft.

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Inzwischen scheint es unter Superstars gar zum guten Ton zu gehören, sich eine Zweit- oder Drittinsel zuzulegen. Und da kommen sie wieder ins Spiel, die griechischen Inseln. Johnny Depp soll ein 4 Millionen Euro teures Ägäis-Eiland erworben haben, und Hollywoods Vorzeigeehepaar Angelina Jolie und Brad Pitt erwägt angeblich den Kauf einer Insel im Ionischen Meer.

Eine verschwiegene Branche

Freilich entpuppen sich etliche Absichtsbekundungen und selbst manch millionenschwerer Deal als bloßes Gerücht. Über den Milliardär Warren Buffett wurde etwa Ende Juli kolportiert, er habe 15 Millionen Euro in eine Insel unweit von Athen investiert. Nur zwei Tage später kam das Dementi.

Dass über die Inselkäufe der Reichen und Berühmten oftmals mehr gemunkelt als gewusst wird, mag mit der Verschwiegenheit in der Branche zusammenhängen. Inselmakler Vladi, der etliche Prominente zu seinen Käufern zählen dürfte, schweigt wissend, wenn man ihn um einen kleinen Einblick in seine Kundenkartei bittet: "Diskretion ist den Eigentümern heilig", antwortet Farhad nur.

Nicht, dass Normalverdiener neidisch sein müssten. Zumindest urlaubsweise dürfte ein Hauch von eigener Insel in vielen Fällen im Budget liegen, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau der Superreichen: Auf einigen der vielen neuschottischen Inseln ist eine höchstpersönliche Robinsonade mit Blockhaus und unendlichem Weitblick schon für wenige Hundert kanadische Dollar pro Woche und Nase möglich. Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Zumindest ein bisschen.

Von Marina Kormbaki und Daniel Behrendt

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