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Gestreamt, gecastet, gehypt

Umbruch im Musikbusiness Gestreamt, gecastet, gehypt

Youtube, Soundcloud und Spinnup: Nie war es für echte und selbst ernannte Musiktalente leichter als heute, Millionen Klicks, Likes und Fans zu bekommen. Zugleich wird echter, wirtschaftlicher Erfolg im Musikgeschäft immer schwieriger. Denn der Kuchen wird kleiner.

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Aus dem Wohnzimmer auf die ganz große Bühne: Mit Youtube, Soundcloud und Co. kann heute beinahe jeder zum Star werden.

Quelle: Fotolia

Bibi Bourelly ist auf dem Sprung zum großen Erfolg. Schon als Teenagerin geht die heute 21 Jahre alte Berlinerin in die USA, macht Musik und stellt die Lieder ins Netz. Sie kontaktiert Produzenten und schickt ihnen Songs. Absage folgt auf Absage. Aber Bourelly macht einfach weiter. Am Ende landete sie in Los Angeles, weil Produzent Paperboy Fabe ihre Musik bei Facebook gesehen hatte. Gemeinsam jammten sie im Studio, Bibi rappte auf ein paar Beats. "Wir machen was für Rihanna", dachten sie – halb im Spaß.

In wenigen Stunden hatten sie ein Stück produziert, das bei Kanye West landete und dann bei Rihanna und schließlich in den Charts. Rihanna verwandelte "Bitch Better Have My Money" in einen gigantischen Single-Erfolg. Und Bourelly war plötzlich eine Hitschreiberin. Trotzdem ist es nicht viel mehr als ein Fuß in der Tür, denn bis zum großen Durchbruch sind für die junge Frau aus Deutschland noch einige Hürden zu meistern: das erste eigene Album zum Beispiel.

Bibi Bourelly

Hit-Songschreiberin für Rihanna: Die 21-jährige Bibi Bourelly.

Quelle: Bibi Bourelly

Neben der eigenen Ausdauer verdankt Bourelly ihren Volltreffer vor allem der heutigen Niedrigschwelligkeit im Musikbetrieb: Die Smartphone-App stellt das Orchester bereit und Aufnahmetechnik, die früher ein Einfamilienhaus füllte, passt in den Laptop. Und das Netz quillt nur so über vor Plattformen, auf denen sich Musiker präsentieren können. So kann heute aus beinahe jedem ein Star werden – theoretisch. Denn trotz aller Digitalisierung bleibt den Plattenfirmen die Suche nach echtem Hitpotenzial, nach den Stars von morgen, nicht erspart.

Einfach Star werden

Scouting, also die Talentsuche, ist immer noch ein Thema. Obwohl neue Vertriebswege und Schnittstellen zu möglichen Fans existieren, hat die alte Branchenweisheit, wonach aus zehn ernsthaften Vermarktungsversuchen maximal ein echter Erfolg resultiert, nichts von ihrer Gültigkeit eingebüßt. Marktgiganten wie Universal lassen kaum einen digitalen Kanal aus, um Talente aufzuspüren. Einer davon ist Spinnup, eine Onlinebühne für Nachwuchsmusiker. Hier haben Künstler die Gelegenheit, ihre Musik gebündelt auf vielen Portalen wie Spotify, iTunes, Deezer und Co. einzustellen.

Die Werbung klingt verheißungsvoll: "Es könnte also für dich auch mit einem Vertrag bei der größten Plattenfirma der Welt enden! (Wenn du das möchtest – alles kann, nichts muss!)." Die ersten Schritte zum Ruhm sind denn auch gratis, eine Single mit zwei Stücken kann der Nachwuchskünstler für das erste Jahr kostenlos einstellen. Doch schon das erste Album kostet 39,99 Euro – eine Investition in die Möglichkeit, dass die richtige Person reinhört. Die Spinnup-Plattform verweist auf den einen oder anderen Erfolg, etwa jenen der Band Vigiland, die mit ihrer Single "UFO" 60 Millionen Streams auf Spotify erzielte – nebst einem Plattenvertrag. Doch derartige Erfolgsgeschichten sind letztlich dünn gesät.

Aufwändige Talentsuche

Projekte wie Spinnup zeigen indes, mit welch gewaltigem Aufwand Plattenfirmen inzwischen nach Talenten fahnden, um aus einem unüberschaubaren Angebot die Rohdiamanten herauszufiltern. An dieser Stelle kommt Shazam ins Spiel: eine App, die über das Smartphone-Mikrofon Millionen von Songs identifizieren kann. Shazam ist ein Datenkrake, hat nach eigenen Angaben mehr als 150 Millionen Nutzer und sammelt über 100 Millionen Datensätze von potenziellen Käufern. Wie oft ein Lied "shazamt" wurde, kann für einen Künstler ein starkes Verhandlungsargument sein.

Das Aufspüren kommender Musikgrößen ist auch die Aufgabe von Gunther Buskies, Chef des Hambuger Indie-Labels Tapete Records. Die Plattenfirma kümmert sich um Künstler wie Fehlfarben, Francesco Wilking oder Robert Forster – nicht die ganz Großen, aber etablierte Musiker mit einer verlässlichen Fangemeinde. "Mini-Stars", wie Buskies sie nennt. "Wie man sie findet? Da gibt es keinen Königsweg", sagt der Musikmanager. Manchmal seien Tipps von Musikerkollegen hilfreich, gelegentlich mache die Demo-CD einer Nachwuchsband hellhörig – oder, heute weitaus geläufiger, eine Bewerbungsmail mit angehängten MP3-Files. Viel Zeit investieren Buskies und sein Team in die Suche, denn ein leichtfertiges Investment, gar einen Flop, kann sich ein kleineres Label wie Tapete nicht leisten.

Chaplin

Erfolg aus dem Hause Tapete Records: Die Band "Chaplin".

Quelle: Tapete Records

Die Band Chaplin, das jüngste Projekt von Tapete, ist gewiss keiner. Dominic Hoffmann, der Kopf der Gruppe, die im Mai ihr erstes Album "Im Taxi hinter der Tram" herausgebracht hat, ist ein großer, schlanker Typ mit glattem, dunkelbraunem Haar. Hoffmann kam mit 19 Jahren nach Berlin. Als er sich bei Myspace anmeldete, hatte er gerade eine Biografie von Charlie Chaplin gelesen. Der Bandname war gefunden, noch bevor es eine Gruppe gab. Eine Demo-CD mit einigen Liedern hat er bereits vor Jahren auch an Tapete geschickt.

Immer mal wieder meldete sich die Plattenfirma und forderte weitere Hörproben an. Erst viel später, nahezu ein komplettes Album war bereits in Eigenregie fertiggestellt, kam es zum lang ersehnten Plattenvertrag mit dem Indie-Label. Doch eine wirtschaftlich tragfähige Basis stellt diese Zusammenarbeit für die Band nicht dar. Der Gitarrist und Sänger, der wie seine Bandkollegen mit Brotarbeit für sein Auskommen sorgen muss, glaubt nicht wirklich, eines Tages von seiner Musik leben zu können. Er betrachtet seine Chancen inzwischen nüchtern.

Realismus auf dem Lehrplan

Realismus steht denn auch auf dem Lehrplan der Popakademie in Mannheim. Das Land Baden-Württemberg hat die Hochschule 2003 ins Leben gerufen. Wer hier studiert, will im Musikgeschäft Fuß fassen, sei es als Künstler, Scout oder Manager. Hubert Wandjo ist Geschäftsführer der Popakademie und lehrt nach etlichen Jahren im Musikgeschäft im Bereich Business. Wandjo und seine Kollegen wollen den Studierenden der Popakademie beibringen, wie man sich auf diesem heiß umkämpften Markt behauptet. Dass die Wege zum Ruhm heute im Internetzeitalter zwar vielfältiger zu sein scheinen, es aber dennoch nur die wenigsten in die Komfortzone des Musikgeschäfts schaffen werden – diese bittere Lektion lernen die Studenten als eine der ersten.

Nicht zu hoch gesteckte Erwartungen sind allein schon deshalb erforderlich, weil der Kuchen immer kleiner wird. Seit 1997 haben sich die Umsätze im Musikgeschäft halbiert. Mit verantwortlich sind Einbrüche bei physischen Tonträgern. Der aufstrebende Verbreitungsweg des digitalen Zeitalters, das von vielen Künstlern beargwöhnte Musikstreaming, verharrt hierzulande noch bei Marktanteilen von unter 10 Prozent. Wohin die Reise gehen könnte, zeigen jedoch die USA, wo inzwischen mehr als ein Viertel aller Musikstücke gestreamt wird.

Dieter Gorny, Jahrgang 1953, sitzt in seinem Büro in, ein paar Steinwürfe vom Reichstagsgebäude entfernt. Er ist der wichtigste Musiklobbyist des Landes und Vorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie. Gorny hat in den Neunzigerjahren den Musiksender Viva aufgebaut und die Musikmesse Popkomm gegründet. Er kennt sich aus mit Stars und dem Geschäft dahinter. Ein Star, das ist für ihn ein nachhaltig erfolgreicher Musiker mit einer Aura, die über die Musik hinausgeht. "Es mag heute leichter sein als vor 20 Jahren, junge Talente zu finden", sagt Gorny, "aber es ist sicher nicht leichter geworden, sie nachhaltig aufzubauen."

Königsmacher Soundcloud

Zwar war die Chance für junge Musiker dank Soundcloud, Youtube und anderen niedrigschwelligen Medien noch nie so groß, Öffentlichkeit zu bekommen. Doch eine professionelle Karriere führe nach wie vor über die etablierten Labels, erst recht heute, da die Branche immer unüberschaubarer werde. Trotzdem lassen sich zumindest die ersten Schritte zu einer Musikerkarriere heute viel leichter in Eigenregie meistern. Der Osnabrücker DJ Robin Schulz ist ein Beispiel für einen solchen Selfmade-Erfolg. Schulz stellte seine Version von Mr. Probz’ Song "Waves" auf dem Streamingportal Soundcloud ein. Nur wenige Monate später hatte er einen Nummer-eins-Hit und durfte sich im Goldenen Buch seiner Heimatstadt verewigen. "Ich habe den Remix einfach fertig gemacht und hochgeladen – es gab kein Ziel, keine Hoffnung dahinter, ich wollte ihn einfach gerne teilen", sagt Schulz.

Soundcloud gehört zu den Königsmachern im heutigen Musikgeschäft – ähnlich wie Youtube. Die Videoplattform ist längst eine Bühne für zahllose handgestrickte Karrieren, die zwar nur selten im Reichtum enden, aber mitunter eine Millionen zählende, begeisterte Anhängerschaft erzielen. Liont, bürgerlich Timo Mikal Torres, heißt einer dieser Youtube-Stars. Das Erfolgsrezept des 23-jährigen Solingers ist bemerkenswert schlicht: Eine Videokamera, ein bisschen rappen, ein bisschen Quatsch erzählen und auf der Plattform hochladen – so fing es bei Liont an. Heute haben 1,6 Millionen Fans seine Videos abonniert.

Doch wenn Berühmtwerden so einfach sein kann, muss gefragt werden: Ab wann ist man heute ein Star? Lange Zeit genügten die Verkaufszahlen von Tonträgern und Konzerttickets als Maßstab. Heute ist der Weg zum Starruhm weitaus komplexer, denn Erfolg speist sich aus weitaus mehr Quellen als im Analogzeitalter. Taylor Swift etwa hat mehr als 170 Millionen Tonträger verkauft, was allein schon beeindruckt. Hinzu kommen knapp 50 Millionen Abonnenten beim Fotoportal Instagram, 72 Millionen "Gefällt mir"-Klicks bei Facebook und 64 Millionen Follower bei Twitter.

Flüchtiger Ruhm

Diese Zahlen in Einnahmen umzurechnen ist nicht einfach. Aber eine Berechnung der US-Agentur Opendorse lässt ahnen, welche Erlöse im Netz schlummern können. Demnach soll US-Basketballstar LeBron James, er hat rund 23 Millionen Online-Fans, für eine Twitter-Nachricht rund 120 000 Euro verlangen können – sofern diese eine Werbebotschaft hätte. Wie viel mögen da erst Produktempfehlungen von Taylor Swift wert sein?

Bibi Bourelly, die mit ihrem Song für Superstar Rihanna selbst ein wenig Berühmtheit erlangte, hat vor einiger Zeit wieder ein eigenes Lied ins Netz gestellt: "Riot". Das Singer-Songwriter-Stück beeindruckt mit einer starken, leicht verraucht klingenden Stimme. Bald soll etwas Größeres kommen, ein eigenes Album womöglich, sagt sie: "Ich bin Künstlerin, keine Songschreiberin." Trotz all des Erfolgs, den die 21-Jährige jetzt schon erreicht hat, fürchtet sie immer noch, dass das Interesse an ihr so schnell verschwinden könnte, wie es aufkam. Und sich der nächste Star auf Zeit seine Portion Ruhm abholt.

Von Gerd Schild

Das High-End-Studio für zu Hause: CD-Qualität gibt es ab 2000 Euro
Sennheiser MK4

Mit dem guten Ton fängt alles an: Das Mikrofon Sennheiser MK4 ist schon für knapp 300 Euro zu haben.

Quelle: Sennheiser

Früher war Musikproduktion eine elitäre Sache. Die Band, die sich nicht ins Herz eines hartgesottenen Talentscouts gespielt hatte, erhielt keinen Plattenvertrag und sah auch keins der glamourösen Aufnahmestudios mit ihren Cadillacs von Mischpulten, ihren Toningenieuren und Starproduzenten. Statt Album und Karriere blieben Musikern Tingeltangel oder Taxifahren. Heute hat sich das Geschäft demokratisiert. Mit ein bisschen Traute kreiert man auch zu Hause einen Hit.

Am Anfang herrschen im digitalen Heimstudio meist Platzmangel und Nichtwissen. Nein, man braucht kein Mischpult, das war einmal. Sein Zimmer kann man nicht größer ziehen, deshalb sollte man sich vor dem Einkauf ausreichend Zeit nehmen, um sich in die Grundlagen einzufuchsen, und genau überlegen, welche Musik man zu welchem Zweck aufnehmen will. Es gibt Literatur, Internetforen (etwa www.musiker-board.de) und jede Menge Youtube-Tutorials.

Lieber klein anfangen

Dabei gehen in den Diskussionsrunden des Web die Empfehlungen für die Ersteinrichtung auseinander. Dort werden schon mal mehrere Großmembranmikrofone des Berliner Herstellers Neumann mit Nierencharakteristik für unverzichtbar befunden. Die sind zwar gut für die beengten Verhältnisse, denn sie fangen vor allem von vorne kommenden Schall ein und sind im Gegensatz zu Kugelmikros relativ sicher vor quietschenden, pfeifenden Rückkopplungsgeräuschen. Mit einem Stückpreis von 1400 Euro würden sie aber auch in Profistudios anerkennendes Nicken ernten.

Ein leistungsfähiger Rechner wird in jedem Fall gebraucht, ob indes das Audio-Interface (die Soundkarte) zur Digitalisierung analoger Klangsignale bei einem Studio-Greenhorn unbedingt das Steinberg UR824 sein muss – es kostet um 800 Euro –, steht zu bezweifeln. Wenn dann noch ein Paar Adam-Abhörmonitore (Lautsprecher) für 1100 Euro für nötig befunden wird, dazu zwischen 2000 und 4000 Euro für die akustische Optimierung des Aufnahmeraumes veranschlagt werden, kann sich der Studionachwuchs in seinen Jugend- und Wohnzimmern besser gleich einem anderen Hobby zuwenden. Aus der Traum vom Popstar, die Budgets von Schülern und Azubis sind deutlich überschritten.

Eine massive Raumumgestaltung hält Tino Borja alias T-No allerdings schon mal für ebenso übertrieben wie die oben genannten Edelmonitore. "Man kann dicke Boxen in Wohngegenden sowieso nicht bis zum Anschlag aufdrehen", sagt der 29-jährige Hamburger, der mit "Glücksrezepte", dem Debütalbum des Soulmanns Teesy, Anfang 2014 in die Oberliga der deutschen Popmusikproduzenten aufgestiegen ist und der mit Lumilab in Hamburg-Eppendorf inzwischen über ein professionelles Studio verfügt. T-No hatte sich Ende der Neunzigerjahre bei einem Freund abgeguckt, wie man mit einem Computer, einer Soundcard und einem Keyboard mit Midi-Schnittstelle "Beats baut", um fortan seiner Liebe zum amerikanischen R’n’B auch kreativ frönen zu können. T-Nos Rat: "Nicht gleich im Rundumschlag alles erdenkliche Equipment anschaffen, das man dann größtenteils nie braucht. Nach und nach kann man sich viel gezielter zusätzliche Gerätschaften besorgen."

Solides Studio für 2000 Euro

Und so fällt auch T-Nos Rechnung für ein Startset vergleichsweise günstig aus: Gute Rechner seien ab 500 Euro zu haben, eine entsprechende Soundkarte kostet zwischen 200 und 300 Euro. Manche Soundkarten wie Focusrite seien zugleich Vorverstärker, an die sich ein Mikrofon oder ein Instrument anschließen lasse. Ein Mikro, mit dem dynamische Gesangsaufnahmen möglich sind, sei auch schon für 300 bis 400 Euro zu haben. Fehlt noch für 70 Euro ein USB-Keyboard für das Erzeugen eigener Beats im Computer. Letzteres sei unverzichtbar für Hip-Hop-Produzenten, wobei sich auch hier die Geister scheiden und manche Produzenten auf teurere Synthesizer schwören.

Für den Anfang reichen laut T-No ein paar "ordentliche Lautsprecher" für 300 bis 400 Euro, wobei man seine Aufnahmeergebnisse am besten über Kopfhörer überprüft, die man in der erforderlichen Qualität schon für 120 Euro bekomme. Anfängersoftware, mit der dann aus dem Input Musik gemacht wird, ist frei im Internet zu haben. Will man aber den Rolls-Royce, Cubase 8, schlägt das mit 500 Euro zu Buche, für Schüler, Studenten, Azubis gibt es eine vergünstigte "Education"-Version für 300 Euro. Noch ein paar Euro für Kabel und Co., dann hat man für gut 2000 Euro ein solides Winzstudio. Marktführer ist das Musikkaufhaus Thomann (www.thomann.de). Dort erhält der angehende Soundmacher alles, was er benötigt. "Es geht auch billiger", sagt T-No, "aber mit Komponenten in der genannten Preisklasse kriegt man CD-Qualität hin."

Deutlich billiger reicht aus, wenn man langfristig nicht in Giorgio Moroders Fußstapfen treten, sondern bloß mal für die Oma zum Geburtstag "Wie schön, dass du geboren bist" einsingen will. Dafür braucht es einen Laptop, ein Mikro, Kopfhörer, Einfachsoftware und ein USB-Keyboard. Und damit ist man sogar in bester Gesellschaft. Auch Popgrößen wie Kanye West und Avicii sind so schmal bestückt unterwegs, um jederzeit Ideen festhalten zu können. Damit es ihnen nicht ergeht wie John Lennon und Paul McCartney, die in den Sechzigerjahren Dutzende möglicher Beatles-Hits mangels mobiler Aufzeichnungsgeräte verloren. Je nach Großmutters Ansprüchen kann man auch fast zum Nulltarif analog ins Mikrofon des auf dem Dachboden verstaubenden Kinderkassettenrecorders Bobby Joe singen – vorausgesetzt, man hat noch eine alte Audiokassette übrig und Omis Hi-Fi-Anlage verfügt noch über ein Kassettenfach.

Digital ist flexibler

Wenn der Studiochef mit größeren Ambitionen mit den neuen Gerätschaften zu arbeiten beginnt und eine Gitarrenlinie braucht, selbst aber keine Gitarre spielt, sucht er sich bei www.soundcloud.com, der Plattform für Musikerkontakte, einen Gitarristen, und vereinbart die Versendung eines Solos per Internet. Stimmt das Ergebnis nicht mit den Vorstellungen überein, muss man sich nicht nach und nach 40 Takes schicken lassen, sondern klickt sich die Spur zurecht.

T-No empfiehlt für die Editierung die Software Celemony Melodyne, "die hat super Algorithmen". Jede Note kann damit verändert, Phrasierung, Dynamik, Intonation können beeinflusst werden – bei ein- und mehrstimmigen Instrumenten und auch bei Gesangsstimmen. Analog ist aufrichtiger, sagen die Alten. Analog ist wärmer, sagen sie auch gern. Aber digital ist flexibler. Und für alle.

Von Matthias Halbig

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