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Rauben mir Roboter den Job?

Automatisierung der Arbeit Rauben mir Roboter den Job?

Es ist noch immer gut gegangen: Bislang entstanden parallel zu neuen Technologien viele neue Jobs. Doch Experten warnen: Künftig müssen Arbeitnehmer mehr denn je “unternehmerisch denken“.

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Die Schönschreiber

LKW-Fahrer, Krankenschwestern, Bankangestellte: Nicht jede Berufsgruppe ist von der Automatisierung gleich stark bedroht. Ein Blick in die Zukunft der Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung.

Quelle: Foto: iStock | Montage: RND

Berlin. Der römische Kaiser Vespasian war ein erfolgreicher Herrscher. Von 69 bis 79 nach Christus dauerte die Regentschaft des Flaviers, und noch heute erinnert sich die Menschheit seiner soliden Haushaltsführung und seiner Kreativität beim Generieren neuer Staatseinnahmen. Vespasians Latrinensteuer gilt als Ursprung des Bonmots “Geld stinkt nicht“.

Weniger bekannt hingegen ist, dass der Erbauer des römischen Kolosseums trotz zukunftsweisender Finanz- und Infrastrukturpolitik ein Skeptiker war, wenn es um technologischen Fortschritt ging. Als Ingenieure dem Kaiser ein effizienteres Verfahren für den Transport steinerner Säulen zu den Baustellen präsentierten, lehnte Vespasian ab. Begründung: “Ihr müsst meinen armen Fuhrleuten schon noch erlauben, ihr Brot zu verdienen.“

Eine ähnliche Antwort bekam der britische Erfinder William Lee, als er Ende des 16. Jahrhunderts bei Königin Elisabeth I. um das Patent für eine von ihm konstruierte mechanische Strickmaschine bat. “Bedenken Sie, was die Erfindung meinen armen Untertanen antun würde“, sagte die Herrscherin. “Sie würde sie ruinieren, indem sie ihnen die Arbeit wegnähme und Bettler aus ihnen machte.“ Das Patent wurde nicht erteilt.

Eine 2000 Jahre alte Diskussion

Fast 1500 Jahre liegen zwischen beiden Episoden. Und doch beschreiben sie den immer gleichen Konflikt. Er ist so alt wie die Arbeitsgesellschaft selbst. Und er dauert an. Bis heute. Technologischer Fortschritt gegen Arbeitsplätze, heißt die vereinfachte Kurzfassung dieses Konfliktes. Die Langfassung ist komplizierter. In ihr geht es um Effizienzsteigerungen, Produktivitätsgewinne, Technikgläubigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, soziale Teilhabe – und am Ende auch um gesellschaftlichen Frieden.

Die Diskussion mag mehr als 2000 Jahre alt sein, doch sie ist aktueller denn je. Früher ging es um den Transport von Steinsäulen, heute um innerstädtische Mobilität. Damals bedrohten mechanische Webstühle die Arbeiter in den Manufakturen, jetzt sind es Roboter, die Fachkräften in der Industrie den Arbeitsplatz streitig machen. In der industriellen Revolution ersetzte die Dampfmaschine die Muskelkraft, in der digitalen Revolution ersetzen Computer und künstliche Intelligenz die Kraft menschlichen Denkens. Die Zeiten haben sich geändert, die Angst vor technologischem Fortschritt und damit einhergehender Arbeitslosigkeit ist geblieben. Bereits in den 1930er-Jahren fand der britische Ökonom John Maynard Keynes dafür einen Begriff: technologische Arbeitslosigkeit.

Die Debatte darüber steuert gerade einem neuen Höhepunkt zu. Steht unsere Arbeitsgesellschaft an der Schwelle einer disruptiven Veränderung, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt? Drängen Roboter Millionen Menschen in die Arbeitslosigkeit? Droht ganzen Bevölkerungsschichten die Verelendung? Auf die Idee könnte kommen, wer die Schlagzeilen der vergangenen Monate betrachtet.

Automatisierungsskeptikerin

Automatisierungsskeptikerin: Elisabeth I. fürchtete, Maschinen könnten ihre englischen Landsleute arbeits- und brotlos machen.

Quelle: akg-images

Ängste und Horrorszenarien – sie gehen nahezu alle zurück auf eine Studie zur Zukunft des US-Arbeitsmarktes, die Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne 2013 vorgelegt haben. Die beiden Forscher aus Oxford untersuchten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Roboter, Computer und künstliche Intelligenz Berufe ersetzen. Mit alarmierendem Ergebnis: Nahezu die Hälfte aller Jobs in den USA ist von Automatisierung bedroht, befand das Duo.

Eine 20-seitige Tabelle am Ende des 70-seitigen Werkes liest sich wie ein Blick in eine düstere Zukunft. Das Zahlenwerk soll Aufschluss darüber geben, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für jeden einzelnen Beruf ist, durch Automatisierung zu verschwinden. Gar nicht gut sieht es für Schneider, Uhrmacher und Risikoanalysten aus. Bei 99 Prozent liegt ihre Wahrscheinlichkeit, eines Tages von einer Maschine ersetzt zu werden. Auch Kreditsachbearbeiter, Bibliothekare und Models sollten sich mit ihrem 98-prozentigen Automatisierungsrisiko schon mal besser nach einem neuen Job umsehen. Sozialarbeiter, Psychologen, Lehrer und Krankenschwestern hingegen können sich zurücklehnen. Ihr Risiko, den Arbeitsplatz an eine Maschine zu verlieren, liegt bei unter einem Prozent.

Die Studie von Frey und Osborne traf einen Nerv und löste eine weltweite Debatte aus. Aber wie das mit Studien nun mal ist, lässt sich immer eine finden, die das Gegenteil behauptet. Im konkreten Fall kommt sie aus Österreich. Gerade mal 9 Prozent der Jobs in der Alpenrepublik seien durch Digitalisierung gefährdet, befanden Forscher des “Instituts für Höhere Studien (IHS)“ im Auftrag des Wiener Sozialministeriums. Und durch Digitalisierung entstehende Jobs seien noch gar nicht berücksichtigt. IHS-Chef Martin Kocher blickt deshalb optimistisch auf das Zeitalter der Computer und Roboter: “Per saldo könnte es sogar positive Effekte auf den Arbeitsmarkt haben.“

12 Prozent gefährdete Jobs in Deutschland

Auch die Ökonomen des deutschen ZEW-Instituts wollen sich der Schwarzmalerei nicht anschließen. Sie erwarten, dass vor allem Tätigkeiten der Automatisierung zum Opfer fallen, nicht aber ganze Berufe. “Die Bedrohung durch eine ‚technologische Arbeitslosigkeit’ wird häufig überschätzt“, sagt ZEW-Forscher Ulrich Zierahn. Etwa 12 Prozent der Jobs in Deutschland seien durch die Automatisierung gefährdet.

Die Gleichung Automatisierung plus Effizienzsteigerung gleich Jobverlust funktioniert also nicht. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass die Digitalisierung bereits Hunderttausende Arbeitsplätze vernichtet hat. Ein prominentes Beispiel ist das des früheren Fotoriesen Kodak. Rund 140 000 Menschen arbeiteten einstmals in den Laboren, Büros und Dunkelkammern des Konzerns. Dann begann der Siegeszug der Digitalkameras, übrigens eine Kodak-Erfindung, die das Fotounternehmen wie das deutsche Traditionshaus Agfa verschwanden ganz vom Markt. Ähnliche Beispiele lassen sich im Bereich der Unterhaltungselektronik oder der Musikindustrie finden.

Nun ist es in der Wirtschaftsgeschichte relativ normal, dass Innovationen etablierte Strukturen zerstören und neue schaffen. “Schöpferische Zerstörung“ nannte das der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter. Das Besondere an der Digitalisierung ist, dass sie die innovative Kraft besitzt, sämtliche Branchen gleichzeitig zu verändern. Die spannende Frage wird sein, ob es den Menschen gelingt, in dem Maße neue Betätigungsfelder zu schaffen, in dem alte verloren gehen.

“Arbeitnehmer müssen unternehmerischer denken“

Weitgehend unbestritten ist die These, dass künftige Arbeitergenerationen flexibler, lernwilliger und vor allem besser qualifiziert sein müssen, wenn sie gegen die maschinelle Konkurrenz bestehen wollen. Vor allem Tätigkeiten für Geringqualifizierte und ungelernte Kräfte geraten immer stärker unter Druck. Die Lösung lautet “mehr Bildung“, da sind sich nahezu alle Fachleute einig. “Das Ziel muss sein, Arbeitnehmer grundsätzlich in die Lage zu versetzen, sich zügig mit ihren Fähigkeiten und Qualifikationen an veränderte Marktpositionen anpassen zu können“, fordern Ulf Rinne und Klaus Zimmermann vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in einem Aufsatz. Arbeitnehmer müssten unternehmerischer denken, so die IZA-Forscher. “Sie werden zu Unternehmern im Unternehmen.“

Die digitale Zukunft hat begonnen, so viel ist sicher. Und sie bringt Herausforderungen mit sich. Wie wir ihnen begegnen, hängt von unserer Lebenseinstellung ab. Wir können mit Optimismus in die Zukunft blicken oder mit Pessimismus. Aber eines können wir nicht: den Fortschritt aufhalten. Vespasian und Elisabeth I. haben es versucht. Das Ergebnis ist bekannt.

Wer ist ersetzbar? Berufsgruppen im Vergleich

Roboter als Rechtsanwalt

Juristen sind stolz darauf, ihr Wissen und ihre Intellektualität verkaufen zu können. Sie kennen Regeln und sind in der Lage, diese auf eine Vielzahl von Fällen anzuwenden. Genau dieses systematische Denken, das sogenannte Subsumieren, bringt sie nun in Gefahr: Gut vernetzte Computer könnten eine zunehmende Zahl von Fällen bearbeiten, ohne dass noch ein Mensch gebraucht wird. In den USA begünstigt das “case law“, das stark an Präzedenzfällen ausgerichtete Recht, diesen Trend. Künstliche Intelligenz soll künftig gleich gelagerte Fälle, aber auch graduelle Unterschiede erkennen. Große und kleine Firmen treiben die Entwicklung voran, als Vision gilt die individualisierte Rechtsbelehrung, für die nur ein paar Dollar abgebucht werden. Ein junger US-Entrepreneur auf diesem Feld, Tim Hwang nennt seine im Entstehen begriffene neue Rechtsanwaltskanzlei “Robot, Robot and Hwang“.

Computer erkennen Krebs

Ärzte sehen ihr Fach als höchste aller Disziplinen: Sie können, wenn es gut läuft, Krankheiten heilen, im Extremfall sogar Leben retten. Immer häufiger aber beweisen Roboter, dass sie manches in der Medizin besser hinbekommen, von minimalinvasiven Operationen in kleinsten Gewebestrukturen bis zur Steuerung von Strahlen. Niemals, heißt es aber in der Ärzteschaft, könne eine Maschine den guten alten Hausarzt ersetzen. Genau der aber ist ins Visier der Computerszene in den USA geraten: Ist er nicht doch nur ein Lotse in Richtung von Experten? Die Experten wiederum seien nicht miteinander vernetzt. Künstliche Intelligenz biete dem Patienten erstmals eine einzige Instanz, die Experte auf allen Feldern gleichzeitig sei. IBM brachte jüngst sein Superhirn Watson ins Spiel, als es um Krebsdiagnosen ging. Ergebnis: Watson hat Erkrankte früher und mit größerer Treffsicherheit erkannt als menschliche Doktoren.

Journalismus aus der Retorte

Braucht keine Kaffeepause

Braucht keine Kaffeepause

Quelle: RND

Journalisten wohnt gelegentlich die Überzeugung inne, an der Schwelle zur Literatur zu arbeiten, im Grunde auch Künstler zu sein, weil ihr Rohstoff derselbe ist wie der von Thomas Mann. Bei der nachrichtlichen Grundlast aber, heftig angeschwollen durch das Internet, mischen schon jetzt vielerorts Roboter mit. Drei Minuten dauerte es, bis die “Los Angeles Times“ nach einem Erdbeben am 17. März 2014 die erste Meldung online publizierte. Der “Autor“ war eine Software: „Quakebot“ ist mit den Daten des U.S. Geological Survey verknüpft und füllt im Alarmfall die Lücken in einem vorformulierten Text mit aktuellen Zahlen. Auch Quartalsberichte entstehen auf der Basis von Programmen wie Wordsmith, die aus Daten und Textbausteinen lesbare Texte machen. Der Nutzen: Journalisten können die Routine dem Rechner überlassen und sich Anspruchsvollerem widmen.

Algorithmen steuern den Handel

Börsenparketthändler handeln schon nicht mehr selbst. In den Fernsehnachrichten gibt es sie zwar noch, die Männer und Frauen, die auf eine Wand aus Bildschirmen mit blinkenden Zahlen und wild zuckenden Kurven blicken, aber in den meisten Fällen ist das nur noch Show. Der allergrößte Teil des Aktienhandels findet heute nicht mehr auf dem Börsenparkett statt, sondern wird von Computersystemen und elektronischen Handelsplattformen abgewickelt. Die wichtigste deutsche Börse in Frankfurt hat den traditionellen Parketthandel bereits 2011 eingestellt. Gegenüber menschlichen Börsenmaklern haben elektronische Systeme den Vorteil, dass sie Hunderte von Transaktionen pro Sekunde abwickeln können. Die Undurchsichtigkeit der Systeme allerdings wächst: Immer häufiger erzeugt der automatische Kauf oder Verkauf von Papieren Kursverläufe, über deren Dramatik auch Fachleute nur rätseln können.

Menschenleere Häfen

Hafenarbeiter

Hafenarbeiter

Quelle: dpa

Hafenarbeiter hatten es schon vor der Digitalisierung nicht leicht. Die Erfindung des Containers revolutionierte ab 1956 den Handel und vernichtete gleichzeitig Zigtausende Arbeitsplätze in den großen Häfen der Welt. Waren zuvor an die 60 Mann eine Woche lang damit beschäftigt, die Kisten und Säcke von einem 5000-Tonnen-Schiff zu tragen, liegen moderne Frachter dank der stapelbaren Metallboxen und gigantischer Kräne nur noch wenige Stunden an der Kaimauer. Hafenanlagen sind schon heute weitgehend menschenleer – und in Zukunft könnten noch weniger Arbeiter nötig sein. Terminals werden stärker automatisiert, fahrerlose Transportsysteme kommen vermehrt zum Einsatz. Reeder träumen längst von einem Schiff, das komplett ohne Besatzung auskommt. Die Zahl der Arbeitsplätze in der maritimen Wirtschaft ist bereits stark zusammengeschrumpft, ein Ende aber ist nicht in Sicht.

Lastwagen fahren wie von Geisterhand

Kraftfahrer sind eine der großen Berufsgruppen unserer Gesellschaft. Allein im deutschen Güterverkehr har mehr als eine halbe Million Menschen ihren Arbeitsplatz hinterm Steuer. Hinzu kommen Taxi- und Busfahrer. Viele dieser Jobs sind bedroht – durch selbstfahrende Lastwagen und Autos. Was noch vor wenigen Jahren Science-Fiction schien, ist schon heute testweise auf den Straßen unterwegs. Und die Hersteller arbeiten fieberhaft daran, die Radar-, Steuerungs- und Kommunikationssysteme ihrer Fahrzeuge zu verbessern. Wolfgang Bernhard, bis Februar Chef der Daimler-Trucksparte, rechnet in den kommenden zehn Jahren mit mehr Änderungen beim Lkw als in den 50 Jahren zuvor. Experten erwarten, dass in Ballungsräumen mittelfristig nur noch autonome Lastwagen unterwegs sein werden. Kleiner Trost für Trucker: Ihre Branche kämpft ohnehin seit Jahren mit Nachwuchsproblemen.

Fahrerlose Landmaschinen

Riesige Felder, die von autonomen Landmaschinen bewirtschaftet

Riesige Felder, die von autonomen Landmaschinen bewirtschaftet

Quelle: dpa

Erntehelfer ist bereits heute ein eher seltener Beruf. In früheren Jahrhunderten war das anders. Noch im Jahr 1985 arbeiteteten 38 Prozent der Deutschen in der Land- und Forstwirtschaft. Heute sind es gerade einmal 2 Prozent. Der Hauptgrund für diesen Rückgang liegt in der beispiellosen Technisierung und Mechanisierung der Landwirtschaft. Waren bis in die Fünfzigerjahre ganze Dörfer mit der Ernte eines Kornfeldes beschäftigt, schafft ein moderner Mähdrescher 70 Tonnen Getreide pro Stunde. Noch sitzen Fahrer in den Kabinen, doch schon heute helfen digitale Assistenzsysteme beim Spurhalten, Wenden, Gasgeben und Bremsen. Agrarkonzerne arbeiten bereits am nächsten Schritt: der fahrerlosen Landmaschine. Die Technik dafür gibt es längst Sensoren und Satelliten steuern schon heute zielsicherer als menschliche Fahrer. Und sie kennen weder Feierabend noch Pausen.

Wenn der Zählerableser wegbleibt

Zählerableser für Heizung, Strom und Wasser klingeln immer seltener. Die klassischen Verdunstungsröhrchen an Heizkörpern sieht man kaum noch, inzwischen messen elektronische Heizkostenverteiler die Temperatur. Moderne Geräte übermitteln die Verbrauchswerte via Funk an ein Kommunikationsmodul im Haus, das die Daten bündelt und via Mobilfunknetz an die Abrechnungsfirma überträgt. Strom- und Wasserversorger fordern ihre Kunden immer häufiger dazu auf, die Zählerstände selbst abzulesen und per Onlineformular zu übermitteln. Technisch ist das Ende der Entwicklung damit noch nicht erreicht. Beim Strom etwa gehört die Zukunft intelligenten Zählern, sogenannten „Smart Metern“. Sie sollen dafür sorgen, dass verbrauchsintensive Geräte vorwiegend dann laufen, wenn die Strompreise niedrig sind. Die Verbrauchswerte übermitteln diese Systeme ganz nebenbei.

Roboter und Drohnen liefern die Pakete

Noch gut beschäftigt

Noch gut beschäftigt: Paketboten profitieren

Quelle: dpa

Paketboten gehören bislang zu den Gewinnern der Digitalisierung – zumindest was die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze angeht. Der Siegeszug des Onlinehandels treibt das Paketaufkommen in nie da gewesene Höhen. Wurden im Jahr 2000 allein in Deutschland rund 1,7 Milliarden Paket- und Kuriersendungen auf die Reise geschickt, waren es im Jahr 2015 schon fast drei Milliarden. Und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Trotzdem könnte auch der Job des Paketboten der Digitalisierung zum Opfer fallen. Bereits heute experimentieren Paketdienste mit Zustellrobotern. Hermes etwa beliefert ausgewählte Kunden mit autonomen Fahrzeugen, die wie überdimensionierte Spielzeugautos aussehen. Per Handy können Kunden den Laderaum öffnen und ihr Paket entnehmen. Die Post-Tochter DHL geht noch einen Schritt weiter: Sie will Pakete in dünn besiedelten Gebieten per Luftfracht ausliefern – mit Drohnen.

Der Lokführer geht von Bord

Lokführer sind sich ihrer Arbeitsplätze bislang sehr sicher. Das haben sie bei ihren Streiks eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch ihre Ära könnte zu Ende gehen, denn automatisierte Fahrsysteme werden den Eisenbahnern schon bald die Jobs streitig machen. Technisch gesehen sind die Ansprüche an eine autonome Lokomotive deutlich niedriger als die an einen fahrerlosen Lkw. Das Lenken fällt weg und mit Hindernissen ist im Bahnverkehr nur in Ausnahmefällen zu rechnen. Außerdem könnten Fahrdienstleiter im Notfall per Fernsteuerung die Kontrolle übernehmen. An Flughäfen sind führerlose Züge zwischen Terminals und Parkplätzen bereits heute die Regel. Und auch beim Bau von U-Bahnen setzten immer mehr Städte auf autonome Systeme. In Nürnberg etwa verkehren bereits zwei von drei Linien vollautomatisch.

Von Andreas Niesmann

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