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Wohnen in der geschlossenen Gesellschaft

Gated Communities im Trend Wohnen in der geschlossenen Gesellschaft

Sicher, bequem und unter Gleichgesinnten: In Deutschland werden immer mehr Zäune um ganze Siedlungen gezogen. "Gated Communities" schotten ihre Bewohner gegen die Zumutungen einer bedrohlichen Welt ab. Wovor haben die Menschen, die hier leben, Angst?

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Einst als Fehlschlag abgetan, werden "Gated Communities" in den großen Städten Deutschlands inzwischen immer beliebter. Ein Blick hinter die Schutzzäune.

Quelle: Schulz

Renate Belle öffnet das kleine Tor in dem Zaun, der Arkadien vom Ufer der Havel trennt. Sie bittet ihre Gäste hindurch, schließt wieder ab. Ein kurzer Blick zu den Kameras an der Laterne. Der Wachmann vorne am Haupteingang der Villensiedlung hat gesehen, dass Wohnungseigentümerin Belle, 74 Jahre alt, seit elf Jahren in Arkadien wohnhaft, einen Spaziergang am Uferweg beginnt. Die Märzsonne gibt ihr Bestes, das Wasser glitzert, ein erster Rudervierer hat das Training aufgenommen.

Drüben das frische Grün des Babelsberger Parks, um die Ecke die Glienicker Brücke. Arkadien an der Grenze zwischen Potsdam und Berlin liegt paradiesisch. Das war das Wichtigste für Renate Belle, als sie sich eine Bleibe für den Ruhestand suchte. Sie fand diesen Ort auf der kleinen Halbinsel Glienicker Horn, wo die Westberliner Baufirma Groth & Graalfs rund um die herrschaftliche Villa Kampffmeyer Ende der Neunzigerjahre "Deutschlands erste Gated Community" entstehen ließ.

Von Anfang an war die Anlage umstritten, stand in den ersten Jahren größtenteils leer. Der Bauherr ging in die Insolvenz. Gut acht Jahre und einige Preissenkungen hat es gedauert, bis alle Wohnungen in jeder „Stadtvilla im mediterranen Stil“ verkauft waren. Das Konzept des Wohnens hinter hohen Zäunen, beliebt in gewaltgeplagten Metropolen wie Miami und Moskau, Kapstadt oder Rio, sei in Deutschland gescheitert, hieß es damals. Im beschaulichen Potsdam brauche niemand Zaun und Pförtner, um sicher wohnen zu können.

Erst abgeschrieben, jetzt Zukunftsmodell

Doch die Zeiten haben sich geändert. In Deutschland wächst die Angst, vor den vielen Zuwanderern, vor Einbrechern – vor allem aber vor Statusverlust. Das einst abgeschriebene Arkadien gilt plötzlich wieder als Zukunftsmodell.

Jürgen Linde lebt schon seit 16 Jahren in der Siedlung. Er war der dritte Neu-Brandenburger, der nach Arkadien zog. 1989 war der Jurist als einer der ersten westdeutschen Aufbauhelfer nach Brandenburg gekommen, er wurde Chef der Staatskanzlei und Minister in der SPD-geführten Landesregierung unter Manfred Stolpe. Nach seiner Pensionierung wollte der heute 81-Jährige in Potsdam bleiben und kaufte sich am Glienicker Horn ein.

Für Linde und seine Frau ist Arkadien wie für die meisten Bewohner ein Alterssitz. Wie wichtig war ihnen der Zaun? "Der hat uns jedenfalls nicht abgeschreckt", sagt der Pensionär diplomatisch. "Man weiß ja nicht, wie sich die Zeiten noch entwickeln."

Gut gesichert: Die Bewohner Arkadiens sind von einem hohen Zaun, Kameras und einem Pförtner geschützt.

Gut gesichert: Die Bewohner Arkadiens sind von einem hohen Zaun, Kameras und einem Pförtner geschützt.

Quelle: Schulz

Renate Belle wirft ein: "Für mich war die Sicherheit nur ein Nebeneffekt." Dass die Kameras jeden Eindringling erfassen, dass vorne am "Villa Portale" genannten Pförtnerhäuschen jeder Besucher angemeldet werden und sich ausweisen muss – für Belle war das weder abschreckend noch besonders wichtig. Sie stammt aus Berlin, hat Chemie studiert, war dann viele Jahre in Süddeutschland und der Schweiz als Managerin in der Chemieindustrie tätig.

Nach der Pensionierung wollte sie in ihre Heimat zurück, hatte ausreichend Kapital und klare Vorstellungen: "Ich wollte schön wohnen, mit einem Garten, um den ich mich aber nicht kümmern muss." Die garantierte Sorglosigkeit lässt mancher sich gerne etwas kosten.

In Arkadien gibt es zwei fest angestellte Gärtner, die gleich noch Hausmeisterdienste erledigen und die Post vor die Wohnungstür legen. Wenn irgendwo eine Glühbirne kaputtgeht, reicht ein Anruf an der Pforte. Wer an einem kalten Winterabend aus dem Urlaub nach Hause kommt, kann sich darauf verlassen, dass ein dienstbarer Geist schon mal die Heizung hochgedreht hat.

Abschirmung im Trend

Arkadien ist ein Zuhause mit Rundumversorgung. Gerade Senioren wissen das zu schätzen. Einige Bewohner sind über 90 Jahre alt. Es gibt bereits Pläne, die Halbinsel noch stärker zum Seniorendomizil werden zu lassen: Bald könnte eine Pflegekraft in eine der kleineren Wohnungen einziehen und für die ältesten Arkadianer da sein, berichtet Jürgen Linde.

"Abgeschirmtes Wohnen liegt im Trend", hat Christine Hannemann, Professorin für Architektur- und Wohnsoziologie in Stuttgart, beobachtet. "Es breitet sich immer mehr als Wohnmodell in deutschen Metropolen aus." Der seit einigen Jahren anhaltende Drang in die Innenstädte, für den Stadtforscher den Begriff Re-Urbanisierung erfunden haben, bringt Menschen in die Stadt, die zwar die Lebendigkeit des Mittenmang, aber gleichzeitig Ruhe und Sicherheit genießen wollen. Draußen die Großstadt, drinnen das Dorf, die Siedlung, vertraute Gesichter.

Draußen Großstadt, drinnen Dorf

In Arkadien an der Havel sind die Senioren und Kinderlosen fast unter sich. In den Innenstädten Berlins, Hamburgs, Münchens oder Leipzigs leben junge Akademikerfamilien in der Wohlfühlblase ihrer Townhouses, die sich in den Hinterhöfen der großen Wohnblöcke verstecken; sie sind, auf Neudeutsch, nichts anderes als schlanke, hohe Reihenhäuser.

Da gibt es in der Regel weder Kameras noch Pförtner, aber manchmal ziehen die Bewohner Zäune um ihr kleines Reich oder schließen Tore. Natürlich nur, damit die Kinder nicht rauslaufen aus dem sicheren Hof in die gefährliche Stadt da draußen.

"Mit den Townhouses kommt eine Klientel in die Metropolen, die kleinstädtisch wohnen will", sagt Hannemann. Mit dem Slogan "Ein Landsitz in der Stadt" werben etwa die Heinrich-Heine-Gärten in Düsseldorf. Die noble Wohnanlage in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt hat zwar keinen Zaun, aber im Torbogen zwischen den straßenseitigen Gebäudeflügeln eine Schranke und einen aufmerksamen Concierge.

Man wohnt unter sich: Die Townhouses der Prenzlauer Gärten in Berlin.

Man wohnt unter sich: Die Townhouses der Prenzlauer Gärten in Berlin.

Quelle: dpa

Nach dem anfänglichen Fiasko von Arkadien traut sich kaum jemand in Deutschland, mit dem Begriff "Gated Community" offensiv zu werben. Diskret aber fließt die Abschottung gegen eine als feindselig empfundene Außenwelt als Bonuspunkt in die Vermarktung der geschlossenen Gesellschaft ein.

Das Tor zum Marthashof im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg steht nur einen Spalt breit offen. Der Innenhof der Anlage ist ein kleiner öffentlicher Park. Doch wer hineingeht, fühlt sich sofort wie ein Eindringling. Ähnlich im Diplomatenpark am Berliner Tiergarten. Zwischen edlen Neubauvillen zieht sich eine öffentliche Straße hindurch, doch gleich im ersten Haus sitzt der Doorman im Erdgeschoss und hat alles im Blick. Durch subtile Abgrenzung und Überwachung schafft die Immobilienbranche wie nebenbei private Zonen im öffentlichen Raum.

Luxusmakler Alexander Posth empfängt in seinem Konferenzraum mit Blick auf den Kurfürstendamm. "Der Doorman wird zum Standard", sagt er. Doch Posth will genau sein: "Wir müssen nicht bei der Sicherheit aufrüsten. Aber bei der Dienstleistung." Seine Klientel suche nicht das eingezäunte Leben in der Idylle von Arkadien, sondern das Penthouse hoch über der quirligen Stadt, mit dem prallen Kiezleben vor der Haustür.

Der Pförtner hebt den Status

International tätige Großverdiener seien bereit, bis zu 10 000 Euro pro Quadratmeter für ein Penthouse auszugeben. "Bei den Preisen muss ich aber auch einen gewissen Service bieten", sagt Posth. In den Domizilen seiner Klientel in London, Hongkong und New York sei es Standard, dass der Doorman nicht nur am Eingang sitzt, Besucher im Auge hat und Pakete entgegennimmt, sondern auch mal die Wäsche abholen lässt.

Die Concierge – die Begriffe sind austauschbar – im Düsseldorfer Heinrich-Heine-Park bietet das längst an, in der ehemaligen Servicewüste Berlin kämpfen Verkäufer wie Posth noch um den neuen Standard. "Ich versuche die Bauträger entsprechend zu sensibilisieren, damit ich besser verkaufen kann", sagt er. "Eigentlich darf das kein Problem sein. Die Kosten werden aufs Hausgeld umgelegt, und das fällt in dieser Preisklasse doch gar nicht ins Gewicht."

Wohnsoziologin Hannemann bewertet den Trend zu Doorman und Rundumversorgung ähnlich. Die Ängste in der Bevölkerung, sagt sie, nähmen zu und das verändere die Ansprüche ans Wohnen, aber der reine Sicherheitsaspekt stehe nicht im Vordergrund. "Wir sind weit entfernt von Zuständen wie in Brasilien oder Südafrika." Pförtner und Zaun retten hierzulande keine Leben, sie heben den Status. "Es geht um Komfort und Distinktion und Wertsicherung der Immobilie", sagt Hannemann.

Reiche verdrängen die Wohlhabenden

"Städte wie München, Düsseldorf, Hamburg und Berlin werden reicher. Die Hyper-Gentrifizierten verdrängen in einigen Stadtvierteln bereits die erste Welle der Gentrifizierer." Will heißen: Die Reichen verdrängen die Wohlhabenden, die gerade erst die Menschen mit niedrigerem Einkommen aus Altbauten mit hohen Decken und Repräsentationspotenzial heraussaniert haben. Da darf‘s dann ruhig auch ein bisschen mehr sein.

Der Doorman-Service vom Postlagern bis zum Blumengießen ist besonders bei Zweitwohnungsbesitzern nachgefragt. Und von denen gibt es viele. Multilokalität – so heißt neben der Re-Urbanisierung der zweite Megatrend, der das Alles-inklusive-Wohnen begünstigt.

Auch in Arkadien sind viele Apartments nur ein Teil des Jahres bewohnt. Die Lindes beispielsweise waren mit ihrem großen Wohnmobil mehrmals monatelang unterwegs, auf dem Landweg nach Singapur und zurück oder auf der Panamericana von Feuerland nach Costa Rica. Einmal bekamen sie einen Anruf: Wasserschaden in der Wohnung. Nach ihrer Rückkehr waren keine Spuren mehr zu sehen. Alles repariert, alles renoviert. Das Wunder von Arkadien.

Zufrieden mit dem Leben in der eingezäunten Gemeinschaft: Renate Belle und Jürgen Linde.

Zufrieden mit dem Leben in der umzäunten Gemeinschaft Arkadiens: Renate Belle und Jürgen Linde.

Quelle: Schulz

Im Laufe des Gesprächs kommen Linde und Belle dann doch noch etwas ausführlicher auf den gern in Kauf genommenen Nebeneffekt Sicherheit zu sprechen. In ihrem Haus in Süddeutschland wurde dreimal eingebrochen, erzählt Renate Belle. "Einmal habe ich den Einbrecher noch erwischt."

Die durchwühlten Schubladen, die Angst – "noch einmal möchte ich das nicht erleben". Bislang erfüllen Zaun und Kameras ihren Zweck: In Arkadien gab es noch keine Einbrüche zu vermelden, in Nachbarhäusern, die nur durch einen kleineren Zaun und einen mobilen Wachdienst geschützt sind, indes schon.

Jürgen Linde, Sozialdemokrat seit 1963, erklärt das Arkadien-Konzept da zum Vorbild: "Die Polizei kann sich nicht um alles kümmern. Für die Sicherheit seines Zuhauses sollte jeder Bürger selbst sorgen." Oft genug hat er in Berichten über Arkadien gelesen: Die Reichen schotten sich ab. "Das ist ein Vorwurf, den ich nicht auf mir sitzen lassen will", sagt der Jurist.

Ein Zaun um die Flüchtlinge

Die Reichen, das sind für ihn die Villenbesitzer gegenüber in der Schwanenallee. Dort wohnt unter anderem "Bild"-Herausgeber Kai Diekmann. "Die haben alle Zäune und einen Sicherheitsdienst. Wir sind 42 Wohnungseigentümer, die sich gemeinsam um Sicherheit kümmern." Kollektiv und privat – für Linde ist das ein Modell mit Zukunft.

Die Pförtnerloge in der Villa Portale ist rund um die Uhr besetzt. Vier Doormen wechseln sich in Zwölf-Stunden-Schichten ab. Ihr Dienst für die wohlhabenden Besitzer Arkadiens wird knapp über dem Mindestlohn vergütet.

Nebenan, direkt an der Glienicker Brücke, steht ein zerbröckelndes Gründerzeithaus. Dort wird die Stadt Potsdam demnächst Flüchtlinge unterbringen. Ein Zaun umfasst das Grundstück, ein Wachmann wird davor stehen, wie bei jeder Flüchtlingsunterkunft. Es ist die andere Art von "Gated Community", die gerade in Deutschland entsteht.

Von Jan Sternberg

Interview mit Wohnpsychologin Dr. Barbara Perfahl
Dr. Barbara Perfahl

Dr. Barbara Perfahl, 44, beschäftigt sich als Wohnpsychologin mit der Wirkung von Wohnungen und Einrichtungen auf Menschen.

Quelle: privat

"Sicherheit ist ein zentrales Bedürfnis"

Frau Perfahl, laut einer Emnid-Befragung zum Sicherheitsempfinden haben Männer mehr Angst vor Einbrüchen als Frauen. Warum?
Ich glaube nicht, dass es da einen geschlechtsspezifischen Unterschied gibt. Bei der gleichen Befragung ein Jahr zuvor lagen Männer und Frauen bei der Angst vor Einbrüchen gleichauf. In der aktuellen Umfrage ist unter Frauen die Angst vor Wohnungsbränden dafür verbreiteter als bei Männern.

Obgleich das Erdgeschoss nicht häufiger von Einbrüchen betroffen ist als andere Etagen, sind Wohnungen im Parterre unbeliebt und oftmals  viel günstiger. Hat das auch mit gefühlter Unsicherheit zu tun?
Neben naheliegenden Gründen – etwa weniger Licht und weniger attraktiver Aussicht – empfinden manche das Leben im Erdgeschoss tatsächlich als unsicherer. Und Sicherheit ist ein zentrales, wenn nicht sogar das entscheidende Wohnbedürfnis der meisten Menschen. Ich kenne Leute, die sich nicht trauen, die Fenster ihrer Erdgeschosswohnung auf Kipp zu stellen, weil Fremde in die Wohnung einsteigen könnten – was durchaus eine nicht ganz von der Hand zu weisende Sorge ist.

Einerseits sehnen sich immer mehr Menschen nach einer Wohnung, die Schutzraum in einer aggressiven Welt ist, andererseits geht der Trend zum offenen Wohnen mit viel Glas und bodentiefen Fenstern. Ist das ein Widerspruch?
Durchaus. Ich habe das Gefühl, dass sich viele Menschen von Wohntrends verführen lassen, ohne sich zu fragen: Was brauche ich, um mich zu Hause wirklich sicher und geborgen zu fühlen? Entsprechend sieht man immer wieder offen geschnittene Wohnungen, die regelrecht mit Raumteilern und Sichtschutzmaßnahmen zugebaut sind, weil sich die Bewohner schutzlos fühlen. Rückzugsbereiche sind für nahezu jeden entscheidend. Das sollte man bei der Wohnungssuche stets berücksichtigen. Kluge Wohnkonzepte sehen eine gewissermaßen zwiebelartige Unterteilung der Wohnung vor: Die außen liegenden, gut einsehbaren Räume sind offizieller Natur, etwa um Gäste zu empfangen. Die innen liegenden, gut abgeschirmten Räume sind Lebensbereichen vorbehalten, in denen Privatsphäre wichtig ist.

Gibt es Farben, Materialien oder Einrichtungsgegenstände, die in besonderem Maß das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln?
Das Sicherheitsempfinden hängt zumeist an "harten Faktoren" wie etwa Einbruchschutz an Türen und Fenstern. Geborgenheit hingegen wird tatsächlich stark durch die Möblierung, das Ambiente geprägt. Manche Möbel – etwa Ohrensessel oder Sofaecken, in denen man förmlich versinken kann, bescheren vielen so ein Gefühl. Denn Sie erlauben eine partielle Abschottung von der Umgebung.

Neben puristischen Wohnwelten sind auch rückwärtsgewandte Einrichtungsstile beliebt: Landhaus, Shabby Chic, Vintage. Steckt dahinter die Sehnsucht nach der Verlässlichkeit der "guten alten Zeit"?
Einrichtungsstile sind stets Ausdruck von Lebensstilen – und begegnen uns dementsprechend oft in idealisierter Form. "Die gute alte Zeit", die im Landhausstil aufscheint, hat mit dem harten Landleben von einst natürlich nichts zu tun. Alles, was das Ideal stört, wird ausgeblendet. Insofern sind solche Retro-Stile ein Ausdruck von Heiler Welt – und damit auch der Sehnsucht nach Sicherheit.

In manchen Ländern ist es bis heute üblich, die Haustür nicht vor jedem kurzen Gang ins Dorf abzuschließen. In Deutschland wird der Schlüssel zweimal umgedreht. Sind wir buchstäblich ein verschlossenes Volk?
Gewiss, es gibt Mentalitätsunterschiede. Aber vor allem hat unser gesteigertes Sicherheitsbedürfnis damit zu tun, dass es hierzulande kaum noch dörfliche Strukturen im klassischen Sinn gibt. Strukturen also, in denen jeder den anderen kannte – und Abschließen beinahe  schon Zeitverschwendung war.

Interview: Daniel Behrendt

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