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Mallorca schlägt sie alle!

Massentourismus Mallorca schlägt sie alle!

Die Lieblingsinsel der Deutschen erlebt einen Ansturm wie seit Jahren nicht mehr. In einer Zeit der Krisen kehren die Deutschen nach Mallorca zurück, an einen Ort, der seit den Siebzigerjahren Sonne, Strand und Sicherheit verspricht. Die Abgesänge auf den Massentourismus kamen zu früh.

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Sommer, Sonne, Sicherheit - Malle: In Zeiten der Krise ist der Deutschen liebste Insel so gut gebucht wie nie zuvor.

Man muss nur lange genug hinschauen, um das  Sonnenöl zu riechen. Das Meer rauscht leise. Zum Handtuch des Nachbarn sind immer ein paar Meter Platz, dazwischen liegt nichts als weißer Strand. Das Bild des Stuttgarter Fotografenduos Dennis Orel und Oliver Kröning wird gerade rasant im Internet geklickt. Als habe ganz Deutschland nach dem einen Bild gesucht, das für den Sommer 2015 steht.

Das Sinnbild für unser gutes Sommergefühl ist eine Collage. Ein Strand im Idealzustand, zweieinhalb Flugstunden von Deutschland entfernt in Arenal, am Ende der Bucht von Palma auf Mallorca. Arenal? Richtig: Willkommen zurück in der Keimzelle des Massentourismus! Im Jahr 1961 hatte das Fischerdorf S'Arenal gut 1200 Bewohner, heute sind dort 17 000 Menschen fest gemeldet. Die Hotels bieten Betten für 50 000 Urlauber. Es gibt 50 Discos entlang der sechs Kilometer Strand. Und es gibt den "Balneario Nº 6", besser bekannt als "Ballermann".

Arenal hat alle Wellen überstanden

Arenal ist in die Jahre gekommen, die meisten Hotels sind in den Siebzigerjahren gebaut worden. Der Tourismus in Arenal ist, wie der Urlaub auf Mallorca überhaupt, schon häufig totgesagt worden. Doch er hat alle Wellen überstanden. Mallorca ist in diesem Sommer gefragt wie schon lange nicht mehr. Die Insel war von Anfang Juli bis Mitte August ausgebucht. Die Hoteliers verzeichnen seit dem Frühjahr kräftiges Wachstum.

Der Tourismus auf Mallorca schreibt Bilanzen im XXL-Format: Alle zwei Minuten startet oder landet auf dem Flughafen in Palma im August ein Flugzeug. Am ersten Augustwochenende wurden 1891 Flugzeuge mit 310 646 Passagieren abgefertigt – ein neuer Rekord selbst für die Balearen. Zum Vergleich: In Frankfurt, dem größten Flughafen in Deutschland und drittgrößten in Europa, starten und landen gut 1300 Flugzeuge am Tag.

Sicherer Hafen in Zeiten der Krise

Dass der Massentourismus ausgerechnet dort seine fröhlichste Wiederauferstehung feiert, wo er einst seinen Ursprung fand, hat einige Gründe. Der wichtigste: Mallorca ist im wahrsten Sinne des Wortes zum sicheren Hafen geworden. Rund um das Mittelmeer wird der Strandurlaub immer mehr zur Risikoveranstaltung. In Tunesien ist der Tourismus nach den jüngsten Anschlägen praktisch zusammengebrochen, in Ägypten kommt er nur auf kleiner Flamme wieder in Gang.

In Griechenland war vielen Deutschen in diesem Sommer das Währungsrisiko zu hoch, und nun hat auch noch die Türkei verstärkt mit dem Problem zu kämpfen, dass der Terror ins eigene Land rückt. Verschreckt durch die Krisenmeldungen an den Küsten des östlichen Mittelmeers steuern die Kreuzfahrtschiffe wieder die größte Insel Spaniens an. Statt Stadtausflug in Kairo gibt es nun Shoppen in Palma.

Urlaub für jedermann

Der Wunsch nach Sicherheit werde zu einer immer wichtigeren Währung im Urlaubsgeschäft, heißt es beim Deutschen Tourismusverband. Und davon profitieren die klassischen Urlaubsziele. Mallorca kann darüber hinaus die Sicherheit einer über Jahrzehnte hinweg eingeschliffenen Urlaubsmaschinerie bieten: Hier kommt jeder klar, ohne ein Wort Spanisch zu sprechen.

Mallorca hat es wie keine andere Urlaubsinsel geschafft, die verschiedenen Urlauberströme zu trennen: Die johlende Kegeltruppe und das gut betuchte Ehepaar mit Entschleunigungsprogramm gehen nach der Ankunft auf dem Flughafen verschiedene Wege: Die einen direkt an die Playa de Palma, die anderen in die noble Finca am Fuß des Tramuntana-Gebirges. Treffen werden sie sich frühestens wieder am Flughafen.

Neue Tourismusmodelle

Das Konzept funktioniert. Gleichwohl wird in Spanien auch in diesem Sommer wieder heftig über das Tourismusmodell diskutiert. Sonne, Strand und Sangria seien auf Dauer nicht attraktiv genug. Es müsse mehr Nachhaltigkeit geben. Außerdem werde es mancherorts einfach zu voll. Will heißen: Man will sich in Zukunft am liebsten auf die besonders zahlungskräftigen Gäste konzentrieren.

Die neue, linksgerichtete Balearenregierung plant von 2016 an eine "Ökoabgabe" von ein bis zwei Euro pro Tag und Urlauber – so wie schon in den Jahren 2001 und 2003. Spaniens konservativer Ministerpräsident Rajoy protestiert. Doch er sagt auch: "Der Tourismus auf Mallorca ist unzerstörbar." Die vergangenen 50 Jahre geben ihm recht.

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