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Überregional Wie kommt das Muster in den Fußball-Rasen?
Sportbuzzer Fußball Überregional Wie kommt das Muster in den Fußball-Rasen?
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12:45 23.02.2016
Die Luftaufnahme zeigt die Allianz-Arena in München. Quelle: dpa
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Berlin

Nach Endspielen stürmten Fans die Fußballplätze, um ein Stück aus dem heiligen Boden zu reißen. Zuletzt war der ramponierte Platz beim SV Darmstadt ein strittiges Thema. Selbst in Köln war es um den rheinischen Spaß geschehen, als Augsburgs Keeper Marwin Hitz mit seinem Schuh absichtlich ein Loch am Elfmeterpunkt bohrte, um einen Strafstoß zu beeinflussen. Der Rasen in der Bundesliga ist besonderen Gefahren ausgesetzt, hat mit professionellen Platzwarten aber auch detailverliebte Pfleger. Über High-Tech im Gras, mysteriöse Muster und den ärgsten Feind aller Fußballplätze.

Was ist das Geheimnis des perfekten Rasens?
Damit das Grün prächtig gedeiht, wird es bewässert, belüftet und bei wenig Tageslicht unter dem Schatten der Fußballarenen sogar künstlich mit UV-Licht bestrahlt. „Das wichtigste Qualitätsmerkmal bei sportlicher Betätigung ist die Dichte der Grasnarben“, sagt Klaus Müller-Beck vom deutschen Greenkeeperverband. Es geht also darum, wie gut der Boden ohne Lücken mit Gras abgedeckt ist.

Gibt es ein Geheimrezept für das perfekte Fußball-Grün?
Wie immer gilt: die Mischung macht’s. Für die Deutsche Rasengesellschaft ist der richtige Saatgut-Mix eine Wissenschaft für sich: 30 Prozent Lolium perenne, 40 Prozent Festuca rubra, 30 Prozent Poa pratensis empfiehlt der Verein in einer Broschüre für den perfekten Gebrauchsrasen. Die Eigenschaften der Pflanzenarten lesen sich wie Charakterisierungen von Fußballspielern selbst. Das Ausdauernde Weidelgras: besonders kräftig, belastbar, raschwüchsig, regenerationsfreudig. Die Wiesenrispe: dicht, strapazierfähig, dunkelgrün. Der Rot-Schwingel: fein, langsamwüchsig, anspruchslos. Für das Stadion sei aber eine weitaus komplizierte Formel nötig, meint Müller-Beck - die Sportrasen-Mischung RSM 3.1: Fünf Sorten, eindeutig widerstandsfähiger. Dagegen ist kein Kraut gewachsen.

Wie kommen auf Rasen die unterschiedlichen Muster zustande?
Dunkle oder helle Streifen, Schachbrettmuster oder Kreise. Bei der Optik können sich Platzwarte auf dem Rasen kreativ austoben. Nicht verschiedene Grassorten, sondern spezielle Rasenmäher machen den Unterschied. Nach dem Mähen drücken sie die Halme in die Richtung platt, in die die Maschine fährt. Da die Mähmaschine ihren Kurs ändert, werden die Gräser in verschiedene Richtungen gedrückt. Je nachdem, wo man im Stadion steht und auf den Rasen blickt, entsteht der Eindruck heller und dunkler Streifen. Der DFB erklärt: „Schaut man in Fahrtrichtung des Rasenmähers, wirkt der Rasen dunkler, schaut man gegen die Fahrtrichtung, wirkt er heller.“ Für ein Karomuster werde der Rasen doppelt gemäht, dann einmal längs und einmal quer. In den höchsten deutschen Fußballligen ist der Grünmalerei der Greenkeeper aber Grenzen gesetzt: Nach den DFL-Richtlinien muss das Muster parallel zu den Torlinien angelegt werden, „um ein einheitliches Bild in der Bundesliga und 2. Bundesliga zu gewährleisten“. 

Der Bundesliga-Rasen: Grünfläche mit Millimeter-Frisur
Beim Rasen ist „Kurzhaarschnitt“ Pflicht. Die DFL gibt den Vereinen eine Grashöhe von 25 bis 28 Millimeter vor. Ein Bundesliga- Greenkeeper erklärt: Viele Rasenexperten hätten gerne eine Länge von 30 bis 40 Millimeter. Die Spieler wollten den Ball lieber schneller laufen lassen bei 20 Millimeter. Die offizielle Vorgabe der Liga sei ein Kompromiss aus optimalen pflanzenbaulichen Anforderungen und technischen Spielbetrieb, erläutert Müller-Beck. „Weniger als 25 Millimeter ginge dem Rasen an die Substanz.“

Ein Rasen in Schieflage
Freiburg im Breisgau liegt in unmittelbarer Nähe zu Deutschlands höchstem Mittelgebirge - dem Schwarzwald. Dies macht sich in der Spielarena des SC Freiburg bemerkbar. Fast ein Meter beträgt das Gefälle zwischen beiden Toren - der schiefst Rasen der Liga. SCF-Sprecher Sascha Glunk erklärt den Höhenunterschied: „Das hat historische Gründe. Der Platz war nie ausgelegt, um Bundesliga zu kicken.“ Das Spielfeld könne aber auch nicht einfach geebnet werden, weil das Fundament des Dachträgers in den Platz hineinreiche. Nicht nur wegen der Schieflage spielt der SCF mit Ausnahmegenehmigung, sondern auch, weil die Rasenfläche drei Meter zu kurz sei.

High-Tech unter der Grasnarbe
Um ihn widerstandsfähiger zu machen, haben mehrere Vereine ihren Rasen mit zusätzlich Kunstfasern unterfüttert. Eingenähte Fasern sind unter anderem dazu da, den natürlichen Rasen bei Grätschen zu schonen. Zur Saison 2014/2015 ließ sich der FC Bayern einen Hybridrasen einbauen. Eine solche Mischung aus Kunst- und Naturrasen hatte zuvor nur der VfL Wolfsburg. Der Rasen-Mix sollte die Spielfläche stabiler machen. Kein Verspringen mehr, der Ball sollte exakt seinen Kurs halten, meinte Allianz-Arena-Chef Jürgen Muth. Optimal also für den Tiki-Taka-Fußball von FCB-Trainer Pep Guardiola. Aber auch Hoffenheim und Hamburg setzen laut Greenkeeperverband auf fortschrittlichen Hybridrasen.

Der Angstgegner des Fußballrasens ist...
...der Eckball. Fußballplätze müssen generell besonders strapazierfähig sein. Im Vergleich zum Golfplatz ist er im Fußball der mehr als dreifachen Belastung ausgesetzt. Der Strafraum wird jedoch am schlimmsten mit den Füßen getreten. Dort, wo Stürmer und Abwehrspieler sich beim Eckball um die Lufthoheit streiten, steigen die Bodenschäden um das Sechsfache, wie Forscher der Universität Hohenheim ermittelten. Als besondere Maßnahmen säen Greenkeeper deshalb in der Regel am Tag vor einem Bundesliga-Spiel eine besonders schnellwachsende Saatsorte nach, um das Grün im Sechzehner zu erneuern, erklärt Müller-Beck.

Wo liegt der schönste Platz der Bundesliga?
In der Bundesliga gibt es nicht nur die Torjägerkrone, sondern auch einen Schönheitspreis für hübschesten Rasen der Saison. Die DFL setzt Experten der Deutschen Rasengesellschaft ein, um „besonders hohe Standards“ zu ermitteln. Den ersten Platz in der Bundesliga sicherte sich in der vergangenen Saison das Greenkeeper-Team des FC Bayern München, in der 2. Liga ging die Trophäe an das Wildparkstadion in Karlsruhe.

Von David Fischer

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