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Hannover 96 André Hoffmann: „Die Bundesliga ist schneller, intensiver, taktischer“
Sportbuzzer Hannover 96 André Hoffmann: „Die Bundesliga ist schneller, intensiver, taktischer“
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11:22 06.04.2013
Von Christian Purbs
Startet bei Hannover 96 durch: 
André
 Hoffmann. Quelle: dpa
Hannover

Herr Hoffmann, wissen Sie, was Sie mit Manuel Neuer, Marko Marin und Ihrem Kollegen Konstantin Rausch gemeinsam haben?

(überlegt kurz) Wir haben alle die Fritz-Walter-Medaille gewonnen.

Das ging schnell – und ist richtig. Der DFB ehrt damit die besten Spieler in den Altersklassen „U 17“, „U 18“ und „U 19“, Sie haben 2010 und 2012 jeweils die Silbermedaille erhalten. Eine besondere Auszeichnung für Sie?

Absolut. An die Ehrungen erinnere ich mich sehr gerne, weil diese Auszeichnung eine enorme Wertschätzung ist. Was auch für diese Auszeichnung spricht, ist die Tatsache, dass nicht nur die sportlichen Leistungen, sondern auch soziale und charakterliche Eigenschaften der Spieler mitbewertet werden.

Wenn es um Trophäen im Fußball geht, gibt es noch Steigerungspotenzial: eine schöne Schale, Pokale mit Edelsteinen und großen Henkeln ... Worauf sind Sie besonders scharf?

Ich bin ein Typ, der sich Ziele steckt, die kurzfristig zu erreichen sind. Ziele, die weit entfernt sind, interessieren mich zurzeit nicht.

Was sind denn Ihre kurzfristigen Ziele?

In der Hinrunde, als ich mit dem MSV Duisburg noch in der 2. Liga gespielt habe, war mein Ziel, in der Bundesliga zu spielen. Jetzt geht es weiter. Ich möchte mich in der Bundesliga etablieren und Woche für Woche bestätigen, dass ich mit meiner Leistung mein Team stärker mache.

Warum so bescheiden? Oliver Reck, Ihr ehemaliger Trainer beim MSV Duisburg, hat über Sie gesagt: „André wird auf lange Sicht auf einem Niveau spielen, das ich zu meiner aktiven Zeit nie erreicht habe.“ Reck ist immerhin 1992 mit Werder Europapokalsieger geworden.

Als ich das zum ersten Mal gehört habe, hatte ich Gänsehaut. Oliver Reck ist ein ganz feiner Kerl, auch deshalb ehrt mich seine Einschätzung und ist Ansporn für mich.

Sie haben von der E-Jugend bis zu den Profis beim MSV Duisburg gespielt. Als Ihre ersten Vereine stehen jedoch der SuS Haarzopf und der SC Phönix Essen in Ihrer Vita. Das ist ungewöhnlich. Waren Sie in Ihrer frühesten Jugend etwa ein Fußball-Söldner?

(lacht) Mit dreieinhalb Jahren habe ich beim SuS Essen-Haarzopf angefangen, mein Vater war damals Trainer, und ich habe ein bisschen mitgekickt. Dann sind wir komplett zum SC Phönix gewechselt. Bei einem Turnier in Essen ist der MSV Duisburg auf mich aufmerksam geworden und hat mich zu einem Probetraining eingeladen. Seitdem habe ich für den MSV gespielt.

Welchen Anteil hat Ihr Vater an Ihrer Entwicklung?

Wir sind eine fußballverrückte Familie. Meine Eltern haben unheimlich viel Zeit in mich investiert und mich stets unterstützt. Bei den Spielen und beim Training waren sie immer dabei, haben mich überall hingefahren. Meine Schwester musste in dieser Zeit zurückstecken. Dafür bin ich heute immer besonders nett zu ihr (lacht).

Mit 18 Jahren das erste Spiel als Profi, Kapitän der DFB-Teams „U 17“ und „U 18“, als 20-Jähriger zurzeit Stammspieler in der Bundesliga. Das ist eine Bilderbuchkarriere. Lässt sich so eine Laufbahn planen?

Nein. Mein Ziel war es immer, mir Ziele zu stecken und zu versuchen, sie mit harter Arbeit zu erreichen. Damit bin ich bislang immer gut gefahren.

Am 25. August vergangenen Jahres hätte Ihre Karriere auch vorbei sein können. Im Spiel mit dem MSV gegen Dynamo Dresden sind Sie mit Ihrem Teamkollegen Tanju Özturk zusammengeprallt. Sie waren bewusstlos und hatten kurzfristig Lähmungserscheinungen.

Dass alles vorbei sein könnte, daran habe ich nicht gedacht. Mir ging nur durch den Kopf: „Was passiert jetzt hier eigentlich mit mir?“ Das sind Geschichten, die im Fußball passieren können. Ich habe das inzwischen verarbeitet, sodass es mich nicht mehr belastet.

Haben Sie die Bilder vom Zusammenstoß noch einmal gesehen?

Ich habe es mir noch einmal angeschaut, das hätte ich aber besser nicht machen sollen. Es ist einfach ein blödes Gefühl wenn man sieht, was passiert, man sich aber überhaupt nicht an diese Momente erinnern kann und mitanschauen muss, dass man keine Macht über seinen Körper hatte.

Ein paar Monate zuvor haben Sie als Profi nebenbei Ihr Abitur gemacht. Hat sich der Stress gelohnt?

Das war mir unheimlich wichtig. Im Fußball passieren Verletzungen so schnell, deshalb ist es gut, ein zweites Standbein zu haben. Egal was passiert, ich kann an jeder Hochschule studieren. Ich denke nicht, dass ich so beruhigt wie zurzeit in jeden Tag gehen könnte, wenn ich den Abschluss nicht gemacht hätte.

Verraten Sie mir Ihren Abi-Schnitt?

2,3.

Das ist ordentlich.

Ja, damit bin ich zufrieden.

Gelegenheit zum Lernen haben Sie auch bei Hannover 96. Was sind denn die größten Umstellungen?

Es ist schneller, intensiver, das Spiel ist taktisch ausgeprägter als in der 2. Liga, man muss sehr viel mit dem Kopf arbeiten. Daran musste ich mich in den ersten Trainingseinheiten gewöhnen. Von einem Spieler wie „Pinte“ (Sergio da Silva Pinto, d. Red.) mit seiner großen Erfahrung, seiner Abgezocktheit auf dem Platz kann ich mir täglich etwas abschauen.

Bei 96 gibt es noch andere Sachen zu lernen. Zum Beispiel, dass es keine gute Idee ist, so wie Sie mit Duisburg vor ein paar Monaten gegen Eintracht Braunschweig zu verlieren. Das geht hier gar nicht.

Das ist mir hier schon sehr früh erklärt worden. In der 2. Liga gibt es die Rivalität zwischen Duisburg und Bochum. 96 und Braunschweig soll jedoch eine andere Hausnummer sein. Wenn man wie ich aus dem „Pott“ kommt, steht man auf so etwas. Ich freue mich darauf, wenn es so weit ist.

Gefreut haben Sie sich bestimmt auch bei Ihrem ersten Einsatz für 96 beim Rückrundenstart „auf Schalke“. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Weihnachten habe ich mich noch auf den Rückrundenstart mit dem MSV vorbereitet, weil der Wechsel zu 96 noch nicht definitiv war. Dann ging alles sehr schnell, und plötzlich spielte ich vor 60.000 Fans „auf Schalke“. Das zu erleben war außerordentlich. Das sind Höhepunkte, die man nicht vergisst.

In den vergangenen sieben Spielen standen Sie in der 96-Startelf. Überrascht, dass es so schnell ging?

Bei den Gesprächen vor meinem Wechsel zu 96 wurde mir ein klarer Weg aufgezeigt und gesagt, dass ich eine Chance habe zu spielen, wenn die Trainingsleistungen stimmen. Dass ich jedoch so schnell die Möglichkeit bekomme, Erfahrungen zu sammeln, ist bemerkenswert. Das hätte ich mir nicht träumen lassen.

Am Sonntag gegen Stuttgart werden Sie auf dem Platz auf einen alten Bekannten treffen. Beim VfB spielt Antonio Rüdiger, der Ihnen vergangenes Jahr die Fritz-Walter-Medaille in Gold weggeschnappt hat. Ist da noch eine Rechnung offen?

Nein, wir sind gute Freunde. Ich freue mich auf das Spiel gegen ihn und gehe davon aus, dass wir nach dem Abpfiff die Trikots tauschen – hoffentlich nach einem Sieg von uns.

Interview: Christian Purbs

André Hoffmann wechselte in der Winterpause vom Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg zu Hannover 96. Der Mittelfeldspieler hat bei den „Roten“ einen Vertrag bis Mitte 2016 unterschrieben, dafür zahlte 96 den Duisburgern die vertraglich festgeschriebene Ablösesumme von 800.000 Euro. Der Defensivspieler spielte seit der E-Jugend für den MSV Duisburg, sein Zweitligadebüt gab er am 17. Juli 2011 gegen den Karlsruher SC (2:3). Insgesamt hatte der 20-Jährige 37 Einsätze in der 2. Bundesliga und erzielte dabei ein Tor. Bei den „Roten“ kam er bislang auf neun Einsätze, in den vergangenen sieben Partien stand er jeweils in der Startelf. Hoffmann gehört zum Kader der „U 20“-Auswahl des DFB. 2010 und 2012 wurde er mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber ausgezeichnet, mit der der DFB besondere Leistungen von Nachwuchsspielern würdigt.

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