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Hannover 96 Die glorreichen 13 von Hannover 96
Sportbuzzer Hannover 96 Die glorreichen 13 von Hannover 96
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06:15 26.05.2012
Helden mit Pott: Die Spieler, Ersatzleute, Betreuer und Verantwortlichen beim Gruppenbild. Quelle: Archiv
Hannover

Sie waren Helden für einen Tag. 13 Spieler von Hannover 96 schrieben am 23. Mai 1992 Sportgeschichte. Doch danach ging das Leben weiter. Für den einen besser, für den anderen schlechter. 13 Helden – und was aus ihnen wurde.

Jörg Sievers: Ein Klassiker in so mancher Quizrunde: Wessen Elfmeter parierte der 96-Torwart im Pokalfinale von 1992? Der damals 26-Jährige war bei den Schüssen von Karlheinz Pflipsen und Holger Fach zur Stelle und damit der eigentliche Vater des Sieges. „Wir waren damals eine mittelmäßige Zweitligamannschaft“, sagt Sievers, der mit 96 später auch den Aufstieg in die 2. und die 1. Bundesliga schaffte und seit 2003 Torwarttrainer der „Roten“ ist. Ein „Roter“ seit fast 23 Jahren: Damit ist er einsame Spitze. Als Sievers vor Kurzem zusammen mit einem Freund beim DFB-Pokalendspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund zuschaute, lebte die Vergangenheit noch einmal auf. „Das war ein tolles Erlebnis vor allem mit der Erfahrung, dass man dort selbst schon mal gestanden hat.“

Roman Wojcicki: Der Pole war der Abwehrchef, der die Mönchengladbacher Stürmer schier zur Verzweiflung trieb. Dazu verwandelte er im Elfmeterschießen noch zum zwischenzeitlichen 2:2, was der Borussia merklich zusetzte. „Dieser Pokalsieg wird immer etwas Besonderes für mich bleiben“, sagt der 62-fache polnische Nationalspieler, der an drei Weltmeisterschaften (1978/Bronzemedaille, 1982 und 1986) teilnahm. Heute lebt der Physiotherapeut mit seiner Familie in Neustadt, wo er gemeinsam mit seiner Frau eine eigene Praxis betreibt. Wojcicki ist als Trainer in der 96-Fußballschule tätig, sooft es seine Zeit erlaubt.

Jörg-Uwe Klütz: Seine beiden Jungs (neun und vier Jahre) wissen noch nicht allzu viel mit dem Trikot von 1992 anzufangen, das der Abwehrspieler als Andenken an das „Spiel seines Lebens“ stolz im Schrank verwahrt. Für Klütz, der in Quakenbrück eine Firma für den Bau von Fenstern und Wintergärten betreibt, ist Fußball immer noch ein wichtiger Teil seines Lebens. Seit 2008 trainiert er den BV Cloppenburg, der gerade in die Regionalliga aufgestiegen ist und es damit auch mit dem 96-Nachwuchsteam zu tun bekommt. In Berlin lernten ihn die Gladbacher als einen nimmermüden Kämpfer kennen.

Axel Sundermann: „Einzigartig, unvergesslich, Freude pur“ - so beschreibt der Verteidiger das, was sich am 23. Mai in Berlin und am Tag darauf in Hannover ereignete. An den Pokalsieg erinnert ihn heute noch das Borussen-Trikot von Martin Dahlin. Sundermann, der zwischen 1988 und 1994 für 96 insgesamt 182 Spiele bestritt, ist als Spielerberater bei der Agentur „Extratime“ tätig.

Karsten Surmann: Der Kapitän durfte den Pokal in den Abendhimmel stemmen.

Bernd Heemsoth: Den Spott bekam der Linksverteidiger noch jahrelang zu hören: Mitte der 2. Halbzeit hatte Heemsoth die große Chance zum 1:0 ausgelassen; Torhüter Uwe Kamps und dann Michael Klinkert verhinderten das. „Ist ja alles noch mal gutgegangen“, sagt er rückblickend. „Als Underdog so etwas zu schaffen, war ein tolles Gefühl.“ Der 45-Jährige, der als Spieler vor allem kämpferische Qualitäten zeigte, lebt in Bad Zwischenahn und steht als Kotrainer vor einem neuen Engagement in der 3. Liga.

Jörg Kretzschmar: Der Mittelfeldspieler kriegt noch heute Gänsehaut, wenn er ans 1992er-Finale denkt. „Es ist ohnehin schon das Größte, wenn man im Endspiel steht - und dann noch gegen seinen Ex- und Lieblingsverein spielt. Wahnsinn!“, sagt er. Gegen die Gladbacher, für die er 1989/1990 achtmal in der Bundesliga spielte, traf er nervenstark im Elfmeterschießen zum 3:2. Und das gegen Kamps, einen guten Freund. Nach seiner aktiven Zeit versuchte sich Kretzschmar bis 2011 als Trainer des MTV Ilten. Beruflich ist er bei Lotto Niedersachsen tätig.

Oliver Freund: Spielte nur eine Saison für 96, der Pokalsieg war für den Mittelfeldspieler ein gutes Karrieresprungbrett mit Erstligastationen in Freiburg und bei Rapid Wien. Freund schaffte es nach dem Laufbahnende auch ins Fernsehen: 2010 auf SAT.1 in „Pures Leben“ an der Seite eines Sonderposten-Vertreters.

Michael Schjönberg: Wenn der Däne davon spricht, als Spieler „vier wunderbare Jahre“ in Hannover gehabt zu haben, dann hat er dem am 23. Mai den i-Punkt aufgesetzt. Er gab den „goldenen Schuss“ ab, der 96 den Pokaltriumph bescherte. „Ich war ganz ruhig“, erinnert sich Schjönberg, der die linke Torseite anvisierte und Kamps beim entscheidenden Treffer zum 4:3 keine Chance ließ. „Das war unser Tag!“ Dass sich dieses Datum heute zum 20. Mal jährt, ist Schjönberg wieder durch den Kopf gegangen, als er sich vorigen Sonnabend das Münchener Champions-League-Finale ansah. „Einen Elfer reinzumachen ist in einem solchen Spiel wohl doch nicht ganz einfach“, sagt er augenzwinkernd. Dazu brauche man aber auch Glück: „Wie 1992 beim Schuss von Roman Wojcicki, der vom Innenpfosten ins Tor ging.“ In der Karriere von Schjönberg, der in Odense lebt, wechselten sich glückliche und weniger glückliche Momente ab: deutscher Meister mit Kaiserslautern, 44 Länderspiele einerseits, eine schwere Beinverletzung und die wenig glückliche Rückkehr als Kotrainer zu den „Roten“ andererseits. In Dänemark war Schjönberg rund drei Jahre beim FC Vestsjälland (2. Liga) tätig, derzeit ist er freigestellt und auf der Suche nach einem neuen Job.

Michael Koch: Ihm war im Finale kein Weg zu weit, aber das war auch die Aufgabe des Stürmers: die Gladbacher viel zu beschäftigen und Unruhe zu stiften. Das klappte bestens. Das Schönste, was Koch in Erinnerung geblieben ist, war am folgenden Tag die Fahrt vom Klubhaus an der Eilenriede zum Neuen Rathaus. „Die Leute waren richtig aus dem Häuschen und so stolz auf uns“, sagt er. Koch ist seit acht Jahren als Jugend-Scout und Spielerberater für die Agentur T21Plus tätig.

Milos Djelmas: Seine Dribblings waren spielerisch die Final-Höhepunkte aus 96-Sicht, der Gladbacher Thomas Huschbeck sah meist nur die Hacken des Serben, der in Berlin erst seinen siebten Einsatz im Hannover-Trikot hatte. Zuvor hatte er schon im Halbfinale gegen Werder Bremen (6:5) im Elfmeterschießen getroffen, im Endspiel sorgte er für das 1:1. Technisch konnte kein anderer 96-Spieler Djelmas das Wasser reichen, dafür fehlte es ihm mitunter an Einsatzbereitschaft. Der heute 51-Jährige, der Mitte der neunziger Jahre bei 96 noch Traineraufgaben wahrnahm, gibt seine Erfahrungen an einen befreundeten Spielervermittler weiter. Ein waches Auge wirft er weiter auf 96: „Was sich hier tut, ist sehr positiv und für mich keine Überraschung.“

Uwe Jursch: Der Stürmer wurde im Finale für Michael Koch eingewechselt und füllte dessen Rolle mit großem Pensum weiter aus. „Ich war nach dem letzten Elfmeter so voller Freude, dass ich 30 Ehrenrunden hätte laufen können“, sagt Jursch, der als Physiotherapeut in Osnabrück tätig und nebenbei DFB-Stützpunkttrainer mit B-Lizenz ist. „Als Zweitligist DFB-Pokalsieger geworden zu sein, darauf kann man mächtig stolz sein. Auch noch im Nachhinein“, sagt er.

Mathias Kuhlmey: 60 Sekunden auf dem Platz und Pokalsieger: keine schlechte Bilanz. Seinen großen Pokal-Auftritt hatte er schon im Viertelfinale, als er das Siegtor gegen Karlsruhe schoss. Dabei war Kuhlmey in seinen vielen Jahren bei 96 (1984 bis 1997) alles andere als ein Torjäger. Er ist jetzt in einem Seelzer Chemieunternehmen in der Produktion tätig.

Norbert Fettback und Jörg Grußendorf

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