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Hannover 96 Diese Männer schnappten 96 vor 50 Jahren die 1. Liga weg
Sportbuzzer Hannover 96 Diese Männer schnappten 96 vor 50 Jahren die 1. Liga weg
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00:16 09.05.2013
Eintracht Braunschweigs erste Bundesligamannschaft posiert im Juli 1963. Quelle: Imago
Hannover

13 Grad plus, überwiegend Sonne, vergessen der harte Winter, der als einer der kältesten des 20. Jahrhunderts in die Annalen einging – diese Eckdaten belegen die Wetteraufzeichnungen für den 6. Mai 1963. Es ist ein sporthistorisches Datum, denn am Montag vor 50 Jahren vergab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die letzten Startplätze für die neu geschaffene Bundesliga und schuf damit im Norden Fakten, deren Auswirkungen noch heute zu spüren sind.

Hannover 96, der deutsche Meister von 1938 und 1954, hatte die Saison in der Oberliga, der damals höchsten Spielklasse, zwar nur als Tabellenneunter abgeschlossen. Wegen der geplanten Zwölf-Jahres-Wertung und der guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit dem größten Stadion Norddeutschlands (das Niedersachsenstadion bot damals 76.000 Zuschauern Platz) war man sich bei den „Roten“ sicher, zu den 16 künftigen Erstligavereinen zu gehören. Ein folgenschwerer Trugschluss.

Urplötzlich hatte die Bundesliga-Kommission eine Fünf-Jahres-Wertung aus dem Hut gezaubert – und sogar diese zählte am Ende wenig. Das Telegramm des DFB muss den 96-Vorsitzenden Alfred Strothe wie ein Keulenschlag getroffen haben: „Ihr Antrag auf Eingliederung in die 1. Fußball-Bundesliga wird abgelehnt.“ Fast noch schlimmer die Begründung: Der VfL Osnabrück, Hannover 96 und Eintracht Braunschweig seien sportlich gleichwertig zu sehen, daher habe die Abschlusstabelle der laufenden Saison den Ausschlag zugunsten des Drittplatzierten aus Braunschweig gegeben.

Das Schicksal mit dem FC Bayern München, Kickers Offenbach oder Alemannia Aachen zu teilen war für die Hannoveraner kein Trost. Nicht nur der 96-Meistertrainer von 1954, Helmut Kronsbein, witterte unlautere Machenschaften. Verschwörungstheorien machten die Runde. Die bis heute anhaltende Rivalität zum „kleinen“ Nachbarn war geboren.

Für die Eintracht aus Braunschweig saßen am 6. Mai 1963, dem Tag nach der deutschen Länderspielpremiere gegen Brasilien in Hamburg (1:2), Geschäftsstellenleiterin Margot Martini und Masseur Heinrich Pieper laut NDR-Archiv stundenlang im Foyer des Hamburger Hotels „Europäischer Hof“. Dann soll Eintracht-Präsident Kurt Hopert aus dem Verhandlungssaal gestürmt sein mit der frohen Botschaft: „Eintracht ist in der Bundesliga!“

Neun Klubs (1. FC Nürnberg, Eintracht Frankfurt, 1. FC Köln, Borussia Dortmund, Schalke 04, Hamburger SV, Werder Bremen, 1. FC Saarbrücken und Hertha BSC) hatten schon am 6. Januar grünes Licht durch die Bundesliga-Kommission und den DFB-Beirat erhalten.

Die „Löwen“ aus Braunschweig bekamen am 6. Mai als erster Verein eine von noch sieben möglichen Bundesliga-Eintrittskarten. Zu verdanken war es wohl dem klugen Kalkül des Juristen Hopert, der frühzeitig die Irrungen und Wirrungen der Bundesliga-Kommission rund um die Qualifikationskriterien erkannt hatte.

Hopert war es auch, der sich schon vor dem DFB-Beschluss am 28. Juli 1962 für die Einführung einer eingleisigen Bundesliga anstelle der vier Oberligen eingesetzt hatte. Mit Vehemenz und als einziger Vertreter der führenden Nordklubs. Hopert muss frühzeitig Signale erhalten haben, dass dem laufenden Spieljahr elementare Bedeutung zukommen könnte. Vor der Begegnung bei Hannover 96 am 10. Februar 1963 soll der Braunschweiger die Kabine seiner Mannschaft aufgesucht und appelliert haben: „Ich öffne euch das Tor zur Bundesliga. Durchgehen müsst ihr allein.“ Manfred Wuttich desillusionierte die 96er mit dem Tor des Tages zum 1:0-Sieg der Eintracht, danach stieg in Braunschweig eine Riesenparty ...

Andernorts hatten sich die Vereinsoberen ohnehin wenig Chancen ausgerechnet. Der FC St. Pauli als zweiter Hamburger Klub war aus geografischen Gründen (keine zwei Vereine aus einer Stadt) eigentlich schon bei der Bewerbung der insgesamt 74 Klubs aus dem Rennen. Der VfL Osnabrück belegte zwar laut Punktetabelle des „Sport Magazin“ noch am 21. Januar 1963 in der mysteriösen und bei Härtefällen letztlich kaum Bedeutung besitzenden Zwölf-Jahres-Wertung hinter dem HSV und Werder, aber vor St. Pauli, 96, Holstein Kiel und Eintracht Braunschweig im Norden Rang 3, besaß aber mangels bundesweiter Erfolge keine echte Möglichkeit, zu Bundesligaehren zu kommen.

In Braunschweig dagegen wurde gefeiert. Damals und – passend zum großen Tag vor 50 Jahren – auch gestern gegen Energie Cottbus beim ersten Heimspiel nach der feststehenden Rückkehr in die 1. Liga. Schöner kann sich ein Kreis nicht schließen.

Die schwere Liga-Geburt

Jubel, Proteste, Verschwörungstheorien – die Geburt des liebsten Kindes der Deutschen, der Fußball-Bundesliga, im Zeitraffer:

 28. Juli 1962: Mit 106:23 stimmen die Delegierten um 17.45 Uhr im Goldsaal der Dortmunder Westfalenhalle beim Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die Einführung einer eingleisigen Bundesliga anstelle der bisher vier Oberligen als höchste deutsche Klasse. Angedacht ist zunächst eine Liga mit 18 Klubs.

 6. Oktober 1962: Der DFB-Beirat folgt der Empfehlung des neuen, in Ibbenbüren bei Osnabrück geborenen DFB-Präsidenten Hermann Gösmann und votiert mit 29:2 Stimmen für eine 16 Klubs umfassende Bundesliga. Die Regionalverbände Süd und West erhalten je fünf Plätze, der Norden drei, der Südwesten zwei und Berlin einen. Auf 22 Schreibmaschinenseiten werden die künftig geltenden Statuten in 33 Paragrafen gegliedert. Das Mindestgehalt der künftigen Lizenzspieler muss 250 Mark betragen, das maximal Erlaubte inklusive Prämien liegt bei 1200 Mark. Die maximale Ablösesumme nach Ablauf des Vertrages wird auf 50 000 Mark festgelegt.

 6. Januar 1963: Der Bundesliga-Ausschuss erteilt neun Vereinen (1. FC Nürnberg, Eintracht Frankfurt, 1. FC Köln, Borussia Dortmund, Schalke 04, Hamburger SV, Werder Bremen, 1. FC Saarbrücken und Hertha BSC Berlin) die Bundesligalizenz. Insgesamt hatten sich in erster Instanz 74 Klubs beworben, nach diesem Tag stehen nur noch 20 Klubs auf der Warteliste.

 6. Mai 1963: Die sieben Restplätze werden vergeben. Per Telegramm erhalten 1860 München, Eintracht Braunschweig, Preußen Münster, Karlsruher SC, 1. FC Kaiserslautern, VfB Stuttgart und der Meidericher SV (heute MSV Duisburg) die Lizenz-Zusage.
13 Vereine (unter anderem FC Bayern München, Hannover 96) protestieren offiziell gegen die Lizenzvergabe.

 14. Juni 1963: Die Proteste werden abgewiesen, die 16-köpfige Bundesliga ist geboren.

 29. Juni 1963: Borussia Dortmund gewinnt vor 75 000 Zuschauern in Stuttgart das letzte Endspiel um die deutsche Fußball-Meisterschaft mit 3:1 gegen den 1. FC Köln.

 24. August 1963: Der erste Bundesliga-Spieltag wird angepfiffen. Das Premierentor schießt der Dortmunder Timo Konietzka in der 1. Minute in Bremen. Erster Meister der Bundesliga-Ära wird der 1. FC Köln.

Andreas Geidel

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