Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Hannover 96 Maestro: „Ich habe großen Spaß“
Sportbuzzer Hannover 96 Maestro: „Ich habe großen Spaß“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 29.07.2012
Von Björn Franz
Sonderauftrag in Dublin: Mirko Slomkas Assistent Nestor el Maestro geht heute von Graz aus auf Beobachtungstour. Quelle: zur Nieden
Bad Waltersdorf

Nestor El Maestro macht sich am Donnerstagmorgen auf den Weg nach Dublin. Der 29-jährige Kotrainer von 96 fliegt mit Teammanager Thomas Westphal von Graz nach Irland, um dort das Europa-League-Rückspiel zwischen St. Patrick’s Athletic und NK Sikori Brijeg (Hinspiel: 1:1) zu beobachten, bei dem der Gegner der „Roten“ ermittelt wird. El Maestro kam im Januar 2010 gemeinsam mit Mirko Slomka nach Hannover, mit dem er zuvor bei Schalke 04 gearbeitet hatte. Der gebürtige Serbe arbeitete bereits bei West Ham United (2001–2002), Juventus Turin (2002), Austria Wien (2002–2004) und dem FC Valencia (2005–2006). Im Alter von 18 Jahren änderte das Sprachtalent, das Englisch, Serbisch, Deutsch, Spanisch und Portugiesisch beherrscht, seinen Nachnamen von Jevtic in El Maestro. 

Herr Maestro, Sie sind praktisch das Auge von Hannover 96 beim Europa-League-Spiel in Dublin. Worauf achten Sie dabei besonders?

Dieses Spiel ist schon etwas anders als eine normale Spielbeobachtung, weil man beide Gegner bislang gar nicht kennt. Man schaut eigentlich auf alles: Einzelfähigkeiten von Spielern, welche Spielertypen sind das? Haben sie Aktionen, die sich wiederholen? Das ist in der Bundesliga nicht so, weil man da die Einzelspieler selbstverständlich kennt. Da wird dann eher auf Besonderheiten oder Änderungen in der Spielweise geachtet. Man denkt eigentlich die ganze Zeit darüber nach, wie wir am besten gegen diese Mannschaft auftreten sollten.

Versuchen Sie, auch in der Bundesliga jeden Gegner einmal live zu sehen?

Wir haben ja bei 96 extra einen Scout, der ohnehin jeden Gegner mindestens einmal sieht. Und wir haben es im Trainerteam so vereinbart, dass wir versuchen – wenn es irgendwie geht –, auch jeden Gegner mindestens einmal live zu sehen. Das kann bedeuten, dass ich hinfahre oder der Norbert (Kotrainer Norbert Düwel, d. Red.) oder der Trainer selbst oder manchmal auch zwei von uns. Ich fahre vielleicht etwas öfter zu Spielen als die anderen beiden.

Kann man Ihre Aufgaben innerhalb des Trainerteams genau beschreiben?

Es ist ein Mannschaftssport – im Trainerteam genau wie in der Mannschaft. Ich alleine bin für gar nichts verantwortlich, und als Teil des Trainerteams bin ich für alles verantwortlich. Natürlich kenne ich mich in manchen Bereichen besser aus als in anderen – ich habe zum Beispiel mit Konditionstraining wenig zu tun –, aber natürlich habe ich auch dazu eine Meinung. Eine klare Aufteilung zwischen uns dreien – Mirko, Norbert und mir – gibt es nicht. Mirko Slomka ist aber natürlich der Chef, der die Richtung vorgibt.

Ist es richtig, dass Sie sich schon mit 15 Jahren entschieden haben, die Trainerlaufbahn einzuschlagen?

Ja, das kann man so sagen. Wobei die Frage ist, was ein 15-Jähriger so richtig entscheiden kann. Man ist da ja eigentlich noch ein Kind. Aber es stimmt, als ich 15 war, dachte ich, es wird schwierig, selber zu spielen. Aber ich möchte gerne am Sonnabend im Stadion sein – und zwar auf dem Platz. Und da war es der nächstbeste Platz.

Sie haben schon mit 18 Jahren bei West Ham United gearbeitet. Wie kam das zustande? Es ist ja nicht normal, dass ein Klub einen 18-jährigen Trainer einstellt.

Ich habe schon vorher die Jugend von einem kleinen Vorortverein etwas außerhalb von London trainiert und mit 15 oder 16 Jahren angefangen, die ersten Trainerlizenzen zu machen. Ich habe mich dann einfach beworben, und zwar nicht bei West Ham, sondern gefühlt bei 150 Vereinen. West Ham hat sich dann gemeldet, es gab eine kurze Probezeit, und danach wurde ich als Trainer für die Achtjährigen eingestellt. Die habe ich dann für ganz wenig Geld trainiert – drei-, viermal in der Woche plus das Spiel am Wochenende. So ganz unspektakuläre Sachen, aber für mich war das ein Riesending damals.

Die Entwicklung war danach rasant. Sie waren unter anderem beim FC Valencia, das ist ja ein großer Name.

Wie es auch in vielen anderen Jobs ist, habe ich im Zweijahresrhythmus ein Angebot mit mehr Verantwortung und mehr Geld im Jugendbereich bekommen. Erst bei Austria Wien, dann in Valencia, und 2006 bin ich dann nach Schalke zur Profimannschaft gegangen.

Diesem Zweijahresrhythmus sind Sie jetzt aber untreu geworden, schließlich arbeiten Sie schon viel länger mit Mirko Slomka zusammen. Unterscheidet sich diese Arbeit von vorherigen Tätigkeiten?

(lacht) Ich habe einfach keinen Anruf vom FC Barcelona bekommen. Aber Spaß beiseite: Ich denke, ich habe schon damals, 2006, für mein Alter die oberste Grenze in diesem Geschäft erreicht. Alles darüber wäre damals und auch jetzt noch unrealistisch. Ich kann mir im Moment keinen besseren Job vorstellen. Und dazu kommt auch, dass ich sehr gerne unter Mirko arbeite. Ich habe großen Spaß daran, es funktioniert gut, und wir waren ja auch überwiegend erfolgreich. Natürlich machen wir dann auch weiter.

Als Sie bei Schalke angefangen haben, waren Sie erst 23. Ist es auf dem Platz ein Problem, wenn der Kotrainer jünger ist als der eine oder andere Spieler?

Das war kein Problem. Es hat mal jemand gesagt: Die Bundesliga ist nichts, um etwas zu probieren. Wenn etwas nicht läuft, dann ist man ganz schnell weg – vor allem bei so einem Verein wie Schalke. Aber ich bin ja da geblieben, also ist es offenbar gut und erfolgreich gelaufen. War das außergewöhnlich für mich? Ja, sehr. Für die Spieler? Vielleicht auch. Aber die Arbeit haben wir gemacht und letztendlich auch erfolgreich. Jetzt ist das, so meine ich, überhaupt kein Thema mehr.

Wenn man Sie beim Training beobachtet, wirken Sie immer sehr ruhig, bedächtig und distanziert. Ist das eine ganz bewusste Entscheidung?

Es stimmt, es gibt eine Distanz zwischen mir und den Spielern. Und ich finde es auch richtig so. Ich habe das in Hannover vom ersten Tag an bewusst so gemacht. Es ist sicher nicht falsch, eine engere persönliche Beziehung zu den Spielern zu haben. Aber ich habe das nicht, möchte es auch nicht und habe die Überzeugung, es ist für mich besser so.

Sie haben selbst die Fußballehrerlizenz. Würden Sie in absehbarer Zeit gerne auch einmal selber als Cheftrainer arbeiten?

Das wird in den kommenden Jahren sicher nicht passieren. Die Jobs, die ich realistischerweise bekommen könnte, würde ich nicht nehmen, weil es sicherlich nicht auf dem Niveau wäre, auf dem ich jetzt arbeite. Wenn man mich fragt, ob ich lieber das mache, was ich im Moment mache, oder einen ganz kleinen Klub in einer niedrigen Liga als Chef zu übernehmen, dann bleibe ich natürlich lieber hier.

Sie haben schon mit 18 Jahren Ihren Namen von Jevtic in El Maestro geändert und später gesagt, dass Sie diese Entscheidung mit 24 oder 25 Jahren nicht mehr getroffen hätten. Stimmt das?

Ich habe als Teenager einige Dummheiten gemacht, und das mit der Namensänderung war vielleicht eine davon. Für die Menschen in meinem unmittelbaren Umfeld ist das kein besonderes Thema mehr, es ist ja auch schon elf Jahre her, und ich habe mich daran gewöhnt. Hätte ich es jetzt gemacht? Wahrscheinlich nicht, weil dieser Nachname mich in Zukunft eher stört, als mir zu helfen. Aber ich war halt 18 und wollte etwas Besonderes sein und machen. Das passiert.

Hatte es nicht auch mit Ihrem jüngeren Bruder Nikon zu tun, der als Fußball-Wunderkind galt? Sie beide wurden von den Medien ja damals als die „El Maestro“-Brüder bezeichnet.

Ja, es hatte auch damit zu tun. Und auch damit, dass ich Brite bin und in England mit einem serbischen Nachnamen gelebt habe. Ich habe mich nicht als Serbe gefühlt.

Ihr Bruder war mit Ihnen zusammen in Valencia und bei Schalke, inzwischen ist er 19 Jahre alt und spielt bei Ujpest Budapest. Wäre es denkbar, dass sie einmal als Trainer und Spieler zusammen bei Hannover 96 arbeiten?

Überhaupt nicht. Wir haben beschlossen, dass es einfach unangenehm für beide ist, wenn wir im selben Verein sind.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Am Montag reiste er ins Trainingslager nach, am Dienstag schon stieg Szabolcs Huszti ins Mannschaftstraining ein. Im Interview spricht er über Rückkehr, Erwartungen und Rückennummern.

Björn Franz 25.07.2012

Um 19.52 Uhr verschaffte sich Mirko Slomka noch einmal selbst ein Bild von der Situation. Im strömenden Regen und unter Donnergrollen marschierte der Trainer von Hannover 96 quer über den von Pfützen übersähten Rasen des Thermenstadions in Bad Waltersdorf. Doch nichts ging mehr.

Björn Franz 27.07.2012

Die jüngsten Erfolge der „Roten" in der Fußball-Bundesliga sorgen für einen beachtlichen Vertrauensvorschuss unter den Fans. Bisher wurden 26.500 Dauerkarten abgesetzt, so viele wie nie zuvor in der Vereinsgeschichte.

Christian Purbs 24.07.2012

Aus der AWD-Arena an die Beeke: 96-Klubchef Martin Kind will Kosten für Heimspiele der Regionalliga-Mannschaft senken. Die Bundesligareserve wird deshalb in der neuen Saison in Ricklingen kicken.

21.05.2012

Ron-Robert Zieler, 96-Torwart, ist für das DFB-Aufgebot nominiert worden. Der 23-Jährige sieht durch die Nominierung seine gute Saisonleistung bestätigt.

Jörg Grußendorf 11.05.2012

Die Null soll nicht mehr stehen. In den letzten Saisonspielen gegen Leverkusen und Nürnberg hoffen die "Roten" vor allem wieder auf die Tore von Stürmer Mohammed Abdellaoue.

Christian Purbs 28.04.2012