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13:27 05.06.2013
Von Jörg Grußendorf
Spiele der Hannover Scorpions in der TUI Arena sind Geschichte - ab jetzt wird es eine Nummer kleiner. Quelle: Florian Petrow
Hannover

 Vor gerade einmal drei Jahren haben die Hannover Scorpions im Innenstadtlokal „HeimW“ ihren größten Vereinserfolg gefeiert – die deutsche Meisterschaft. Am Donnerstag war die Stimmung gedrückt: An gleicher Stätte wurde das Aus des Klubs in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) verkündet. Erstklassiges Eishockey in Hannover ist passé. „Wir haben unsere Spiellizenz an die Schwenningen Wild Wings verkauft“, bestätigte Marco Stichnoth, Sportdirektor der Scorpions, den HAZ-Bericht der Donnerstagsausgabe. „Am Sonnabend ist Notartermin. Seit Mittwochmorgen besteht Einigung, seitdem läuft die Maschinerie mit den Anwälten.“ Der Preis für den Verkauf dürfte bei etwa einer Million Euro liegen.

Scorpions-Eigner Günter Papenburg hatte in der Vergangenheit mehrfach gedroht, die Lizenz zu veräußern. Aus der Drohgebärde ist jetzt Ernst geworden. „Das Ganze ist jetzt etwas überraschend passiert“, sagte Stichnoth, der auch für den beruflich verhinderten Papenburg sprach: „Aber es war für ihn unter den gegebenen Umständen die beste Entscheidung.“ Finanzielle Zusagen von Region und Stadt seien nicht eingehalten worden, meint der Unternehmer. Darüber hinaus ärgert sich Papenburg über den Plan der Messe, eine zusätzliche Großhalle in direkter Nachbarschaft zu bauen. Papenburg, der den Klub in den vergangenen zehn Jahren mit weit mehr als 20 Millionen Euro am Leben erhalten hatte, fühlt sich und seine TUI Arena dadurch zusätzlich unter wirtschaftlichen Druck gesetzt.

Die Veräußerung erfolgt durch Abtretung und Verkauf der Hannover Scorpions Betriebs GmbH an den Traditionsklub aus dem Schwarzwald. Davon sind auch 30 Spieler, Betreuer und Trainer betroffen. Immerhin: Fünf Mitarbeiter der Scorpions will der hannoversche Arena-Betreiber für das eigene Veranstaltungsmanagement übernehmen. Und mit der GmbH sollen „sieben oder acht Spieler“ (Stichnoth), die derzeit noch einen Vertrag bei den Scorpions haben, nach Schwenningen ziehen. Es soll sich um Sascha Goc, Ivan Ciernik, Dimitri Pätzold, Morten Green, Stephan Daschner, David Sulkovsky, Tomas Dolak, Stephan Wilhelm und Robin Thomson handeln. Doch längst nicht alle wollen in den Süden.

Trainer Igor Pavlov wird in Hannover bleiben und bei einem Neuaufbau helfen. „Der Name Hannover Scorpions wird erhalten bleiben“, sagte Stichnoth, „es wird eine neue Gesellschaft geben.“ Wahrscheinlich ohne Papenburg, auch wenn der Sportdirektor alles tun will, um den 73-Jährigen im Boot zu behalten. In welcher Liga die Scorpions künftig antreten, ist unklar.

Da bereits heute die Frist zum Einreichen der Lizenzunterlagen für die kommende Saison abläuft, bewirbt sich die Scorpions GmbH vorsorglich mit den Standorten Hannover und Schwenningen. Nach Unterzeichnung des Vertrages müssten die übrigen DEL-Klubs dem Verkauf noch mit einer Dreiviertelmehrheit zustimmen. Dies bezeichnete Stichnoth als „Formsache“.

Die Scorpions sehen ihre Zukunft vielmehr in der 2. Liga. Und zwar unter dem Dach des Deutschen Eishockey-Bundes. Für diese Liga haben die Hannoveraner bereits gemeldet – außer ihnen bisher aber nur Riessersee, Kaufbeuren und Kassel. Darum geht es vielleicht zurück bis in die Oberliga – wo es dann zu Derbys mit den Hannover Indians kommen könnte.

Mellendorf, Meisterschaft und Miese – die Chronik der Scorpions

  • 1975: Gründung des ESC Wedemark in Mellendorf. Zwei Jahre später startet in der damaligen Regionalliga Nord erstmals ein Eishockeyteam des Klubs, erster Star ist der finnische Nationalspieler Esko Kaonpää. Die erste Saison endet gleich mit dem Gewinn der Meisterschaft.
  • 1991: Aufstieg in die Oberliga, der CDU-Politiker Jochen Haselbacher übernimmt den Verein und wird ihn über viele Jahre prägen.
  • 1994: Der Klub schafft den Sprung in den Unterbau der neu gegründeten Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und tauft sich in ESC Wedemark Wildcats um.
  • 1996: Da der finanziell angeschlagene Nachbar EC Hannover auf seine Lizenz verzichtet, kann der ESC Wedemark als Meister der 1. Liga den Platz in der ansonsten geschlossenen DEL einnehmen. Die in der Wedemark ansässige Rockband „Scorpions“ steht Pate für den neuen Namen „Wedemark Scorpions“.
  • 1997: Umbenennung in Hannover Scorpions.
  • 2004: Haselbacher verkauft die Lizenz für den Profiklub an den Bauunternehmer Günter Papenburg, die Arena in Hannover wird feste Heimspielstätte der Scorpions.
  • Saison 2009/2010: Die Profis der Scorpions verzichten auf einen Teil des Gehalts – und werden mit Trainer Hans Zach zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte deutscher Meister.
  • 23. April 2013: Das DEL-Kapitel endet.

„Schade!“, meint HAZ-Sportchef Heiko Rehberg zum freiwilligen Abschied der Scorpions aus der DEL.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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