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TSV Hannover-Burgdorf Manager Chatton erklärt den Recken-Erfolg
Sportbuzzer TSV Hannover-Burgdorf Manager Chatton erklärt den Recken-Erfolg
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20:45 05.02.2018
Runde Sache: Recken-Geschäftsführer Benjamin Chatton holt seine eigene Pizza aus dem Steinofen heraus.   Quelle: Florian Petrow
Hannover

Die Winterpause ist vorbei: Am Donnerstag (19 Uhr) starten die Handball-Recken der TSV Hannover-Burgdorf in der Tui-Arena gegen Minden in die zweite Saisonhälfte. Das Team von Trainer Carlos Ortega liegt auf einem starken Platz drei und will die Erfolgsserie fortsetzen. Die NP traf vorab Geschäftsführer Benjamin Chatton beim Italiener „Pizza-Pazza“ in Bemerode. Ein gutes Omen? Schon einmal entdeckte ein Team aus der Tui-Arena das Restaurant – und wurde deutscher Meister.

Herr Chatton, müssen wir uns nach dem frühen EM-Aus Sorgen um die deutsche Handball-Nationalmannschaft machen?

Unsere Nationalmannschaft hat Potenzial. Und in der Breite haben wir viele Spieler, die in den Kader drängen. Auch das Durchschnittsalter der Mannschaft lässt für die Zukunft hoffen.

Ist Bundestrainer Christian Prokop schon gescheitert?

Weder diese Frage noch eine mögliche Antwort liegen auf meinem Schreibtisch.

Erst die unendliche Talfahrt in der Rückrunde der vergangenen Saison, dann der unglaubliche Höhenflug in der aktuellen Spielzeit. Wie bewerten Sie das verrückte Handball-Jahr der Recken?

Wie so oft im Leben liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Die Qualität der Mannschaft war im ersten halben Jahr nicht so schlecht, wie es die Ergebnisse gezeigt haben. Momentan agieren wir vermutlich über unserem Niveau, dazu ist Fortuna bisher unsere Wegbegleiterin gewesen. So eine extreme Ebbe-Flut-Ausprägung innerhalb eines Jahres habe ich noch nicht erlebt. Da gibt es, glaube ich, in der Sportlandschaft auch nicht so viele Beispiele.

Glaubt man in solchen Phasen an einen Handballgott?

Im Sport hängt nicht alles nur vom eigenen Fleiß und der eigenen Leistungsbereitschaft ab, sondern es gehört zu einem Ergebnis immer noch ein Zweiter dazu, der sportliche Gegner. Und nicht selten auch einfach ein bisschen Glück. Die Erkenntnis ist – aber das ist sicherlich nicht neu: Es besteht nicht immer eine Kausalität zwischen Einsatz und Ergebnis.

Also gibt es einen Handballgott?

Ich habe ihn zumindest noch nicht kennengelernt. Aber es fühlt sich so an, als dass „er“ in manchen Momenten schon neben uns stand. Und manchmal hatte er anscheinend andere Dinge zu tun.

Wie groß ist der Anteil vom neuen Trainer Carlos Ortega am Erfolg?

Carlos hat jedem im Recken-Team die Chance gegeben, zum Saisonstart auf null zu drücken. Er selber ist völlig unbelastet in die Saison reingegangen und hat den Spielern schnell die Möglichkeit gegeben, die Vergangenheit abzuhaken. Das ist sicherlich einer seiner Anteile. Es setzt aber auch die Bereitschaft jedes Einzelnen voraus, das Neue an sich heranzulassen und den Neustart zu wagen. Das hat die Mannschaft gut angenommen – die Spieler, die schon da waren, und auch unsere drei Neuzugänge. Die haben ebenfalls eine unbelastete Frische mitgebracht.

Im Pokalspiel gegen Lübbecke schien es gleich schnell vorbei zu sein mit der neuen Recken-Herrlichkeit. Sieben Tore lag das Team schon zurück – und gewann dennoch knapp.

Für die Mannschaft war das ein eminent wichtiger Moment. In dem Moment war die Brücke zur neuen Saison noch aus Pappe.

Dafür stehen sie jetzt fast im Final-Four, nur noch einen Sieg gegen Göppingen davon entfernt …

Klar wird man permanent auf dieses Spiel angesprochen. Letztes Jahr war das mit dem Viertelfinale gegen Leipzig genauso. Es hat sich so viel auf dieses Spiel fokussiert – und dann ging es verloren. Dadurch ist ein Traum, den alle hatten, zerbrochen. Ich weiß nicht, ob das vielleicht auch ein relevanter Bestandteil der be­kannt schlechten Rückrunde war. Wir haben am 6. März gegen Göppingen ein Heimspiel und wollen diese Chanc­e nutzen, aber wir können eben auch verlieren. Das dürfen wir nicht vergessen.

Chef und Besitzer Leo Failla serviert mit seinem Sohn Franco die heißen Steinofen-Pizzen. Salami für Chatton. Gastronom Failla hat ein glückliches Händchen für seine sportlichen Gäste. Im November 2009 lagen die Eishockey-Profis der Hannover Scorpions am Boden – Tabellenletzter der DEL. Sie schauten bei „Pizza-Pazza“ vorbei, stillten ihren Hunger, bekamen Aufmunterung von Chef Leo und schworen sich auf eine Aufholjagd ein. Im Frühjahr 2010 feierten sie den Titel. Failla lacht: „Wer zu mir kommt, wird deutscher Meister.“ Am Ende auch die Recken?

Im Pokal ist alles drin. In der Meisterschaft auch. Können die Recken tatsächlich den Titel holen?

Theoretisch schon. Aber nach zwölf Jahren Erfahrung in der Handball-Bundesliga sage ich: Nein!

Warum?

Weil uns zur Spitze bisher noch die Qualität und die Konstanz fehlen. Vielleicht widerlegt mich die Mannschaft, so wie sie es in der Hinrunde auch schon zum Teil getan hat. Wir hatten bis auf Pavel Atman kaum Verletzte, das war unser großes Plus. Wenn ein Spieler verletzt war, haben wir auch gleich verloren. In Leipzig ohne Mait Patrail, in Melsungen ohne Sven-Sören Christophersen.

Und die Pleite bei den Löwen ...

Das war unser einzig wirklich schlechter Tag. Das Ergebnis spricht für sich.

Überrascht es Sie, dass die Recken so gut sind?

Die Qualität der Mannschaft überrascht mich nicht, sondern eher, dass wir mit dieser Qualität so viel gute Ergebnisse erzielen konnten. Ganz oft waren wir auch einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das, was wir an Fortune im ersten Halbjahr nicht hatten, haben wir jetzt häufiger in Anspruch genommen.

Wollen die Recken denn Meister werden?

Gegen eine Feier haben wir per se nichts, auch nicht gegen eine Meisterfeier. Wenn man am Ende Erster ist, ist man Erster. Im Sport ist es ja nicht so wie in der Kirche bei einer Hochzeit, dass man nochmal gefragt wird. Wenn man am Ende oben steht, gibt es im Sport keine Fragen mehr. Aber: Mit der Meister-Frage beschäftige ich mich nicht.

Wären die Recken überhaupt gewappnet für die Champions League?

Wenn man schaut, was die Mannschaften in der Champions League leisten und durchleiden müssen, dann haben wir diese Breite im Kader sicher nicht. Das wäre schon ein große Herausforderung. Aber es betrifft ja nur die ersten beiden Teams der Liga, die sich für die Königsklasse qualifizieren. Da denken wir nicht dran.

Zu den Baustellen: Haben Sie schon einen Ersatz für Runar Karason auf der rechten Rückraumseite?

Wir haben noch keinen verpflichtet. Mit Kai Häfner haben wir aber einen Spieler auf der Position, der regelmäßig sehr gute Leistungen zeigt.

Aber wer spielt freiwillig hinter Häfner die zweite Geige …?

Es muss immer das Ziel sein, ein passendes Duo zu finden, das sich auch in den gesamten Kader einfügt und die Möglichkeiten im besten Fall erweitert.

Der Vertrag von Rechtsaußen Torge Johannsen läuft aus? Wird der Vertrag noch mal verlängert?

Das ist für beide Seiten noch offen. Er muss eine Entscheidung für sich treffen und wir für den Kader insgesamt.

Wollen die Recken ihn denn halten?

Torge Johannsen ist seit vielen Jahren ein großartiger Sportler im Reckenteam. Alles Weitere besprechen wir wie gewohnt direkt.

Im Sommer haben die Recken den Umzug in die Tui-Arena gewagt. Sind Sie zufrieden damit? Vor allem mit dem Zuschauerschnitt?

Es ist noch zu früh, um dies wirklich umfassend beurteilen zu können. Sportlich haben wir in beiden Hallen in der Hinrunde kein Spiel verloren, das ist schon mal eine gute Basis.

Sie sind jetzt ein Jahr in Doppelfunktion – Geschäftsführer der Recken und der Tui-Arena. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Wir haben einige unserer Ziele um­setzen können, andere noch nicht. Es stehen spannende Aufgaben vor uns, die sowohl Highlights als auch Herausforderungen sind.

Stoßen Sie bei der Doppelbelastung auch mal an Ihre Grenzen?

Permanent. Das war vorher aber auch so. Man kommt immer wieder an die Grenzen. Mal fachlich, mal inhaltlich, mal zeitlich. Aber das hat jeder in seinem Job. Das ist doch menschlich

Von Simon Lange

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