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Olympia 2012 Ruder-Achter siegt im Olympia-Finale
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21:17 01.08.2012
Der Deutschland-Achter jubelt über Gold. Quelle: dpa
Eton

Geschafft! Als der Achter im olympischen Rennen auf dem Dorney Lake die Goldmedaille eingefahren hatte, war Zeit für Gefühle. Steuermann Kristof Wilke mimte noch im Boot die „Blitz“-Geste von Sprinter Usain Bolt. An Land brach Osteopath Torsten Ammann, ein Kraftpaket von Mann, in Tränen aus. Michael Vesper, Chef de Mission, drückte jeden, der ihm über den Weg lief, und sprach von einem „Wahnsinnsrennen“. Nur Florian Mennigen konnte nicht mehr.

Am Bootssteg hielt er sich kaum auf den Beinen, musste gestützt, geführt werden. „Schwei-ne-hart“, sagte er und japste nach Luft. Dann war er erst mal weg. Der Ratzeburger hatte sich für seinen Traum vollkommen verausgabt, die schönsten und schwersten 2000 Meter seines Lebens hatten ihm die letzte Energie geraubt. Doch er war am Ziel: Vier Jahre nach dem Desaster von Peking, dem Aus im Hoffnungslauf, bei dem auch Wilke dabei war, hatte er sich endlich sein Gold abgeholt. Drei WM-Titel, 35 Siege in Folge hatte er seither gefeiert - und im 36. Lauf in vier Jahren krönte Mennigen mit dem Achter die einzigartige Olympiade.

Erst Stunden später fand der 30-Jährige den aufrechten Gang und seine Stimme wieder: „Das war das intensivste Rennen, das ich je erlebt habe.“ Denn angefeuert von den Prinzen William und Harry sowie mehr als 30000 enthusiastischen Briten hatten die Gastgeber auf ihrer Hausstrecke dem favorisierten deutschen Boot einen beherzten Kampf geliefert. Nach1250 Metern sagte Steuermann Martin Sauer an: „Ein Platz vor.“ Die Briten führten. „Die sind sehr aggressiv angefahren, das ist eigentlich unser Ding.“ 600 Meter vorm Ziel blies Sauer zum Endspurt,300 Meter früher als gewöhnlich. An die letzten 100 Meter konnte sich Mennigen im Ziel nicht mehr erinnern. Von ganz weit weg sagte ihm eine Stimme: Sieg. 5:49,98 Minuten. Eine halbe Länge vor Kanada, die die Briten auf den letzten Metern noch abgefangen hatten.

Gold für den Achter, Silber für Frauen-Doppelvierer. Die Ruderer sammeln am Mittwoch Medaillen.

Bundestrainer Ralf Holtmeyer, der parallel auf dem Rad mitgefahren war, war sich schon nach 1500 Metern siegessicher: „Ab da wusste ich, dass es reicht. Die Briten ließen nach, haben für ihr aggressives Anfahren bezahlt.“ 1988 in Seoul hatte er Deutschland zu Gold geführt, jetzt wieder. Doch dieses Boot hält er für außergewöhnlich: „Das jetzt, das ist der beste Achter aller Zeiten.“

Als er seine Kraft wiedergefunden hatte, kaum auch Mennigen aus dem Jubeln kaum mehr heraus, schloss seine Freundin Carina Bär in die Arme, die nur wenige Minuten zuvor Silber im Doppelvierer geholt hatte. Er umarmte seinen Vater Jörg, seine Mutter Ulla, die schon in Peking dabei gewesen waren. Er drückte seine Schwestern Sandra und Eva, die im Stehen mitgebrüllt, mitgebangt hatten. Und er spürte „ein großes Gefühl der Zufriedenheit. Die Schinderei hat sich gelohnt.“

Ein total erleichterter Vierer

Als Annekatrin Thiele wieder festen Boden unter den Füßen hatte, schloss sie Britta Oppelt in die Arme, nahm einen tiefen Schluck aus der Trinkflasche und pustete durch. Es war vollbracht. Gemeinsam mit Carina Bär, Julia Richter und Britta Oppelt bescherte die Leipzigerin dem Deutschen Ruderverband (DRV) auf dem Dorney Lake die erste Medaille. Für die Ukraine hatte es nicht gereicht, aber für Silber. „Ich bin total erleichtert. Toll, dass ich jetzt auch so ein Ding um den Hals habe“, strahlte Thiele und war sichtlich geschafft: „Es ging nicht mehr, wir haben alles rausgeholt.“ Die Ukrainerinnen, die wollten sie schlagen. Die, die ihnen in den ersten Weltcups zwei Niederlagen zugefügt und dafür gesorgt hatten, dass Oppelt und Thiele auf Geheiß von Cheftrainer Hartmut Buschbacher wenige Wochen vor Olympia vom Zweier in den Vierer umsteigen mussten. Das hatte für mächtig Wirbel gesorgt. Doch die Medaille, sie beendete jetzt alle Diskussionen.

Zwischenzeitlich musste das Quartett jedoch um Silber zittern, lag bei 1000 Metern auf dem 3. Rang. „Das war bei dem Gegenwind ein hartes Rennen, aber wir konnten uns im mittleren Stück nach vorn schieben“, erklärte Richter. Das finale Trainingslager in Ratzeburg hatte sie auf solche Bedingungen eingestimmt. Als es dann zum Endspurt ging, verschwanden Richter und Kolleginnen im Tunnel. „Wir haben alle nur geguckt, was Britta macht.“ Und die 34-jährige Berlinerin warf ihre ganze Erfahrung aus zwei Olympischen Spielen (2008 Bronze, 2004 Silber) in die Waagschale, holte zum silbernen Schlag aus. Das deutsche Quartett setzte sich so von dem amerikanischen Boot ab und kam zwei Sekunden nach der Ukraine ins Ziel. „Wir wollten Gold, doch Silber ist auch schön“, freute sich Thiele über ihre zweite Medaille nach Peking 2008.

Jens Kürbis

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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