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WM 2010 Torjäger Suarez: Diesmal als „Torwart“ Retter
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12:37 03.07.2010
"Kein Tor geschossen, sondern eins gehalten": Luis Suarez. Quelle: ap

Cool, cooler, Abreu: Den entscheidenden Elfmeter bei Uruguays Halbfinal-Einzug kostete „Joker“ Sebastian Abreu aus. Abgebrüht ohne Ende marschierte der 33-Jährige vom Mittel- zum Elfmeterpunkt; vor dem letzten Schuss im WM-Viertelfinale beim 4:2-Sieg Uruguays gegen Ghana dauerte dies eine kleine Fußball- Ewigkeit. Der Mann mit der langen dunklen Mähne und den auffälligen Tattoos legte sich den Ball zurecht, ging zehn Schritte zurück, lief an und verwandelte eiskalt im Stil des legendären Antonín Panenka: Er lupfte den Ball in die Mitte von Ghanas Tor.

Überschwänglich wurden der Schütze und Elfmeter-Töter Fernando Muslera, der zweimal pariert hatte, gefeiert. Aber der eigentliche Held war ein anderer: Luis Suarez. Oder war er der Schurke?

Am dreimaligen WM-Torschützen, der mit einem Handspiel in der Nachspielzeit der Verlängerung das 2:1 Ghanas verhindert hatte, schieden sich die Geister. War er ein Betrüger, ein Schummler? Oder war es am Ende gar heldenhaft, dass sich der Stürmer für das Team geopfert hat? „Wir sollten nicht übertreiben“, riet Uruguays Trainer Oscar Tabarez. „Ich glaube, es war ein instinktives Verhalten. Als er das Handspiel gemacht hat, wusste er nicht, was danach beim Elfmeter passiert.“

Suarez hatte einen Ball von Dominic Adiyiah auf der Linie wie ein Torwart mit der Hand abgewehrt. Der gute Schiedsrichter Olegario Benquerenca zeigte dem Angreifer Rot und gab den fälligen Strafstoß für Ghana. Es war die erste Minute der Nachspielzeit der Verlängerung, der letzte Schuss vor dem Elfmeter-Krimi, die letzte Chance vor der Lotterie vom Punkt. Asamoah Gyan knallte den Ball gegen die Latte - Afrikas Hoffnungen zerschellten.

„Das war es wert, hinausgestellt zu werden“, sagte der Ajax- Stürmer und konnte sich die Anspielung auf das Handtor von Diego Maradona 1986 bei der WM in Mexiko nicht verkneifen. „Am Ende ist die Hand Gottes jetzt meine.“ Natürlich sei er traurig, dass er vom Platz gestellt wurde und nun gesperrt wird. „Aber da gab es keine andere Möglichkeit.“

„Ich weiß nicht, was ich ihm jetzt sagen würde“, meinte Ghanas Coach Milovan Rajevac. Dankbar waren die Gewinner. „Diesmal hat er kein Tor geschossen, sondern eins gehalten. Ich denke, dass er das Spiel gerettet hat“, sagte Suarez’ offensiver Nebenmann Diego Forlan.

In Uruguay wurde nach dem ersten Halbfinal-Einzug seit 40 Jahren das „hellblaue Wunder“ („El Pais“) überschwänglich gefeiert. „Die Welt respektiert uns wieder“, schrieb „La República“. Und für Trainer Tabarez, bei dem Glückwunsch-SMS aus der Heimat während der Pressekonferenz reihenweise eintrudelten, sind die Lobeshymnen zusätzlicher Antrieb. „Ich hoffe, dass die Leute zu Hause drei oder vier Tage feiern werden“, sagte er. „Wir sind überglücklich und empfinden die Feiern in der Heimat als Extramotivation.“

Zwar war der Auftritt von Suarez wohl der entscheidende, der letzte Akt aber blieb Abreu vorbehalten. Jenem Mann, den sie in Uruguay nur „El Loco“ nennen, den Verrückten. Dass der Wandervogel, der schon bei 18 Clubs kickte, Elfmeter auf diese Art verwandelt, ist übrigens keine Seltenheit. „Manche sagen, das ist verrückt. Ich nenne es Klasse“, sagte sein Coach.

Dem Lupfer-König von Soccer City waren die Kommentare über seinen Elfer eh nicht wichtig. Er filmte lieber fürs Privatarchiv, als er aus der Kabine kam. Das hatte er auch schon beim entscheidenden Playoff-Spiel gegen Costa Rica gemacht. Damals hatte er den Platz im Stadion, der Ghana am Freitag zum Verhängnis wurde: Er saß auf der Latte des Tores.

dpa

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