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Sportbuzzer „Feuerwerk der Turnkunst“ gastiert in Hannover
Sportbuzzer „Feuerwerk der Turnkunst“ gastiert in Hannover
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20:49 02.01.2011
Von Carsten Schmidt
Die „Maschseeperlen“ aus Hannover eröffnen schwungvoll das Programm. Quelle: Ulrich zur Nieden

Nur geträumt? Nein, ’s Leb’n is wiar a Traum, und Songzeilen aus den frühen achtziger Jahren werden wahr. Zumindest fast drei Stunden lang in der hannoverschen TUI Arena. „Traumtypen“, so heißt das aktuelle Programm des „TUI Feuerwerks der Turnkunst“, ließ ganz viele Funken auf die Zuschauerränge überspringen – ganz ohne zu krachen oder gar Schwefeldüfte zu verbreiten. Letzteres hätte ohnehin nicht zu dem himmlischen Genuss gepasst.

Fast 30.000 Besucher am Silvernachmittag und am Sonntag gleich bei zwei Vorstellungen rieben sich immer wieder die Augen. Wie schaffen die das, hieß die unausgesprochene Frage bei den Auftritten der jungen Sportler. Und zwar ohne Ausnahme. Heidi Aguilar (Regie) und Wolfram Wehr-Reinhold (Produktionsleitung) haben auch zur 24. Tourneeauflage ein Programm gestaltet, das wieder eine einzigartige Mischung aus Sport, Akrobatik, Kunst und Unterhaltung bietet. „Traumtypen“ gehören nicht ins Zirkuszelt, ins Varietétheater oder in die Turnhalle, sondern auf die große Bühne, die ihnen die Arena auf dem einstigen Expo-Gelände bietet. Und das Reiseunternehmen TUI, das seit dem Beginn der Tournee in Göttingen am 28. Dezember das „Feuerwerk“ als Namenssponsor unterstützt, kann sich einen besseren Werbeträger gar nicht wünschen. Welche hannoverschen Sportler schaffen es schon, dreimal in Folge die große Halle bis auf wenige freie Plätze zu füllen?

Das „Feuerwerk“ pflegt seine hannoversche Wurzel, obwohl die Mitwirkenden längst aus aller Herren Länder kommen und in vier Wochen 30 Auftritte in 21 Städten haben. Das Traumprogramm begann mit der Gruppe „Maschseeperlen“ des VfL 1848 Hannover, die das Publikum in eine Sommerstimmung mit blauen Wellen, Luftmatratzen und Schwimmreifen entführte. Und die Leichtigkeit der Kür ließ kaum ahnen, wie hart die Sportlerinnen im Training gearbeitet haben, um so überzeugend Appetit auf den nächsten Strandurlaub zu machen.

Traumtypen, die Kraft und Beweglichkeit vereinen, sind die hannoverschen Hochleistungsturner aus dem Niedersächsischen Turn Team. Das bewiesen sie sowohl am Boden als auch am Reck. Und Kunstturnen in Hannover auf höchstem Niveau ist auch Frauen- und Mädchensache. Die 19-jährige Anja Brinker, Europameisterschafts-Dritte am Stufenbarren, und ihre weitaus jüngeren Mitstreiterinnen aus dem Leistungszentrum in Badenstedt, verblüfften mit der traumwandlerischen Sicherheit sowohl am Schwebebalken als auch zwischen den Holmen des Stufenbarrens. Die häufigsten Auftritte hat übrigens die Showgruppe des Niedersäschsischen Turnerbundes (NTB) mit weiteren Hannoveranern. Sie halten das Publikum beim Träumen fest, wenn zwischen den einzelnen Sequenzen die flinken technischen Helfer auf dem Parkett Gerätschaften auf- und abbauen.

Monotypisch „hannöversch“ indes hielte dem Anspruch des „Feuerwerks“ nicht mehr stand, das sich mittlerweile zur größten Turnschau in Europa mit nahezu 1,5 Millionen Besuchern entwickelt hat. Dazu braucht man Traumtypen wie die schwerelos am Trapez schwebende Finnin Pauliina Räsänen oder die Chinesen Ming und Rui, die an zwei von der Decke hängenden Seilen ebenfalls den Gesetzen der Schwerkraft trotzen wie die Kanadierin Carole Demers mit den Kollegen von White Crow auf einem schwingenden Schwebebalken oder „russischen Barren“, wie der Fachbegriff heißt. Es ist erstaunliche Kraft gefragt wie beim über einem stilisierten Feuer balancierenden Ukrainer Yuriy Ovsyannikov, bei David Pereira und seinen Freiübungen am Einkaufswagen und dem russischen Akrobatiktrio. Die zierlichen Sportlerinnen zeigten Pyramiden und Halteübungen, die sonst den männlichen Kollegen vorbehalten sind.

Die Phantasie beflügelte das aus Rumänien stammende Duo Veniamin. Es zauberte bunte krakenartige Fabelwesen auf das Parkett. Mit viel Schwung wirbelten Artem Ghazarian und Thomas Greifenstein am Parallelbarren. Und Olesja Schneider, früher in der rhythmischen Sportgymnastik aktiv, knüpfte zarte Bande nicht nur auf dem Hallenparkett, sondern auch mit dem Pianisten und Tenor Henning Kothe. Der melancholische Musiker sang das Titellied und traf den richtigen Ton auch in den Übergängen zwischen den Programmpunkten.

Richtig Tempo in die poetischen Bewegungsträume brachten 14 junge Sportler der Beijing Acrobatic Troupe. Sie kletterten katzenhaft an Masten hoch, schlugen von dort Salti und verblüfften in einer anderen Nummer mit raubtiergleichen Hechtern durch einen Reifenparcours. Sie waren die heimlichen Stars des Programms – neben dem Moderatoren Herrn Momsen, einer lebensgroßen Puppe. Er entpuppte sich als Wortakrobat, wie er im Buche steht, und glänzte mit seiner „gesunden Halbbildung“. Traumtypen wie Momsen gibt es auch im Turnverein – als Stammgast am Tresen im Vereinsheim. Doch ohne sie und ihren ganz speziellen Humor würde das Träumen keinen Spaß machen.

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