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Sportbuzzer In Siebenmeilenstiefeln ganz nach oben
Sportbuzzer In Siebenmeilenstiefeln ganz nach oben
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00:23 24.07.2014
Jung und zielstrebig: Alexander Zverev wurde beim ATP-Turnier in Hamburg erst im Halbfinale gestoppt. Quelle: dpa

Hamburg. Nun wäre er doch eigentlich da gewesen, jener Moment, in dem Alexander Zverev so sein konnte, wie man es mit 17 Jahren noch sein darf: aufgedreht, ein bisschen frech. Besonders, wenn man gerade eine Woche lang die Tenniswelt ein Stückchen aus den Angeln gehoben hat. Mit einem furiosen Lauf am Hamburger Rothenbaum, einem Turnier der dritthöchsten Kategorie. Bis ins Halbfinale des 500er-Events preschte er vor – mit 17 Jahren, wohlgemerkt. Vor drei Wochen war Zverev noch die Nummer 665 der Welt, seit Montag steht er sensationell auf Platz 161. Wenn das kein Grund für eine Party ist.

„Nein, es geht gleich weiter zum Turnier nach Umag“, sagte Zverev am Wochenende, „morgen trainiere ich auch schon wieder.“ Und die 57 840 Euro Preisgeld? Ein Teenager hat doch bestimmt ein paar Wünsche, die er sich nun erfüllen könnte. „Nee, ich habe alles“, wiegelte Zverev ab, „ich brauche nichts.“

Wer diesen echten Hamburger Jung noch nicht kennt, der mag befürchten, dass da einer daher kommt, der von überehrgeizigen Eltern zum Tennisprofidasein getriezt und dem der Spaß am Jungsein vermiest wird. Aber das Gegenteil ist der Fall. Zverev ist tennisverliebt, wie es Deutschlands derzeit bester Spieler Philipp Kohlschreiber ausdrückte. Und der Teenager hat nicht nur das nötige Talent, sondern auch das richtige Umfeld, um es eher früher als später ganz nach oben zu schaffen. Seine ersten Gehversuche auf der Profitour absolvierte Zverev jedenfalls in Siebenmeilenstiefeln.

Im Januar noch reckte er bei den Australien Open die Sieger-Trophäe der Junioren hoch, seither sorgt er bei den Männern für Furore. Wie in Hamburg. Seine Mutter Irina jedoch hatte es nicht ausgehalten. Sie kann nicht hinschauen, wenn ihr Jüngster ein Match spielt, egal wo und gegen wen. Die gebürtige Russin ist selbst eine exzellente Spielerin, sie trainiert ihn seit er sechs Jahre alt war. „Er wollte ständig auf den Platz, um Bälle mit mir zu schlagen“, sagt sie.

Bis heute hat sich nichts daran geändert. Und wie hätte es auch anders kommen können? Alexander Zverev reiste schließlich von klein auf mit auf der Tennis-Tour herum, und vielleicht begegnet er dieser für junge Spieler oft beängstigenden neuen Welt deshalb so unerschrocken und abgeklärt. Die wichtigsten Turniere, die größten Tennisplätze, all das ist Alexander Zverev längst vertraut. Er war ja immer dabei gewesen, wenn sein neun Jahre älterer Bruder Mischa auf Tour ging. „Er ist mein großes Vorbild“, sagte Alexander Zverev. „Er gibt mir immer Tipps. Er hat ja gegen die meisten schon gespielt.“ Auch auf der Rothenbaum-Tribüne fieberte Mischa Zverev mit, der es 2009 bis auf Rang 45 der Welt und ins Davis-Cup-Team geschafft hatte. Gerade wurde er am Handgelenk operiert, eine erneute Verletzung, die ihn wieder lange ausbremst. Umso mehr litt er bei jedem Ballwechsel mit seinem kleinen Bruder mit.

Die Familienbande ist stark im Hause Zverev. Vater Alexander Senior gehörte in den 80er Jahren zum sowjetischen Davis-Cup-Team, er trainiert seine Söhne gemeinsam mit der Mutter. Sie hatten viel investiert, viel in Kauf genommen, damit sie beiden Söhnen gerecht werden und Alexander neben den Juniorenturnieren seine mittlere Reife abschließen konnte.

Vom klammen Deutschen Tennis-Bund hatten sie nichts zu erwarten. Behutsam und verantwortungsbewusst haben sie Alexander aufgebaut, der mit seinen 1,95 Metern noch immer im Wachstum ist und dessen Statur deshalb so schlaksig wirkt, weil er noch nicht das volle Aufbauprogramm mitmachen kann. Die Familie schützt ihn so gut es geht, auch vor den immer stärker interessierten Medienvertretern. Mit dem Chilenen Patricio Apey hat ein versierter Manager das Rennen um das Talent gewonnen, der schon den Wimbledonsieger Andrew Murray vermarktete. Alles ist auf Erfolg gepolt.

Dass er seit Jahren als größtes Talent hierzulande gehandelt wird, weiß Alexander Zverev natürlich. Aber das will er gar nicht hören. Auch nicht, dass Bundestrainer Carsten Arriens ihn für überragend hält oder Altmeister John McEnroe über ihn sagt, er könne ein ganz Großer werden. Auch Michael Stich weiß um das „definitiv große Potenzial“, deshalb stattete er Zverev als sein Mentor auch gleich mit einem Fünfjahresvertrag für sein Hamburger Turnier aus. Der Teenager soll als neues Zugpferd aufgebaut werden.

Und Zverev taugt zweifellos als Hoffnungsträger. Vergleiche mit Boris Becker und Stich bügelt er zwar als „totalen Schwachsinn“ ab, doch Zverev ist ein Siegertyp. Er liebt die große Bühne und er hasst das Verlieren. Stich bleibt dennoch vorsichtig: „Er hat Außergewöhnliches geleistet. Jetzt gilt es aber, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben“, sagt er. „Alexander darf sich nicht zu früh verbrauchen.“ Auf seine mentale Stärke könne der Hamburger aber auf jeden Fall bauen, sagt der Ex-Profi.

Der Titel beim Challenger-Turnier vor zwei Wochen in Braunschweig soll für Zverev deshalb auch nur der Startschuss gewesen sein. Er ist bereits der jüngste Spieler, der in dieser Saison ein Match auf Tour-Level gewann und der erste 17-Jährige, der seit zehn Jahren einen Top-20-Spieler bezwang. . Seit Rafael Nadal hat keiner mehr in diesem Alter schon so viel Aufsehen erregt. „Na ja“, sagt Zverev, „aus dem ist ja auch was geworden.“

Von Petra Philippsen

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„Die Sehnsucht nach einem Star haben wir alle“

Nachgefragt bei Klaus Eberhard, Sportdirektor des Deutschen Tennis Bundes

Kaum spielt sich ein junger deutscher Tennisspieler in den Fokus – wie jetzt Alexander Zverev – ist gleich vom „Tennis-Helden“ oder gar neuem Boris Becker die Rede. Ist die Sehnsucht nach einem neuen deutschen Star so groß?
Diese Vergleiche mit Boris Becker oder Stefanie Graf sind ja nicht neu. Die gibt es immer wieder. Für die Spieler ist das anstrengend. Da muss man sagen: Wartet erst einmal ab! Da wird oft viel zu schnell an den Grand-Slam-Sieger von Morgen gedacht. Aber natürlich ist diese Sehnsucht da. Wir wünschen uns das alle, dass da wieder einer hochkommt. Es muss ja nicht immer ein Boris Becker sein. Vielleicht auch mal ein neuer Thomas Haas, Nicolas Kiefer oder Rainer Schüttler. Eben einer, der es wieder in die Top 5 schafft.

Wie schätzen sie die Leistung von Alexander Zverev ein?
Alex hat in unglaublich kurzer Zeit einen außergewöhnlichen Weg gemacht – wie kein anderer in den letzten 10 Jahren. Es mit 17 Jahren gleich bei einem solchen ATP-Turnier wie in Hamburg ins Halbfinale zu schaffen, das ist wirklich außergewöhnlich. 

Was zeichnet Zverev denn aus?
Er hat natürlich viel Talent. Besonders ist aber sein großes Selbstvertrauen und dass er stets an sich glaubt und daran, den nächsten Gegner zu schlagen. Er ist nie zufrieden. Ich glaube, als es in Hamburg im Halbfinale gegen so einen Weltklassemann wie den Spanier David Ferrer ging, hat sich Alex vorher noch überlegt: Wie kann ich den nur schlagen.

In der Weltrangliste hat er in drei Wochen einen Sprung um 500 Plätze auf Rang 161 gemacht. Wie kann er sich nun in der Tennis-Welt etablieren?
Er muss einfach so weitermachen. Der Weg, den er geht, ist richtig. Sein Vater Alexander, der schon seinen älteren Bruder Mischa trainiert hat, ist ein absoluter Fachmann. Dazu seine Mutter, die selbst Tennisspielerin war und ihn mental unheimlich unterstützt.  Es wird auch mal Rückschläge geben. Aber die werden klein sein – dazu ist er einfach zu gut. 

Als vor einigen Wochen in Wimbledon keiner der deutschen Männer die 2. Runde überstand hat, sagten Experten, das deutsche Männertennis sei am Boden.
Das ist immer einen Momentaufnahme und  stimmt generell  so nicht. Mit Peter Gojowczyk und Tobias Kamke etwa haben wir im Davis-Cup-Viertelfinale 2:0 gegen Frankreich geführt. Wir haben gute Tennisspieler, die noch nicht immer ganz ihr Potenzial abrufen. Uns fehlt einfach ein Weltklassemann, der auch für positive Schlagzeilen sorgt. Aber wir haben einige, die es in die Top 50 schaffen können. Und dazu vielleicht mal Alexander Zverev in der Spitze ...

Interview: Manuel Becker

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