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Sportbuzzer Havelse-Trainer spricht über seine Rückkehr
Sportbuzzer Havelse-Trainer spricht über seine Rückkehr
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19:33 11.07.2017
Gut gelaunt: Havelses
Hannover

Herr Benbennek, Sie sind 2015 vom TSV weggegangen, weil Sie professioneller arbeiten wollten. Mussten Sie erst in die Ferne, um Havelse so richtig schätzen zu lernen?

Es macht mir weiterhin mehr Spaß, morgens und nachmittags zu trainieren, als erst um 17.30 Uhr. Das wird immer so bleiben. Aber ich stelle mir jetzt nicht mehr die Frage, ob es für mich noch einmal höher hinaus geht oder nicht. Ich glaube weiterhin, dass gute Arbeit auch langfristig Erfolg bringt. Das hatten wir in Havelse schon einmal zwei Jahre lang. Und das werden wir auch wieder haben.

Wann fiel denn die Entscheidung pro Havelse?

Nach meiner Entlassung bei der SV Ried kam der erste Anruf von Stefan Pralle. Der wusste es übrigens schon vor mir. Denn um 14 Uhr stand die Nachricht online, um 16 Uhr hatte ich erst das Ge­spräch mit dem Vorstand. Bei dem Gespräch mit Stefan Pralle dachte ich für mich, ich möchte wieder das machen, was mir Spaß macht. Das Miteinander im Trainerteam und zu den Vorgesetzten – Manager Stefan Pralle und Präsident Manfred Hörnschemeyer – ist für mich ganz entscheidend. Und das klappt außerordentlich gut.

Sie haben bewusst auf eine Ausstiegsklausel verzichtet. Was wäre, wenn ein höherklassiger Club anklopft und Sie verpflichten möchte?

In der dritten Liga hat man als Trainer eine gefühlte Halbwertszeit von fünf Monaten. Die Liga ist ein ständiger Existenzkampf. Bei einem Zweitligisten würde ich überlegen, mir aber auch sehr genau anschauen, welcher Verein das ist und ob unter dessen Strukturen und Zielsetzung Erfolg möglich ist.

Es ist kein Geheimnis, dass Havelses Ex-Trainer Alexander Kiene am Ende von der Mannschaft nicht mehr gewollt war. Wie gehen Sie mit dem Wissen um, dass das Team gegen den Trainer gespielt hat?

Ich habe persönlich erfahren, wie es sich anfühlt, wenn die Mannschaft gegen den Trainer spielt. Da haben wir mit Alemannia Aachen gegen Viktoria Köln mit 0:6 verloren. Wie es in Havelse war, kann ich nicht beurteilen. Meiner Einschätzung nach hat die Mannschaft nicht gegen den Trainer gespielt und einen guten sechsten Platz belegt. Ich frage allerdings auch nicht nach, was in der Vergangenheit war. Ich möchte, dass wir uns schnell finden und vertrauen.

Wie wollen Sie dieses Vertrauen schaffen?

Viele, die selber Fußball ge­spielt haben, kennen aus eigener Erfahrung, wie locker in der Kabine untereinander gesprochen wird, wenn der Trainer nicht dabei ist. Sobald der Coach dann durch die Tür kommt, wird sofort das Thema gewechselt. Ich habe den Spielern am ersten Tag gesagt, dass wir uns so weit vertrauen sollten, dass sich das Thema nicht wechselt, wenn ich reinkomme. Sie sollen sich wohlfühlen. Klar, wenn sie über den Trainer fluchen wollen, müssen sie dazu auf den Parkplatz gehen (lacht). Es ist klar, dass man nicht zu allen Spielern im Kader ein perfektes Verhältnis haben kann. Aber alle Jungs sollen wissen, dass sie mit allem zu mir kommen können.

Wie sieht Ihre Version von Havelse aus?

Wir wollen offensiv und attraktiv spielen. Ich möchte, dass die Jungs Spaß daran haben, alles zu geben, um Erfolg zu haben. Wir wollen natürlich auch defensiv gut stehen, aber eben aktiv sein. Den Jungs liegt es mehr, vorne anzupressen und viel Ballbesitz zu haben.

Sie haben Deniz Undav an Braunschweig verloren. Wer soll der Nachfolger werden?

Eigentlich hatten wir dafür Felix Krüger vorgesehen. Aber er fällt leider nach seiner Syndesmosebandverletzung drei Monate aus. Dann kann er mit dem Lauftraining einsteigen. Aufgrund der Verletzung werden wir in der Vorbereitung Fabian Wenzel und Can Gökdemir in der Spitze ausprobieren. Sie bringen viel mit, um diese Position spielen zu können.

Wie gut sehen Sie Ihr Team personell aufgestellt?

In der Innenverteidigung sind wir richtig gut besetzt mit Jonas Sonnenberg, Tobias Holm, Tobias Fölster und Noah Plume, der das auch spielen kann. Rafael Hotes, der vergangene Saison kaum Einsatzzeiten bekam, gefällt mir als Linksverteidiger sehr gut. Im zentralen Mittelfeld haben wir mit Tom Merkens, Deniz Cicek und Daniel Kofi Kyereh extrem ballsichere Spieler. Das einzige Manko: Echte Knipser haben wir noch nicht.

Wo ist Havelse in der Regionalliga anzusiedeln?

Finanziell sind wir im unteren Drittel, sportlich kann man das natürlich nicht sagen. Ich weiß ja schon aus meinen ersten beiden Jahren, wie die Situation in Havelse ist. Die Zielsetzung ist, das Bestmögliche herauszuholen. Was das am Ende sein wird, kann ich nicht sagen. Was die Mannschaft bislang gezeigt hat, ist schon anständig.

Vermissen Sie nach Ihrer Zeit in Österreich eigentlich die Berge?

Nein, überhaupt nicht. Mich erdrückt es eher, wenn ich von Bergen umgeben bin. Auch Skifahren ist nicht meine Leidenschaft. Aber Österreich war insgesamt ein tolles Abenteuer und eine wichtige Erfahrung für mich.

Inwiefern?

Zum einen war ich Trainer in der höchsten Spielklasse des Landes. Da gibt es nur zehn Trainer. Und das Leben war dort war einfach anders. Österreich ist ein wenig wie Deutschland vor 25 Jahren – nur mit Handys. Es ist dort alles viel entspannter, ur­sprünglicher, und das Leben ist nicht so schnell.

Auch wenn Sie sagen, dass Sie nach den Erfahrungen in Aachen und Ried nicht mehr so intensiv nach Höherem streben, hat dieses Erlebnis Bundesliga nicht doch Appetit auf mehr geweckt?

Den Ehrgeiz hatte ich schon immer. Und ich weiß, dass ich so gut bin. Ich habe erfahren, dass man für Erfolg auch ein Quäntchen Glück braucht. Als ich das letzte Mal mit dem ehemaligen Ried-Manager Stefan Reiter zusammensaß, blickten wir auf meine Zeit in Aachen und Österreich zurück. Er sagte: „Erst Alemannia, dann Ried … Glück ist etwas anderes.“ Wir beide mussten lachen. Ich weiß für mich, dass Erfolg nur möglich ist, wenn alle zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen. In Havelse ist Zusammenhalt und Ehrlichkeit gegeben. Die Spieler haben ein großes Herz, sie brennen für unser neues Spielsystem und zeigen eine ganz neue Spielfreude.

Von Mark Bode, Stefan Dinse und Carsten Bergmann

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