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Sportbuzzer Mister Tischtennis
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17:46 17.05.2018
Pokale, Fotos, Berichte an der Pinnwand: Bei Wolfgang Linke sind im Laufe der Jahre viele Erinnerungsstücke rund um das Tischtennis zusammengekommen. Auch seinen ersten Schläger, der mit neuen Belegen immer noch zum Einsatz kommt, hat er noch (rechts). Quelle: Foto: Chris
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Hagenburg

Mit langfristigen Plänen ist das ja so eine Sache. Oft verhindern nicht einkalkulierte Ereignisse die Umsetzung, oder man selbst verliert das gesteckte Ziel aus den Augen. Bei Wolfgang Linke ist das anders. Der scheidende Teammanager des TSV Hagenburg hat während der Jahrzehnte seines Wirkens vermutlich etliche Vorsätze gefasst. Zwei davon lohnen auf jeden Fall eine genauere Betrachtung.

„Mitte der Achtzigerjahre habe ich gesagt, dass wir im Jahr 2000 in der Regionalliga spielen werden“, erzählt Linke. 1981 hatte der heute 69-Jährige beim TSV in Hagenburg angeheuert. Der Verein südlich des Steinhuder Meers zählte damals 90 Tischtennis-Spieler und nur 60 Fußballer. Nicht ganz unbeteiligt war Linkes Frau Helga. In Hagenburg hatte das junge Ehepaar – die Linkes sind seit 47 Jahren verheiratet – ein Haus gebaut, und eines Tages fragte sie ihren Mann: „Warum fährst du eigentlich zweimal die Woche nach Hannover zum Tischtennis? Hier gibt es doch auch einen Sportverein.“

Wenige Worte mit großer Wirkung. „Das war der größte Fehler, den sie machen konnte“, erzählt Linke lachend. Aus zweimal pro Woche wurden fast tägliche Einsätze. Er spielte selbst, organisierte und wirkte im Vorstand des Gesamtvereins sowie der Tischtennis-Sparte mit. Über die sportliche Aktivität hinaus eingebracht hatte er sich schon bei seinen vorherigen Stationen in Seelze, bei der SG Hannover 74, dem Badenstedter SC und während seiner Studienzeit von 1973 bis 1979 beim TSV Zehlendorf 88 in Berlin. „Da habe ich in der Oberliga an Position sechs gespielt und an der Berliner Meisterschaft teilgenommen“, erinnert er sich und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich war schon nicht so schlecht.“

Bis ein schlimmer Arbeitsunfall eine Zäsur in seinem Leben bildete. 1979 verlor der Maschinenbautechniker als Betriebsleiter im Werkzeugbau Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand, mit der er auch den Schläger hält. Das Ende der aktiven Tischtennis-Laufbahn? Mitnichten. „Das hat mich stark gebeutelt“, berichtet er von dem lange zurückliegenden Unfall. „Doch im letzten Saisonspiel stand ich wieder am Tisch.“ Mit einem eigens dafür präparierten Schläger. „Den habe ich immer noch“, erzählt er.

Die erste Hürde übersprungen

Zurück in der Region Hannover, verschlug es ihn zunächst zum Badenstedter SC. Zusammen mit seinen Weggefährten Gustav Schöps, Reinhard Otto und Hans May organisierte er in dieser Zeit ein gigantisches Zweiermannschaftsturnier. „1500 Leute an einem Wochenende in drei Hallen“, die Eckdaten klingen beeindruckend. „Danach war ich völlig fertig“, sagt er lachend. Aber noch lange nicht am Ende seiner Ziele.

Als der TSV Hagenburg 1999 in die Regionalliga aufstieg, hatte Linke seine fast zwei Jahrzehnte alte, selbst aufgestellte Hürde übersprungen. Es gab Jahre mit Höhen und Tiefen. 2003 folgte sogar der Satz in die 2. Bundesliga, doch nach zwei Jahren musste der TSV, dem die Sponsoren ausgegangen waren, sein Team aus der zweithöchsten deutschen Spielklasse wieder abmelden. Der Sturz bis in die Bezirksoberliga folgte.

Doch mit der finanziellen Unterstützung des ortsansässigen Heizungsbauers Matthias Erdmann trat der TSV noch einmal den Rückweg an. „Komm, mein Junge, so können wir doch nicht aufhören“, habe Erdmann ihm damals gesagt, berichtet Linke. Im Sommer 2015 stand das Team mit einem europäischen Kader zumindest wieder in der Oberliga. Seine internationalen Kontakte als Einkaufschef bei Continental halfen Linke dabei sicher. Doch die Spieler wurden vom Teammanager nicht nur verpflichtet, sondern auch betreut und umsorgt, wenn sie zu den Spielen nach Hagenburg kamen. Vom Flughafen in Bremen abholen, im eigenen Haus beherbergen und anschließend wieder der gemeinsame Rückweg in die Hansestadt: Das alles fiel in den Aufgabenbereich der Linkes. Die Spieler wurden stets auch zu einem Teil der Familie.

Aufs Stichwort: Neben seiner Frau Helga, das Catering rund um die Heimspiele war ihr Aufgabenbereich, sind die Söhne Thomas und Carsten als Aktive und Vorstandsmitglieder ebenfalls beim TSV engagiert. Nur Linkes Tochter schlägt diesbezüglich ein wenig aus der Art. „Sie hat mit Sport nicht viel am Hut“, berichtet der Vater.

Vor zwei Jahren schmiedete er schließlich einen weiteren Plan, der jedoch in Hagenburg eher für Unbehagen denn für Vorfreude sorgte. „Wenn ich 70 werde, möchte ich keine Ämter mehr haben“, kündigte Linke an. Der runde Geburtstag steht im kommenden März an. Als Teammanager war nach Ablauf dieser Saison Schluss. Für das Amt des Vereinsvorsitzenden wird er im Februar nach 24 Jahren nicht erneut kandidieren. Mit 70 wird er wie geplant frei sein, das Team tritt den sofortigen Rückzug aus der Oberliga an.

Beim letzten Spiel stand Linke selbst am Tisch. Das Holz ist noch immer das von anno 1979 aus Berlin. Modell Kenny Style vom Hersteller Butterfly. Gewonnen hat er nicht. Sei’s drum. Die größte Siegerin ist ohnehin seine Frau. Reisen stünden nun erstmal auf dem Programm, sagt Linke. Ein wenig für Conti, vor allem aber privat. Doch wer weiß, ob der Einkaufschef nicht irgendwo auf der Welt doch noch einmal ein Talent aufspürt, das kurz darauf in Hagenburg aufschlägt.

Von Ole Rottmann

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