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Sportbuzzer Recken-Star Häfner redet über Prokop-Kritik
Sportbuzzer Recken-Star Häfner redet über Prokop-Kritik
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22:30 30.01.2018
RICHTET BLICK NACH VORN: Bei der EM in Kroatien konnten Kai Häfner und die deutsche Auswahl nicht überzeugen. Doch auch daraus könne er etwas lernen, sagt der Hannover-Star Quelle: dpa
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Wie geht es Ihnen nach dem EM-Aus vergangenen Mittwoch gegen Spanien?

Ich bin seit Donnerstagabend wieder heil im Lande. Die paar Tage Ruhe zu Hause haben mir auch gutgetan.

Dem Körper geht es also gut. Wie geht es der Seele? Die Niederlage gegen Spanien und das EM-Abschneiden insgesamt waren ja bitter ...

Ich bin schon enttäuscht. Alle haben sich mehr erhofft und erwartet von uns. Wir selber natürlich am meisten. Trotz nicht optimaler Ergebnisse hatten wir gegen Spanien die Chance aufs Halbfinale. Umso ärgerlicher, dass wir die nicht nutzen konnten.

Woran hat es aus Ihrer Sicht gelegen?

Der Knoten ist bei uns nicht geplatzt. Wir sind nicht in den Flow gekommen, auf die entsprechende Welle. Es war alles ein bisschen holprig. Uns hat die Leichtigkeit und eine gewisse Lockerheit gefehlt. Die braucht man aber bei so einem Turnier.

Warum hat die Lockerheit gefehlt? War der Druck als Titelverteidiger zu groß?

Ich glaube nicht. Wir haben ja auch bei Olympia bewiesen, wo wir nach dem EM-Titelgewinn Dritter geworden sind, dass wir damit umgehen können. Wir alle sind Druck auch aus der Bundesliga gewohnt. Das war kein Faktor.

Bundestrainer Prokop, der insgesamt keine gute Figur abgegeben hat, war offenbar ein Faktor. Wir beurteilen Sie seinen Job?

Es ist ja klar, dass bei uns allen nicht alles rund lief. Wir fahren gut damit, wenn wir jetzt alles in Ruhe analysieren und besprechen und schauen, wo die Ursachen lagen. Dann greifen wir neu an. Das nächste Projekt steht mit der WM im eigenen Land ja schon an. Aber ich bin gespannt, was bei den Gesprächen und Analysen, die Bob Hanning (Handball-Verbands-Vize, die Red.) ja angekündigt hat, herauskommt.

Für Sie persönlich lief die EM auch alles andere als gut. Warum haben Sie so wenig Einsatzzeit bekommen?

Natürlich will ich immer mehr spielen und mehr zeigen. Da habe ich mir mehr erhofft, ganz klar. Und bei fünf Minuten Spielzeit ist es natürlich schwer, zehn Tore zu werfen. Aber es ist eben auch die Nationalmannschaft, da muss man die wenige Zeit nutzen, die man kriegt. Dennoch: Bei einer EM muss man sich auch mal unterordnen und persönliche Dinge hinten anstellen. Die Mannschaft steht über allem.

... oder waren Sie einfach nicht in Form?

Nein, das glaube ich nicht. Richtig ist: Der Großteil der Spieler ist nicht an die Leistungsgrenze gekommen. Aus welchen Gründen auch immer.

Ausgerechnet in der Phase, als das deutsche Team gegen Spanien fast aussichtslos hinten gelegen hat, hatten Sie ihre Treffsicherheit wieder und haben das Team sogar fast nochmal rangeworfen ...

Für mich war das Spiel noch nicht verloren. Ich bin keiner, der so ein Ding abhakt, solange es noch nicht vorbei ist. Es gab schon die skurrilsten Spiele. Es hat gut funktioniert mit den Toren, leider hat es nichts mehr gebracht. Daher kann ich mir davon auch nichts kaufen.

Prokop schien das Spiel aufgegeben zu haben. In der Auszeit, als noch 20 Minuten zu spielen waren, sagte er: „Lasst uns das Ding mit Respekt zu Ende bringen, aber nicht respektlos!“ Wie hat das Team die Ansage aufgenommen?

Jeder war ein bisschen schockiert vom Spielverlauf. Es war ja bis kurz davor ein ausgeglichenes Spiel, dann kamen diese fünf Minuten, wo wir alles weggeworfen habe. Da hingen natürlich unsere Köpfe. Da musste man sich aufrappeln. Klar war es schwer, das Spiel auf diesem Niveau gegen so eine Mannschaft nochmal umzubiegen. Da hat der Trainer versucht, uns aufzubauen. Nach dem Motto: Hey, wir müssen da nochmal ran! Aber es hat leider nicht gereicht.

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum Trainer?

Das Verhältnis ist gut soweit.

Im Training am Morgen vor dem Spanien-Spiel soll es zum Eklat gekommen sein. Prokop soll die Halle vorzeitig sauer verlassen haben. Wie haben Sie das erlebt?

Also erstmal ist es Quatsch, dass wir angeblich keinen Bock auf das Training hatten. So ein Training, in dem man anschwitzt für den Abend und ein bisschen die Taktik bespricht, ist doch völlig normal. Und der Trainer ist auch nicht früher abgehauen. Das ist auch Quatsch.

Heißt der Trainer auch in den nächsten Wochen und bei der WM 2019 Prokop?

Ich gehe fest davon aus. Ich glaube, es macht keinen Sinn, vorschnelle Schlüsse oder Handlungen zu vollziehen. Man muss alles zeitnah aufarbeiten, aber nichts übers Knie brechen. Eine Kurzschlussreaktion halte ich für völlig falsch.

Glauben Sie, dass Sie weiter beim Nationalteam sind?

Auch davon gehe ich aus. Ich zähle mich von den Leistungen her auf jeden Fall dazu und denke, dass ich einen berechtigten Platz im Team habe. Aber das heißt auch, weiter Gas zu geben und weiter mit Hannover für Furore zu sorgen. Das ist die Grundlage, weiter eine Einladung zur Nationalmannschaft zu bekommen. Jeder muss sich in der Liga Woche für Woche neu beweisen.

Schlagen Sie am Mittwoch mit einem Negativ-Gefühl beim Recken-Training auf?

Nein. Auch aus schlechten Dingen kann man lernen. Ich bin froh, dass es für mich jetzt bei den Recken wieder losgeht. Ich habe Mega-Bock drauf.

Ihr Co-Trainer bei den Recken, Iker Romero, hat Sie als Teammanager der Spanier besiegt und ist Europameister geworden. Können Sie sich für ihn freuen?

Natürlich! Ich freue mich sehr für ihn. Iker und ich haben uns auch zweimal während des Turniers auf einen Kaffee getroffen und uns etwas ausgetauscht. Die Spanier haben den Titel verdient.

Von Simon Lange

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