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Sportbuzzer TKH-Chef Rosenbrock: „Wir brauchen Leuchttürme“
Sportbuzzer TKH-Chef Rosenbrock: „Wir brauchen Leuchttürme“
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07:00 10.01.2018
Zeitreise: Geschäftsführer Hajo Rosenbrock vor einem Porträt von Sportlern aus der TKH-Anfangszeit Quelle: Florian Petrow
Hannover, Tradition verpflichtet, und der Turn-Klubb zu Hannover setzt auch nach 160 erfolgreichen Jahren alles daran, am Puls der Zeit zu bleiben. TKH-Geschäftsführer Hajo Rosenbrock spricht im Geburtstagsinterview über die Herausforderungen, über angestaubtes Image und über die größten Probleme in der Sportstadt Hannover


Herzlichen Glückwunsch, Herr Rosenbrock. 160 Jahre – das schaffen nicht viele Vereine.

Vielen Dank, wir sind auch wirklich stolz.

Was macht der TKH besser als andere?

Besser ist immer schwierig gesagt. Wir gehen unseren eigenen Weg und haben eine Grundmotivation, etwas zu bewegen - und zwar mit Menschen aus ganz Hannover. Wir wollen in allen Stadtteilen präsent sein und möglichst kreative Angebote gestalten. Uns gelingt es, mit bestehenden Mitteln Neues zu schaffen.

Sie setzen dabei auf ein junges Team – ihr Erfolgskonzept?

Für uns ist es entscheidend, dass wir viele Mitarbeiter haben, ehrenamtlich wie hauptberuflich. Wir sind dadurch in der Lage, uns viele Gedanken über neue und bestehende Projekte zu machen und sie dann auch umzusetzen. Viele Mitglieder setzen sich über das normale Maß ehrenamtlich ein. Das ist beeindruckend und keine Frage des Alters.

Sie sind seit neun Jahren dabei – wie fällt Ihre Bilanz aus?

Damals hatten wir 4500 Mitglieder, jetzt 6500. Wir hatten damals 12 hauptberufliche Mitarbeiter, jetzt haben wir 80 – viele arbeiten als Erzieher an Schulen. Ein Geheimnis ist die intensive Zusammenarbeit mit den Ganztagsschulen. Wir sind verlässlicher Partner mit dem, was wir können. Unsere historischen Sportstätten sehen zwar immer noch nicht neu aus. Dafür hatten wir damals kein neues Bewegungszentrum mit über 1000 Quadratmetern Fläche. Wir haben neue Themenfelder wie Inklusion, Bildung und Schule mit aufgenommen und noch stärker in der Gesellschaft Hannovers verankert.

Also ist der Turnklubb kein klassischer Sportverein mehr?

Für uns schon. Unser Sportverein hat den Zweck Jugendhilfe in der Satzung stehen. Das bedeutet für uns also auch die Zusammenarbeit mit Schule oder Ganztagsschule –wir kommen als ganz klassischer Verein unseren Aufgaben nach. Kommen die Kinder nicht zu, gehen wir zu ihnen. Und die klassische Aufgabe des Wettkampfsports und des Gesundheitssports erfüllen wir auch. Wir blicken mit offenem Visier in unsere Gesellschaft.

Klingt nach einer Lebensaufgabe für Sie…

Weiß ich nicht. Es ist in jedem Fall eine interessante Aufgabe, in der man viel entwickeln kann. Wir träumen davon, eine eigene Kindertagesstätte zu haben, sportlich mal einen deutschen Meister. Ich träume davon, dass möglichst viele Kinder in unseren Sportangeboten unterwegs sind. Wovon ich nicht träume, ist Stillstand.

Das sollte doch in einer wachsenden Landeshauptstadt, die sich auch als Sportstadt tituliert, nicht passieren…

Was in Hannover gut funktioniert, ist, dass die Sportvereine sehr attraktiv für Kinder und Jugendliche sind. Und sie sind durchaus auch attraktiv für normalen Wettkampfsport. Allerdings gibt es das Problem mit den nicht ausreichenden Hallenzeiten. Hier müssen wir alle nachziehen.

Wie meinen Sie das?

Wir haben gebaut, Hannover 96 baut aktuell sein Breitensportzentrum, viele Fußballvereine bewegen sich in Richtung Kunstrasenplätze – es ist eine der zentralen Herausforderungen, genügend Sportstätten zu schaffen und genügend Menschen, Trainer, Betreuer, Personal zu haben, um die vielen sportbegeisternden Menschen in Hannover auf den Weg zu bringen.

Wo sehen Sie die größten Probleme?

Ganz sicher gibt es Nachholbedarf im Bereich Freizeit- und Gesundheitssport. Die klassische Jedermann-Tradition von früher wird in den Vereinen fortgeführt, hat aber mit Konkurrenz aus Krankenkassen, Fitnessstudios, Digitalisierung und mehr zu kämpfen. Hier muss man die passenden Angebote für die Menschen auf die Beine stellen.

Breitensport ist sicher die Kernaufgabe. Aber wieso gelingt es dem TKH als großem Verein nicht, mehr Spitzensport anzubieten?

Weil Spitzensport in Hannover sehr schwer zu etablieren ist. Wir haben es bei Andreas Toba gemerkt. Dank der „Hero de Janeiro“-Situation hat er gute Förderer gefunden. Davor, als er auch schon ein guter Turner war, hatten wir keine Sponsoren. Und auch die Trainingssituation im Sportleistungszentrum war alles andere als zufriedenstellend. In Hannover sind die Rahmenbedingungen nicht perfekt.

Was muss sich ändern?

Zum einen die Sportinfrastruktur. Unser Sportleistungszentrum war einmal hervorragend, wird aber nicht umsonst nun saniert. Die Konkurrenz mit anderen Städten ist groß, die deutlich mehr investieren. Die entsprechenden Trainer müssen vorhanden sein. Und die Sponsorensituation ist in Hannover auch außerhalb des Fußballs ausbaubar.

Aber Sie haben doch mit den Basketballerinnen ein Aushängeschild neben Toba.

Hier trägt ein Sponsor fast alles alleine. Und der trainiert auch noch die Mannschaft. Rodger Battersby arbeitet nachhaltig und verfolgt das Ziel, Mädchen-Basketball in Hannover zu stärken. Das ist gelungen. Seitdem die Damen in der Bundesliga spielen, haben wir 60 neue Mädels im Verein. Die Profi-Spielerinnen sollen sich mit Hannover identifizieren, arbeiten im TKH oder in den Ganztagsschulen. Das hat viel mit Idealismus zu tun.

Warum ist Spitzensport wichtig?

Weil es für die Hannoveraner identitätsstiftend ist. Sportliche Vorbilder funktionieren für Kinder und Jugendliche in Schulen. Für Städte wie Hannover ist es wichtig, Bundesligamannschaften mit einer nach außen wirksamen Strahlkraft wie 96 oder die Recken zu haben. Wir brauchen diese Leuchttürme, die in die Vereine hereinwirken.

Was machen andere Städte wie Hamburg besser?

Sie investieren wesentlich mehr Mittel in Spitzensportveranstaltungen, aber auch in den Sportstättenbau. Der HTV Hamburg von 1816 zum Beispiel baut ein sportliches Stadtteilzentrum mit Unterstützung der Stadt. Der ETV Hamburg baut ein Sportzentrum mit Kindertagesstätte. In Hamburg gelingt es besser, Sportlern Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sie gerne dorthin kommen.

Wird der Turnklubb denn ins Boot geholt, wenn es um Stadtentwicklung geht?

In der gefühlten Wahrnehmung dürfen wir präsent sein. Das machen wir gerne. Wir sind gefragt, aber sicherlich nicht überall, wo wir uns wünschen würden, mitzuspielen.

Verfolgen die Sportvereine bei aller Unterscheidbarkeit zumindest ähnliche Ziele – fühlen Sie sich ausreichend unterstützt?

Die Ziele sollten die gleichen sein. Das kann an Zeitressourcen scheitern. Der Stadtsportbund sieht sich zu Recht als Vertreter aller Sportvereine in Hannover. Und da wir ein relativ großer Verein sind und aus der Arbeit heraus direkte Kontakte pflegen, muss man uns nicht überall unterstützen. Aber auch da wünschen wir uns, dass die Zusammenarbeit noch besser wird.

Sie sind also mit dem Stadtsportbund auf einer Linie?

Die Zusammenarbeit klappt gut. Der Stadtsportbund setzt auf unsere Expertise. Politisch könnte man allerdings gemeinschaftlich noch eine Menge mehr bewegen. Wir stehen in jedem Fall zur Verfügung.

Welche Projekte gehen Sie nun als nächstes an?

Wir müssen die Sportstätten weiterentwickeln. Als TKH haben wir eine große Liegenschaft in Kirchrode, die wir ausbauen wollen. Das wird eine Herausforderung für die nächsten fünf Jahre. Auch wenn es trocken klingt: Wir müssen die aktuell gute Arbeit und Strukturen absichern. Und wir wollen neue Sportmöglichkeiten für die Menschen in Hannover schaffen. Wir müssen nicht jede Mode mitgehen, aber unser Gespür für Trends erhalten.

Von Carsten Bergmann

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