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Was darf Medizin leisten, was nicht mehr?

HAZ-Gesundheitsforum Was darf Medizin leisten, was nicht mehr?

Die Medizin vermag vieles zu leisten. Aber ist auch alles sinnvoll – Herzklappenoperationen für Hundertjährige etwa? Über Fragen und Spitzenmedizin im Grenzbereich ging es beim HAZ-Gesundheitsforum am Montagabend im Pressehaus. Einfache Antworten gab es an diesem tiefgründigen Abend nicht.

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Was kann und was darf Medizin? Darum ging es beim HAZ-Forum während der Gesundheitswochen.

Quelle: Kutter

Herzklappen-Operation für Hundertjährige sind längst keine Seltenheit mehr in den Krankenhäuser. Die Menschen werden immer älter, auch auf den Intensivstationen, viele Patienten haben ein mehrfaches Organversagen. Moderne Medizintechnik führt dazu, dass auch schwere Krankheiten und Unfälle überlebt werden. Aber um welchen Preis? Was ist, wenn schwerkranke Menschen lieber sterben wollen als weiter an Beamtmungsschläuchen dahin zu vegetieren? Wie kann man ein würdevoll vom Leben Abschied nehmen?

Über diesen Fragen und Spitzenmedizin im Grenzbereich hat HAZ-Redakteurin Jutta Rinas am Montagabend mit Prof. Bernd Schönhofer, Chefarzt für Innere Medizin im Klinikum Region Hannover (KRH), Christoph Mandla, Medizinrechtler von der Uni Tübingen, Barbara Schulte, als KRH-Geschäftsführerin für Finanzen und Infrastruktur zuständig, dem Palliativmediziner Markus Sosada und Lutz Schütze, stellvertretender Vorsitzender der Ethikkommission im KRH, diskutiert. Es war der Auftakt einer ganzen Reihe von Gesundheitsforen, die die HAZ zusammen mit dem Klinikum in dieser und in der nächsten Woche ausrichtet. Dies ist ein Teil der jetzt gestarteten HAZ-Aktion "Fit und gesund".

Mit dem Thema "Spitzenmedizin im Grenzbereich - Krankenhaus im Spannungsfeld der Ethik" hat sich das HAZ-Gesundheitsforum am Montagabend beschäftigt.

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Wichtig sei es, früh mit seinen Angehörigen über das Thema zu reden, sagte Sosada. Eine Patientenverfügung kann jeder verfassen, der älter als 18 Jahre alt ist. Wenn ein Verwandter als Bevollmächtigter eingesetzt werden soll, dann muss dies schriftlich niedergelegt werden, erläuterte Jurist Mandla. Je eher man sich selbst mit der Frage, wie man sterben wolle, auseinandersetze, desto besser, unterstrich auch Schönhofer. Wenn es keine Patientenverfügung gebe und der Patient nicht mehr in der Lage sei, seinen Willen zu äußern, müssten Ärzte in Gesprächen mit der Familie herausfinden, was wohl sein mutmaßlicher Wille wäre. Es gebe Grenzen für die medizinische Behandlung, sagte Schönhofer: "Nicht alles, was machbar ist, ist auch sinnvoll."

Spitzenmedizin ist teuer

Und vor allem ist es nicht wirtschaftlich. Spitzenmedizin ist teuer. Ist es unethisch, wenn der Kliniken wirtschaftlich arbeiten? "Nein", sagte Geschäftsführerin Schulte, "es wäre unethisch, wenn wir unwirtschaftlich arbeiteten." Obwohl der Kostendruck hoch sei und Krankenkassen immer häufiger in Kliniken nachfragten, ob eine Behandlung wirklich notwendig gewesen sei, bemühe man sich im Krankenhaus auch genügend Zeit für Fürsorge einzuräumen. "Unsere Mitarbeiter setzten da sehr verantwortungsbewusst ihre eigenen Prioriäten." Es gebe zudem Psychologen und Seelsorger, die auch helfen würden. Die Notfallaufnahme, die an 365 Tagen im Jahr jeweils 24 Stunden lang geöffnet sei, beweise, dass man nicht nur an Kosten denke, denn bezahlt von der Kasse würden nur die Fälle, die dann auch tatsächlich behandelt würden, das Bereitstellen des Notfallteams werde nicht bezahlt.

Wenn es nicht mehr darum geht, eine Krankheit zu heilen, sondern um Schmerzen zu lindern, kommt die Palliativmedizin ins Spiel. "Wir sind keine Sterbestation", sagte Sosada, "wir kümmern uns um die Symptomenkontrolle". Menschen hätten das Grundrecht, ohne Schmerzen zu leben. Die Palliativtherapie könne sich auch über Jahre hinziehen. Den Begriff "Sterbehilfe" mag Sosada nicht, der sei negativ belastet. Lieber sprach er davon, "das Sterben zuzulassen". 

Ethiker Schütze meinte, es könne persönlich schwierig sein, einen Menschen gehen zu lassen, den man als Angehöriger eigentlich gehen lassen wolle. Um so wichtiger, dass jeder selbst rechtzeitig erkäre, wie er sterben wolle und wie nicht, ergänzte Jurist Mandla.

Am Dienstag geht beim HAZ-Forum in der Ellipse im Pressehaus in Bemerode ab 19.30 Uhr um das Thema Rücken.

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