Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
10 Jahre Region Hannover 13 Krankenhäuser in Hannover und Umland in einer Hand
Thema Specials 10 Jahre Region Hannover 13 Krankenhäuser in Hannover und Umland in einer Hand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:55 27.04.2011
Von Felix Harbart
Drittklässler der Grundschule Suthwiesen lassen sich von Michael Willig im Krankenhaus Oststadt-Heidehaus eine Operation an „Dr. Elch“ erklären. Quelle: Frank Wilde

Auch Donna ist Teil dieser Erfolgsgeschichte, irgendwie. Donna ist Therapeutin, genauer gesagt Therapiehündin, eingesetzt in der Psychiatrie Langenhagen. Ihr Oberarzt sagt, ihr Einsatz und der ihrer tierischen Kollegen auf Station 5, den Sittichen, Kaninchen, Meerschweinchen und Hühnern, sei gar nicht hoch genug einzuschätzen. Viele Patienten hätten Schwierigkeiten, Kontakt aufzubauen. Und das fällt vielen mit Donna eben wesentlich leichter als mit weißbekittelten Menschen.

Als Mitarbeiterin der Psychiatrie Langenhagen ist Donna ein kleines, aber wichtiges Glied des Klinikums Region Hannover (KRH), das seit 2005 insgesamt 13 Kliniken in Stadt und Umland zu einem Klinikverbund vereint. Schon jetzt, nach noch nicht einmal sechs Jahren, blickt das Klinikum auf eine bewegte Geschichte zurück. In schöner Regelmäßigkeit lieferte das KRH in dieser Zeit Schlagzeilen – ob positive, wie die von Donna und Kollegen, oder negative, bis hin zu einer Razzia der Staatsanwaltschaft Hannover in sämtlichen Häusern des Klinikums im vergangenen Herbst.

Wenn man so will, ist die Idee des Regionsklinikums so etwas wie die Region in der Nussschale: Wie beim Gesamtgebilde, dessen hundertprozentige Tochter das Klinikum ist, sollte auch beim KRH der Zusammenschluss verschiedener Einheiten Synergien erzeugen, Kosten senken, Effizienz steigern. Ein gemeinsamer Krankenhauskonzern sollte bessere Möglichkeiten im Einkauf erhalten und innerhalb seines Klinikverbundes Schwerpunkte und Spezialisierungen bilden können, die die kommunalen Kliniken im Wettbewerb nach vorne bringen sollten.

Vor allem aber sollte der Verbund dafür sorgen, dass die Region eines schönen Tages nichts mehr würde dazuschießen müssen, um den Betrieb zu finanzieren. Um das zu erreichen, so hieß es 2005 im „Businessplan“ für das zu gründende KRH, müssten über kurz oder lang von 5900 Mitarbeitern 800 über „natürliche Fluktuation“ abgebaut werden. Im Gegenzug gab es eine Beschäftigungssicherung bis 2015 für die, die nicht herausfluktuieren würden. Die wiederum verzichteten dafür drei Jahre auf drei Prozent ihres Entgelts.

Jahrelang trug das KRH also das Ziel der „schwarzen Null“ im Haushalt wie eine Monstranz vor sich her – und erreichte es schließlich, wie geplant, im Jahr 2009. Eberhard Wicke (CDU), Oppositionsführer in der Regionsversammlung, verweist darauf, dass die Geschäftsführung des Klinikums diesen Erfolg mit schlechter Stimmung unter dem Personal des Klinikums bezahlt habe. Allerdings sind die öffentlichen Proteste gegen die Sanierer in der Geschäftsführung in den vergangenen Jahren leiser geworden.

Eine solche Geschäftsführung zu bestimmen fiel der Regionsverwaltung im Vorlauf der Klinikumsgründung nicht ganz leicht. Vier Köpfe hätte das Gremium eigentlich umfassen sollen, drei hatte Sozialdezernent Erwin Jordan recht schnell beisammen. Die Suche nach einem Sprecher der Geschäftsführung gab die Region indes nach einer quälenden Weile auf – mit Hinweis auf die schlechte Bewerberlage. Stattdessen beschloss man, dass drei Geschäftsführer genug seien. Ganz, als habe man nie etwas anderes vorgehabt.

Da war es umso misslicher, dass die Geschäftsführung Anfang 2008 sogar noch um einen Mitarbeiter schrumpfte: Geschäftsführer Rainer Brase ließ, so der Vorwurf, am Oststadt-Krankenhaus 140 Herz-Thorax-Operationen durchführen, für die das Klinikum keinen Auftrag hatte. Der Vorstoß war Teil eines Versuchs, der Medizinischen Hochschule das Monopol für solcherlei Eingriffe streitig zu machen. Brase flog aus dem Klinikum und wurde später durch Friedrich von Kries ersetzt.

Seit vergangenem Herbst indes sehen sich beide, ebenso wie die aktuellen Geschäftsführer Karsten Honsel und Norbert Ohnesorg, einem so noch nicht dagewesenen Problem gegenüber: Alle vier sowie weitere Mitarbeiter des Klinikums müssen sich demnächst vor dem Landgericht Hildesheim wegen Förderung der Schwarzarbeit und Nichtabführens von Sozialversicherungsbeiträgen verantworten. Sie sollen im Rettungsdienst Scheinselbstständige beschäftigt haben. Vorausgegangen war ein medienwirksamer Großeinsatz von Polizei und Steuerfahndung in allen 13 Krankenhäusern. Schlagzeilen, die das Klinikum lieber nicht gemacht hätte – mit offenem Ausgang. Da will man sich im Rückblick auf fünfeinhalb Jahre Klinikum doch lieber an Schwester Elli und Minister Philipp erinnern. Im August 2010 besuchte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler Schwester Eleonore Braun-Folta im Klinikum Nordstadt, um von ihr zu erfahren, wie sie den Zustand ihres Berufsstandes beurteile. „Schwester Elli“, wie die Kollegen sie rufen, wies zwar auf die Probleme und Widrigkeiten hin, gelobte aber, für sie komme kein anderer Beruf infrage. Und der Minister wollte nichts wissen über Krankenhausumzüge, schwarze Nullen oder geschasste Chefs. Er betonte, dass „Frau Braun-Folta für mich heute im Mittelpunkt steht“.

Zahlen, Daten, Fakte

Seit der Gründung des Klinikums Region Hannover (KRH) 2005 stieg der Umsatz von 417 Millionen Euro auf 505 Millionen Euro. Auch die Patientenzahlen legten kräftig von 114 013 auf 133 012 im Jahr 2009 zu – ein Plus von 16 Prozent. Mit insgesamt 8500 Mitarbeitern (5100 Vollzeitstellen) zählt die zweitgrößte kommunale Klinikgruppe Deutschlands zu den größten Arbeitgebern in Niedersachsen. Das KRH hatte 2009 einen Anteil von gut 40 Prozent am Krankenhausmarkt der Region und belegt damit Platz eins. Mit 80 Fachkliniken
bietet das KRH ein breites Spektrum – von der wohnortnahen Grund- bis zur Maximalversorgung.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!