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10 Jahre Region Hannover Erlebnis-Zoo Hannover im Regions-TÜV
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19:21 01.05.2011
Von Gunnar Menkens
Bekannte Gesichter im Zoo: Zu den etablierten Publikumsmagneten zählt die Elefantenfamilie, deren Kindersegen regelmäßig für Schlagzeilen sorgt. Quelle: Catherine Hagemann

Eine schönere Kulisse hätte sich das ZDF kaum denken können. Gerhard Schröder sollte interviewt werden, und der Kanzler wünschte, das Gespräch in der Reihe „Sommerinterviews“ im Zoo Hannover zu führen – schließlich verbringe er dort in den Ferien sowieso viel Zeit. Das war im August 2001, die Anlage an der Eilenriede hatte sich von einer kargen Steinwüste mit Tieren bereits zu einem bunten Erlebnispark gemausert. Und der taugte allemal für blühende Hintergrundlandschaften im Fernsehen. Zwei Jahre später kam Angela Merkel in den Tierpark von Zoochef Klaus-Michael Machens. Brillenpinguin „Helmut“ musste sich angesehen werden, ein Geschenk von Ministerpräsident Christian Wulff. Augenzeugen berichteten, das Tier habe überhaupt nicht verstanden, welch hohe Besucher oben am Bassin standen.

Gleichviel: Damit waren alle deutschen Regierungschefs seit 1998 Gast im hannoverschen Zoo. Wohl kein anderer Tierpark in Deutschland hat sich so sehr das Attribut verdient, Kanzler-Zoo zu sein. Aber während Schröder seinen Beruf bald aufgeben musste, revanchierte sich Merkel Jahre später für das schlüpfrige Pinguinpräsent. So wurde Wulff Bundespräsident und muss seither wochentags im Trubel Berlins leben statt in der Idylle Burgwedels. Natürlich bestätigt niemand diese Version der Geschichte.

Wenn die Region Hannover am 1. November 2011 ihr zehnjähriges Bestehen feiert, dann wird in offiziellen Reden der Zoo Erwähnung finden, wenn Erfolgsgeschichten vorgetragen werden. Mit der Verwaltungsreform, mit der die neue Region Hannover geschaffen wurde, hat sie jedoch nur in Teilen zu tun. Es war 1995, als Machens, nach einem Jahr im Amt, erstmals das Konzept „Zoo 2000“ vorstellte. Die Jahreszahl zielte auf die bevorstehende Weltausstellung, man wollte den erwarteten Massen von Expo-Gästen etwas anderes bieten als den peinlichen Anblick, den der Bund der Steuerzahler im Zoo zu Beginn der neunziger Jahre wahrnahm: „Weitgehend marode Bausubstanz, kaum Service für Besucher, artgerechte Gehege Fehlanzeige, Besucherrückgang.“

Der Aufstieg zu einem der europaweit erfolgreichsten Zoos begann von ganz weit unten. Die neue Idee war, Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen zu zeigen. So wuchs an der Eilenriede ein Gorillaberg, dazu kamen die Afrikalandschaft Sambesi und der Dschungelpalast. Außerdem baute der Zoo Meyers Hof, eine Art Gastronomielandschaft. Als rechtzeitig zur Expo alles fertig war, hatte Machens stolze 107 Millionen Mark ausgeben können für den Zoo seiner Träume. Die Planung von 69 Millionen Mark überschritt man nicht einmal um das Doppelte.

Aber den Gästen gefielen Kulissen und Tiere. Die Naturnachbauten lockten immer mehr Besucher an, die immer näher an die Menschenaffen und Elefanten heranrückten. Die vorerst letzte Stufe nahm der Zoo im Mai 2010. Die Polar-Szenerie Yukon Bay wurde eröffnet. „Die letzte große Themenwelt“, sagt der neue Geschäftsführer Frank Werner. Das Projekt stand lange Zeit auf der Kippe. 25 Millionen Euro sollte es kosten zu einem Zeitpunkt, als es der Region finanziell nicht gut ging.

Bald wurde Yukon Bay zum Symbol für die häufigen Konflikte von Machens mit Verwaltungschefs und etlichen Politikern – während Letztere argwöhnten, dass mit jedem Baustein Machens nicht nur den Zoo, sondern auch sein Ego vergrößerte, hielt der Zoodirektor manche Gegner für zu klein im Geiste, um groß zu denken. Zwischenzeitlich wurde sogar überlegt, das Projekt von einem privaten Investor bauen zu lassen. Aber solch ein Finanzier hat sich nie gefunden. Politiker waren lange nicht einig, ob man diesen nächsten, teuren Schritt gehen sollte, der frühere Regionspräsident Michael Arndt lehnte Yukon Bay zunächst sogar ab. Schließlich eilte die Europäische Union zu Hilfe. Als alles fertig war, hatten alle öffentlichen Hände zusammen genommen 35 Millionen Euro gezahlt.

Yukon Bay war der Schub, den der Zoo unter regionaler Regie nahm. Eisbären und Robben, in der Unterwasserwelt nur durch eine Scheibe vom Publikum getrennt, ließen die Besucherzahlen noch einmal deutlich steigen. Zahlten 2003 eine Million Menschen Eintritt, waren es im vergangenen Jahr schon 1,6 Millionen Erwachsene und Kinder. Auch der Umsatz stieg, denn mit den neuen Attraktionen zogen nicht nur die Besucherzahlen an, sondern auch die Eintrittspreise. 2002 durfte man noch für 14,50 Euro die Sperren passieren, heute zahlt ein Erwachsener für die gleiche Tageskarte 23 Euro. Eine Entwicklung, die bei vielen Politikern zu Überlegungen führt, weniger finanzstarken Familien Sozialtickets anzubieten.

Wenn sich der Bund der Steuerzahler unter Geschäftsführern kommunaler Unternehmen einen Lieblingschef aussuchen müsste: der vor ein paar Wochen abgesetzte Direktor Klaus-Michael Machens wäre wohl der Sieger. „Die unbestreitbaren wirtschaftlichen Erfolge gehen zu einem großen Teil auf den langjährigen Geschäftsführer Machens und seine engagierten Mitarbeiter zurück“, notiert der Bund jetzt. Erfolge, „die nicht etwa der Regionspolitik zuzurechnen sind“. Ein harsches Urteil, waren es doch immerhin die Fraktionen in der Regionsversammlung, die Yukon Bay schließlich doch mit Millionen Euro unterstützt haben.

Kritik am Zoo übt der Steuerzahlerbund regelmäßig dann, wenn es um öffentliche Zuschüsse geht. Drei Millionen Euro zahlt die Region Hannover jährlich, damit die Geschäftsführung Kredite tilgen und Zinsen zahlen kann. Noch ist die Zoo GmbH mit 32 Millionen Euro verschuldet. Regionspräsident Hauke Jagau schlug zuletzt vor, dass die Region diese Summe übernimmt und im Gegenzug die jährliche Unterstützung streicht. Der Bund begrüßt dies: „Der Zoo würde finanziell unabhängig von der Region und gezwungen, ständig an der eigenen Attraktivität zu arbeiten, um zu ausgeglichenen Ergebnissen zu kommen.“ Ein Zoo ohne kommunale Zuschüsse, das wäre dann tatsächlich eine weitere bundesdeutsche Besonderheit aus Hannover.

Im Zoo soll weiter investiert werden. Wirtschaftshof, Logistik, Verwaltungsgebäude und Eingangsbereich stehen auf der Liste, dazu das dringend sanierungsbedürftige Tropenhaus, das Urwaldhaus und die alte Robbenanlage.

Eine Frage konnte aber auch der neue Zoo nicht klären, da mögen Besucher im Dschungelpalast so nahe an die Tiere heranrücken wie nie zuvor: Denken eigentlich auch Elefanten, dass Menschen irgendwie alle gleich aussehen?

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