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125 Jahre Madsack rnd.de - das Portal der Zukunft
Thema Specials 125 Jahre Madsack rnd.de - das Portal der Zukunft
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19:11 16.05.2018
Diskussion bis weit in die Nacht: Ariane Fries (von links), Sebastian Heintz und Madsack-Onlinekoordinator Rüdiger Ditz aus dem Entwicklungsteam erörtern die Details des neuen Portals. Quelle: RND
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Hannover

Jeder Zettel steht für eine Idee. Für einen Gedanken, wie Nachrichten und Geschichten die Leser künftig erreichen und berühren sollen. Zu Hunderten kleben die gelben Notizen noch in der alten Villa auf dem Madsack-Gelände in Kirchrode. Sie finden sich an Stellwänden, Tafeln und überhaupt fast jedem freien Platz, ergänzt von Skizzen, Tabellen, Bildern. All die Zettel sind Hinweise auf den Journalismus der Zukunft – und das Ergebnis wochenlangen Nachdenkens und Diskutierens. „Oft“, sagt Christoph Maier, „haben wir bis in die Nacht zusammengesessen.“

Der 38-jährige Münchener leitet das Projektteam, das den nächsten großen Schritt der Madsack Mediengruppe vorbereitet: Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) wird für die Leser sicht- und greifbar – als eigenes, neues überregionales Nachrichtenportal. Unter rnd.de werden künftig exklusive Nachrichten, aktuelle Analysen und aufwendige Reportagen zentral zu finden sein. Für den Leser bedeutet das: eine hochwertige Alternative zu den Online-Ausgaben von Spiegel, Süddeutscher Zeitung oder Welt. „Das Ziel ist klar“, erklärt RND-Chefredakteur Wolfgang Büchner. „Wir möchten uns unter den Top Ten der deutschen Nachrichtenportale etablieren.“

Einerseits sind die Zeiten dafür schwierig. Denn schon heute haben Internetnutzer die Wahl zwischen einer Vielzahl an meist kostenlos verfügbaren und teils anspruchsvollen deutschen und ausländischen Nachrichtenseiten. „Niemand wartet da auf ein weiteres Angebot, das sich nicht mit etwas Neuem, etwas Besonderem abhebt“, sagt Büchner.

Andererseits sind die Zeiten für das neue Nachrichtenportal günstig. Denn rnd.de ordnet ein und bewertet News. Das schafft ein hilfreiches Gegengewicht zu der Vielfalt der Seiten, die eher verwirrend als bereichernd sind. Fake News,
Falschnachrichten, verunsichern Leser und vergiften den politischen Diskurs. Oft ist für Nutzer und Leser kaum zu durchschauen, woher Informationen wirklich stammen, auf welcher Recherche sie basieren oder wie der Autor an seine Geschichte gelangt ist. „Mit einem überregionalen Nachrichtenportal werden wir unsere journalistische Kompetenz auch im Digitalen deutlich sichtbar machen und auf hohem Niveau ausspielen können“, erklärt Thomas Düffert, der Vorsitzende der Konzerngeschäftsführung der Madsack Mediengruppe.

Wie das gehen soll, wie das neue rnd.de aussehen und wie es sich vom Start anfühlen muss, um für die Nutzer zu einer neuen Nachrichtenheimat im Netz zu werden – das zu entwerfen war in den vergangenen Monaten die Aufgabe von Maier und seinem Team aus Journalisten, Layoutern, Digital- und Social-Media-Expertinnen und -Experten.

Für Maier bedeutet die Arbeit an rnd.de die Rückkehr zu seinen journalistischen Wurzeln. Der 38-Jährige hat zuletzt den Sportbuzzer, das Fußball-Portal der Madsack Mediengruppe, binnen kurzer Zeit zu einer der führenden deutschen Sportseiten gemacht. Zuvor hatte er in München das Online-Portal der Abendzeitung als stellvertretender Leiter mit geführt. Die Vielfalt von Themen aus Politik, Vermischtem, Wirtschaft und Populärwissenschaftlichem sieht er als sein eigentliches Spielfeld: „Insofern passte das für mich sehr gut.“

Der 36-jährige Sebastian Heintz, ebenfalls Mitglied des Entwicklungsteams, leitete bislang den Regiodesk der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung, er ordnete also den Fluss der regionalen Nachrichten und verteilte sie auf die Zeitungsseiten. Für den Aufbau von rnd.de pendelt er nun nach Hannover. „Ein spannenderes Projekt, als an einem neuen überregionalen Nachrichtenportal mitzuwirken, hätte ich mir nicht vorstellen können“, sagt er. Heintz begann bereits kurz nach dem Abitur sein Volontariat bei der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung. Aus seiner Erfahrung in Lokalredaktionen weiß er, was für den Erfolg von rnd.de wichtig wird: „Glaubwürdigkeit. Und Nähe zu den Interessen der Leser.“

Das neue Portal rnd.de ist ein Projekt in der Entstehung. Manches ist noch im Werden. Einiges behalten die Entwickler lieber noch für sich. Aber über einige der Ideen, die sich Christoph Maier und sein Team in den vergangenen Monaten auf ihren Zetteln notiert und die sie bei der Entwicklung geleitet haben, über die reden sie schon. Wenn also immer mehr Nutzer Nachrichten unterwegs auf ihren Smartphones lesen und wenig Zeit für lange Lektüre haben: Warum dann nicht neben dem klassischen Angebot einen schnellen Überblick aus reinen Schlagzeilen ermöglichen?

Oder wenn Leser bei bestimmten Themen am Ball bleiben möchten: Wie wäre es denn, ihnen genau dies auf ihrer Nachrichtenseite dank bestimmter Voreinstellungen automatisch zu ermöglichen? Und wenn Nutzer gern genauer wissen möchten, wie die Journalisten an ihre Informationen gelangt sind: Dann wäre es doch nur konsequent, genau dies zumindest bei aufwendigen Recherchen und Reportagen auch mit zu veröffentlichen – jedenfalls so weit wie möglich. Wenn also jeder Nutzer erführe, welche Idee den Journalisten antrieb, mit wem er sprach und welche Dokumente er nutzte (und wenn man diese vielleicht sogar noch mit verlinken würde). „Die Arbeit würde damit für alle Leser nachvollziehbarer werden“, erklärt RND-Chefredakteur Büchner.

Man könnte aber auch sagen: So viel ändert sich gar nicht. Denn letztlich geht es vor allem darum, jene Stärken, die das RND zu einem der führenden redaktionellen Netzwerke gemacht haben, digital künftig noch klarer sichtbar werden zu lassen: zum Beispiel die fundierten Einschätzungen des Hauptstadtbüros, das weltweite Korrespondentennetz und die gleichzeitige Verwurzelung in der Region. Das neue Nachrichtenportal rnd.de wird es Lesern und Journalisten ermöglichen,
einander noch näher zu kommen. Und im ältesten, traditionsreichsten Gebäude auf dem Konzernsitz, könnte man eines Tages sagen, nahm diese Entwicklung mit vielen gelben Zetteln ihren Anfang.

70 neue Jobs in Hannover

Die Madsack Mediengruppe geht neue digitale Wege – und das ist für ganz Hannover eine gute Nachricht: 70 Arbeitsplätze entstehen durch den Aufbau eines digitalen Kompetenzzentrums am Stammsitz des Konzerns.

Künftig werden alle regionalen Nachrichtenportale, zum Beispiel in Lübeck, Leipzig oder Potsdam, aus dem sogenannten Digital Hub in Kirchrode gesteuert. Außerdem helfen die Spezialisten in Hannover den Kollegen an den einzelnen Standorten bei der Umsetzung anspruchsvoller Konzepte und Ideen für die regionale digitale Berichterstattung.

Die Ostsee-Zeitung will den spektakulären Schatz des Dänenkönigs Blauzahn, den Archäologen auf Rügen entdeckt haben, auch im Netz auf ungewöhnliche Art präsentieren? Bei all dem wird Hannover künftig der zentrale Ansprechpartner sein. Datenjournalisten und Spezialisten aus den Bereichen Video, Social Media und Suchmaschinenoptimierung werden die Kollegen in den Regionalredaktionen bei all diesen Fragen unterstützen – und dafür sorgen, dass ihre Nachrichten, Geschichten und Filme auch im Netz möglichst viele Leser und Zuschauer finden. „Der Digital Hub wird zum digitalen Kreativpool für unsere regionalen Webangebote“, so beschreibt es der Vorsitzende der Konzerngeschäftsführung der Madsack Mediengruppe, Thomas Düffert. „Die Redaktionen im Verbund werden davon besonders profitieren.“

Von Thorsten Fuchs

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