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125 Jahre Madsack Zum Jubiläum: Es geht um die Freiheit
Thema Specials 125 Jahre Madsack Zum Jubiläum: Es geht um die Freiheit
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16:31 17.05.2018
Thomas Düffert ist seit dem Jahr 2013 Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung.  Quelle: Madsack
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Ganz ehrlich: Ich hätte ihn gern einmal getroffen. Jenen Verleger August Madsack, der weit aus dem Osten gekommen war, um in Hannover eine – seine – Erfolgsgeschichte zu schreiben. Natürlich wissen wir um seinen Weg, kennen die Fakten der langen Unternehmensgeschichte, die das Haus Madsack seit seiner Gründung 1893 geschrieben hat. Und doch bleibt da für mich ein Rest Neugier – verbunden vor allem mit der Frage: Was hat ihn angetrieben? Wie ist er zum leidenschaftlichen Zeitungsmann geworden? Es hätte in der dynamischen Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts ja auch andere Branchen und Möglichkeiten für einen Gründer und Unternehmer gegeben. Vielleicht sogar einfachere. Wie spannend wäre es, könnte man August Madsack über seine Beweggründe sprechen hören.

Aber möglicherweise liegt die Antwort gar nicht so fern – und hat sogar viel mehr mit unserer Gegenwart in unserer Mediengruppe zu tun, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Nimmt man August Madsacks Handeln und die bewegte Geschichte seines nun 125-jährigen Unternehmens zusammen in den Blick, zeigt sich zumindest ein großer Nenner: Es ging und geht am Ende immer um die Freiheit.

Zwei Aspekte kommen zusammen

Das ist nicht vordergründig oder gar pathetisch zu verstehen. Wir norddeutsch geprägten Medienleute haben es damit ohnehin nicht so sehr. Für mich kommen hier zwei Aspekte ganz praktisch zusammen: August Madsack und seine Nachfolger haben sich immer wieder neu die Freiheit von äußerem Druck erarbeitet – und zugleich die Freiheit zur Gestaltung genutzt. Frei atmen, denken und schreiben zu können ist eine Voraussetzung für den Erfolg jedes Medienunternehmens. Aber sie wäre nichts, ohne die Kraft, sie auch zu nutzen. Indem man etwas aus der Freiheit macht. Im Wortsinn: etwas unternimmt. Oder kreativ ist, wie man es heute eher nennt. Diese beiden Seiten der Freiheit haben August Madsack, sein Unternehmen und damit auch uns geprägt.

Die Freiheit eines Verlages basiert wesentlich auch auf wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Sie muss bis heute immer wieder neu erarbeitet werden, auch das hat August Madsack eindrucksvoll vorgelebt. Er war ein kluger journalistischer Ökonom. Ihm war bewusst, dass nur dauerhafter finanzieller Ertrag freies publizistisches Wirken ermöglicht. Mit einigem Schwung nutzte er die Gunst des allgemeinen Aufschwungs seiner Anfangsjahre – und sicherte damit seinen Journalisten den nötigen Spielraum für ihre Arbeit. Madsacks „Hannoverscher Anzeiger“ zählte ohne Zweifel über die Jahrzehnte hinweg zum sich wandelnden gesellschaftlichen Mainstream, aber er fiel bei öffentlichem Gegenwind eben nicht gleich um. Gleich in seinen Anfangsjahren zeigte er im Gegensatz zu anderen Publikationen, dass Berichterstattung frei von Einflussnahme möglich und für jedermann zugänglich sein konnte.

Eine Mediengruppe mit 15 Tageszeitungen

125 Jahre später ist aus dem „Hannoverschen Anzeiger“ eine Mediengruppe mit 15 Tageszeitungen in sieben Bundesländern und zahlreichen digitalen Angeboten geworden. Ein starker Verbund, der den Namen des Gründers nicht aus Nostalgie im Namen trägt. Sondern aus Überzeugung. Jene verlegerische Freiheit, die für August Madsack oberste Prämisse war, gilt für die Madsack Mediengruppe heute mehr denn je.

Zumal wir wissen, wie wertvoll der Schatz ist, den wir da in den Händen halten. Freier, von politischen und wirtschaftlichen Zwängen unabhängiger Journalismus ist keine Selbstverständlichkeit. Er wird in vielen Teilen der Welt nach wie vor unterdrückt; Journalisten, die vermeintlich falsche Fragen stellen, werden mit Verboten bestraft. Mitten in Europa sitzen Menschen in Gefängnissen und sind Repressalien ausgesetzt, weil sie ihren journalistischen Beruf ausgeübt haben. Wir nehmen das sehr ernst. Denn wir wissen, wo wir historisch herkommen. Als August Madsacks Sohn Erich den Anzeiger zur 50-Jahr-Feier im Kriegsjahr 1943 einstellen und in ein Nazi-Blatt einbringen musste, hat er trotz aller Zensur geschickt verdeutlicht, dass es um mehr ging als um einen Geschäftsvorgang in einem Terrorregime: „Eine Zeitung ist schließlich nicht die Summierung von Nachrichten, Artikeln und Anzeige... Sie ist der Pulsschlag aller, die an ihr arbeiten“. Da hatte das Blatt schon zehn Jahre nationalsozialistischer Repression hinter sich – und die Freiheit war verloren. Für lange Zeit.

Der Herzschlag unserer Heimat

Wenn wir die Pressefreiheit heute bei uns verteidigen, geht es glücklicherweise nicht mehr um Leben und Tod. Aber doch immer wieder auch um grundsätzliche Fragen. Nicht staatliche Repression ist unsere erste Herausforderung, sondern die Frage, wie sich guter Journalismus auf Sicht weiter finanzieren kann. Und ob multinationale Internetunternehmen wie Google, Amazon oder Facebook künftig die Regeln allein bestimmen – oder was wir im Kampf um Daten und Deutungshoheiten dagegensetzen können. Dabei hilft uns unsere strategische Ausrichtung. Madsack ist heute einer der Großen „Player“ in der deutschen Medienwelt. Unsere Zeitungstitel sind Marktführer in vielen Regionen – von Hannover und weiten Teilen Niedersachsens über Leipzig nach Potsdam, Rostock oder Lübeck. Die Arbeit für die so unterschiedlichen Regionen ist und bleibt der Kern, der eigentliche Sinn unserer Arbeit. Hier sind wir zu Hause, hier engagieren wir uns – wir können ihn fast spüren, den Herzschlag unserer Heimat. Wir meinen es ernst mit diesem Sprachbild, das wir dem Unternehmensjubiläum als Motto vorangestellt haben. Im Verbund unseres Redaktionsnetzwerks Deutschland zählen wir auch überregional zu den wichtigen Anbietern im nationalen Wettbewerb. Und Madsack kann noch weit mehr – diese Jubiläumsbeilage erzählt davon. So sichern wir die Freiheit unserer Arbeit für die Zukunft.

Die Digitalisierung stellt unsere Gesellschaft und damit nicht zuletzt die Medienunternehmen vor enorme Herausforderungen. Was eben noch Alltag war, kann morgen schon wieder überholt sein. Die Anforderungen verändern sich rasant, die Komplexität nimmt zu. Das führt bei manchem zu Unsicherheit, manchmal sogar zu einem Gefühl der Überforderung. Weil ganze Wirtschaftszweige damit zu kämpfen haben, dass ihre Geschäftsmodelle unter Druck geraten.

Medien als Spiegel der Gesellschaft

Die Medien sind auch hier Spiegel der Gesellschaft, in der sie leben und arbeiten. Madsack steckt mittendrin in diesem Wandel – es ist wohl der größte unserer Unternehmensgeschichte. Das ist nicht immer leicht, zuweilen auch mit schmerzhaften Schritten verbunden. Aber auch dieses Mal werden wir ihn gestalten und etwas Gutes daraus machen. Erfolg hieß und heißt bei Madsack immer auch: Teamarbeit – nicht zuletzt dann, wenn es herausfordernd wird. Ich bin froh und auch ein wenig stolz darauf, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Veränderung immer wieder auch zu ihrer ganz persönlichen Sache machen.

Denn wieder geht es um die Freiheit. Wir sichern sie, indem wir neue Wege suchen und gehen, unsere Angebote veränderten Bedürfnissen anpassen. Immer mit dem Ziel, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und zu bleiben. Um der Zukunft willen. Ich bin mir sicher, dass August Madsack uns dazu ermuntern würde.

Herzlichst Ihr Thomas Düffert

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