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125 Jahre Madsack Zum Jubiläum: Wandel verändert den Blick auf die Welt
Thema Specials 125 Jahre Madsack Zum Jubiläum: Wandel verändert den Blick auf die Welt
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16:07 17.05.2018
HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt. Quelle: Insa Hagemann
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Menschen. Das ist das meist benutzte Wort, wenn angehende Journalisten heute beschreiben, was sie an unserem Beruf interessiert. Sie wollen Menschen beobachten, ihr Handeln begleiten und verstehen. Das klingt einfach und ist doch so schwer. Weil es „den Menschen“ selbstverständlich nicht gibt und „die Menschen“ schon gar nicht. Die Kunst besteht in der Differenzierung, in der Suche nach jenem Teil der Wahrheit, für den ein Mensch, eine Gruppe in der Gesellschaft steht. Erkennen, was ist – und erklären, was es bedeutet. Wer das schafft, hat viel erreicht in unserem Beruf.

Das war schon einfacher. Unsere Medienwelt bebt. Nicht alles von dem, was über Jahrzehnte gegolten hat, wird sich dauerhaft behaupten können. Der Journalismus wandert mit den Menschen, die ihn nutzen, ins allumspannende digitale Netz. Die gedruckte Zeitung wird zu einem Spezialprodukt für jene werden, die mit guten Gründen das Papier lieben. Und es wertschätzen. Die Übrigen ziehen weiter, suchen sich ihre Informationen in den elektronischen Kanälen. Journalisten, die hier nicht liefern, bekommen ganz langsam etwas Museales.

Ein so tiefgreifender Wandel bleibt nicht ohne Folgen für unsere Arbeit als Lokaljournalisten, politische Reporter, Sportfachleute oder Musikkritiker. Vielleicht verändert die Digitalisierung unseren Blick auf die Welt, sicher aber das Bild, das durch ihn entsteht. Es wird kleinteiliger, hier oder da schärfer, gewiss auch bunter – vor allem aber wird es zum immer anspruchsvolleren Puzzle. Wenn aus analogen Massenmedien eine Masse digitaler Medien wird, muss man höher klettern, um den Überblick zu behalten. Und zugleich besser zuhören, wenn es um die Fragen, Wünsche und Hinweise der Leser und User geht.

„Wie kein anderes Unternehmen steht die Zeitung in einer täglichen Wechselwirkung mit der gesamten Umwelt“ – so hat es August Madsack schon vor fast 100 Jahren bei der Präsentation der Baupläne seines Anzeiger-Hochhauses gesagt. Seine Ableitung war schlicht, aber nicht einfach: Der Wandel gehört zum Geschäft. Wer ein derart flüchtiges Produkt wie ein Tagesmedium erfolgreich halten will, muss wissen, was die Kunden morgen erwarten. Was wichtig ist und wird, in Inhalt und Form. In August Madsacks Zeit waren es Kutschenbauer oder Segelschiffwerften, die oft genug nicht erkannten, wohin die Reise ging. Sein Unternehmen sollte es besser machen.

Es wäre leicht zu sagen, dass dieser Fortschrittsgeist unsere Zeitung seitdem durchgehend geprägt hat; aber es wäre keine ganz vollständige Beschreibung. Die journalistische Geschichte des „Hannoverschen Anzeigers“ und der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung hat auch dunkle Seiten. Eine Ambition aber blieb über die sehr unterschiedlichen Generationen hinweg: dabei zu sein. Oder, im Journalistendeutsch: dranzubleiben. Alles „umzukneten“, wie August Madsacks Sohn Erich es nannte. Sich eben nicht vom Wandel der Medien treiben zu lassen, sondern ihn mitzugestalten.

So etwas endet nie. Heute arbeiten wir an der Digitalisierung unseres Berufs, haben gerade wieder einmal mehr Fragen als Antworten. Wenn sich der Nebel jedoch einmal lichtet, wenn die Aufgeregtheiten einer hippeligen Branche etwa an einem Jubiläumstag kurz abebben – dann ist klar: Der Kern unseres Berufs bleibt. Nicht, weil Journalisten sich für unersetzlich halten (so etwas soll es vereinzelt geben), sondern weil uns die Leser und User immer wieder zeigen, was wir am Ende für sie tun können. Da geht es um verlässliche Informationen, um die Einordnung der vielen Wissensfragmente. Um Sicherheit. Die Suche nach dem ganzen Bild eben – aus Hannover, Niedersachsen und der Welt.

Und daran – das können wir versprechen – arbeiten wir weiter. Auf allen Kanälen. Es geht ja erst los.

Hendrik Brandt

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