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D-Linie: Hintergrund zum Stadtbahn-Streit Martin Prenzler zur D-Linie: "Wir prüfen ein Bürgerbegehren"
Thema Specials D-Linie: Hintergrund zum Stadtbahn-Streit Martin Prenzler zur D-Linie: "Wir prüfen ein Bürgerbegehren"
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10:22 09.02.2013
Von Volker Goebel
"Wir prüfen die Möglichkeit, ein Bürgerbegehren gegen die Pläne zur Neugestaltung der Stadtbahnlinie D zu initiieren": Martin Prenzler. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Herr Prenzler, Politik und Verwaltung planen eine neue Führung der oberirdischen City-Stadtbahnlinie - und Einzelhandel wie Wirtschaftsverbände laufen Sturm dagegen. Was läuft hier falsch?

Es läuft eine Menge falsch. Seit zwei Jahren gibt es zum Ausbau der D-Linie einen intensiven Dialog, an dem wir kräftig mitgewirkt haben. Von Politik und Verwaltung wurde dieser Dialog im November vergangenen Jahres plötzlich abgebrochen. Jetzt hat man in politischen Hinterzimmern die Entscheidung getroffen, die D-Linie an der Ernst-August-Galerie vorbei durch die Bahnunterführung bis zum ZOB zu führen. Das aber wird zu chaotischen Zuständen in der Innenstadt führen.

Übertreiben Sie da nicht?

Nein. Schon jetzt haben wir vor allem in der Kurt-Schumacher-Straße und vor der Ernst-August-Galerie an vielen Tagen eine prekäre Verkehrslage: Staus, gefährliche Situationen für Fußgänger und Autofahrer, Behinderungen des Stadtbahnverkehrs. Durch die neue Streckenführung der Linien 10 und 17 würden Engpässe entstehen, die die ohnehin vorhandenen Probleme noch einmal deutlich verschärfen. Die Erreichbarkeit der Innenstadt aber ist eine der Grundsäulen für das Funktionieren des Einzelhandels und des gesamten Wirtschaftraumes City mit seinen Geschäften, Arztpraxen und Gaststätten.

Darum also der Schulterschluss von Wirtschaft und Handel?

Ja. Viele Unternehmen sind besorgt über das, was da geplant wird. Anlieger in den betroffenen Straßen zeigen sich entsetzt. Und ich erhalte täglich Anrufe von Bürgern, die ihrem Frust Luft machen wollen. Niemand versteht, warum 40 Millionen Euro ausgegeben werden sollen für eine Lösung, von der klar ist, dass sie keine Verbesserungen für die Menschen bringt.

Und wie kann man das Ihrer Ansicht nach verhindern?

Ich appelliere an alle politisch Verantwortlichen: Stoppt diesen Irrsinn. Es darf nicht sein, dass SPD und Grüne in der Region jetzt eine Entscheidung durch die Gremien peitschen, die zum Nachteil der Stadt ist. Wir müssen den Dialog über die Zukunft der City-Stadtbahnlinie wieder aufnehmen. Es herrscht ja Einigkeit darüber, dass die D-Linie barrierefrei ausgebaut werden soll. Nur müssen dafür doch nicht zig Millionen Euro an Steuergelder verschwendet werden.

Sie spielen auf den Kompromissvorschlag an, den die Üstra vorgelegt hat ...

Die Üstra hat von der Region Hannover den Auftrag bekommen, per Gutachten prüfen zu lassen, was sinnvoll und machbar ist. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass man die Linie 10 teilen kann. Die Hälfte der Züge fährt auf der alten Strecke in Richtung Aegi, die andere ab Goetheplatz über die Humboldtstraße in den vorhandenen Tunnel in Richtung Hauptbahnhof. Der große Vorteil: Auf diesem Teil der Strecke wäre die Barrierefreiheit sofort hergestellt. Man kann 30 Millionen Euro sparen. Und die Praxis wird sehr schnell zeigen, dass die sogenannte Scheelhaase-Variante funktioniert und ein Ausbau der Strecke bis zum ZOB einfach unwirtschaftlich wäre.

Die Entscheidung über die D-Linie ist Sache der Region Hannover. Fühlen Sie sich als City-Händler aufs Abstellgleis geschoben?

So ist es. Die Hannoveraner müssten bei diesem Thema viel mehr Mitsprache erhalten. Die Belange der Stadt kommen zu kurz - mit schlimmen Folgen. In der Goethestraße, in der Joachimstraße und in der Kurt-Schumacher-Straße gibt es mittlerweile einen gewaltigen Investitionsstau, weil weder die Geschäftsinhaber noch die öffentliche Hand Klarheit über die künftige Verkehrsführung dort haben. Also scheuen sie auch alle Ausgaben. Und das wird sich mit den derzeitigen Plänen nicht ändern.

Herr Prenzler, Sie sprechen in Sachen D-Linie für die Geschäftsleute in der City, für die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer und den Handelsverband - eine durchaus einflussreiche Allianz. Was wollen Sie denn tun, wenn Sie bei Politik und Verwaltung kein Gehör finden?

Wir prüfen die Möglichkeit, ein Bürgerbegehren gegen die derzeitigen Pläne der Region zur Neugestaltung der Stadtbahnlinie D zu initiieren. Gegebenenfalls gehen wir Unterschriften sammeln gegen das Projekt. Aber zunächst einmal fordere ich die Spitze der Stadt auf, sich für die Interessen Hannovers einzusetzen. Der Erste Stadtrat, Wirtschafts- und Umweltdezernent Hans Mönninghoff, sowie Stadtbaurat Uwe Bodemann müssen ein Veto gegen die Pläne der Region einlegen. Und die Ratspolitiker der Stadt sollten einer solch schlechten Lösung, wie sie jetzt auf dem Tisch liegt, nicht zustimmen.

Interview: Volker Goebel

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