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Die Wulff-Affäre Die besondere Freundschaft zwischen Glaeseker und Partymanager Schmidt
Thema Specials Die Wulff-Affäre Die besondere Freundschaft zwischen Glaeseker und Partymanager Schmidt
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12:05 26.01.2012
Von Thorsten Fuchs
Partymanager Manfred Schmidt mit Hollywoodstar Faye Dunaway beim „Nord-Süd-Dialog“ im Flughafen Hannover. Quelle: Martin Steiner (Archivbild)
Hannover

Die Worte verraten Nähe. Große Nähe. Und Dankbarkeit. Große Dankbarkeit. Es ist der 21. September 2009, 17.33 Uhr, als der Party-Unternehmer Manfred Schmidt dem niedersächsischen Staatssekretär Olaf Glaeseker eine E-Mail schickt. „Schnulli“, schreibt er darin euphorisch, „ich werbe Dich ab!“

„Schnulli“, diesen Kosenamen wählt Schmidt für Glaeseker häufig. Gern revanchiert der sich im Gegenzug mit der Anrede „Oberschnulli“. Man versteht sich. Den zweiten Teil der Nachricht darf man allerdings nicht zu ernst nehmen. Abwerben wollte Schmidt Glaeseker nicht wirklich. Dann hätte er sich ja eines seiner wichtigsten Helfer an wichtiger Stelle beraubt. An kaum einem anderen Ort hätte ihm Glaeseker so nützlich sein können wie in der Staatskanzlei in Hannover.

Die E-Mails zwischen Manfred Schmidt und Olaf Glaeseker, die der „stern“ in seiner neuen Ausgabe veröffentlicht, belegen das fast intime Verhältnis des Unternehmers mit dem Sprecher Christian Wulffs, das sich nicht nur sprachlich jenseits professionell angemessenen Umgangs bewegte. Neue Fakten belegen nun, dass sich Glaeseker weit massiver als bisher bekannt für Schmidts sogenannten „Nord-Süd-Dialog“ 2009 im Flughafen Hannover eingesetzt hat. Schmidt hatte demnach allen Grund zur Dankbarkeit. Auch was zunächst aussichtslos schien: „Schnulli“ hat’s gerichtet.

So hätte es die Promi-Party mit 900 Gästen im Terminal C des Flughafens möglicherweise gar nicht gegeben, wenn Glaeseker nicht eingeschritten wäre. Jedenfalls hatte Schmidt den Eindruck, dass sich der Flughafen sperrt. „Er hat dann gedroht, die ganze Veranstaltung abzusagen“, erinnert sich ein ehemaliger Mitarbeiter Schmidts, der an der Vorbereitung des „Nord-Süd-Dialogs“ 2009 beteiligt war. Für Schmidt war die Veranstaltung extrem wichtig – dem Mitarbeiter zufolge steckte seine Firma damals in großen ­finanziellen Schwierigkeiten. Schmidts Druckmittel: die Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Christian Wulff. Die Absage wäre peinlich gewesen. Da warf sich Glaeseker in die Bresche.

In einem Fax an Staatskanzleichef Lothar Hagebölling beschwerte sich Glaeseker am 24. November über den Flughafen. Dessen Chef Raoul Hille fordere unter anderem eine Bankbürgschaft. Zudem sollte Mövenpick das Catering übernehmen – der Flughafen ist an Mövenpick-Airport beteiligt. Schmidt war sauer. Aber Glaeseker ließ sich etwas einfallen. „Unter der Maßgabe, dass die Veranstaltung zu Manfred Schmidts Bedingungen läuft, bin ich bereit, VW für das nächste Jahr als Werbepartner für den Flughafen zu gewinnen“, schrieb er laut „stern“ in einem für Hagebölling bestimmten Vermerk.

Glaeseker ist dann gemeinsam mit ­Hagebölling zu Flughafenchef Hille gefahren. Glaeseker soll in dem Gespräch die treibende Kraft gewesen sein. Aber Hagebölling war zumindest dabei. Hat also auch der Chef von Wulffs Staatskanzlei Druck auf den zum Teil in Landesbesitz befindlichen Flughafen gemacht? Das Ergebnis jedenfalls war: Die Party konnte stattfinden.

Wulffs Ex-Sprecher Glaesekers half Eventmanager Schmidt bei der Organisation der „Nord-Süd-Dialog“-Party 2009 mit Faye Dunaway im Flughafen Hannover. Mit dabei waren zahlreiche weitere Prominente aus Politik, Kultur und Wirtschaft.

Das Verfahren war offenbar typisch. Schmidt war Veranstalter und Profiteur der Party. „Aber zwischen Schmidt und dem Flughafen gab es praktisch keinen Kontakt, das lief alles über Glaeseker“, erklärt der ehemalige Schmidt-Mitarbeiter. Ein offenbar erfolgreicher Weg: Insgesamt habe der Flughafen Schmidt ein großes Stück entgegenkommen müssen, auch in finanzieller Hinsicht – am Ende habe Schmidt nur rund 35.000 Euro für die „Event Location“ Flughafen gezahlt.

Dieser Darstellung widersprechen allerdings der Flughafen und auch der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU). Demnach zahlte die Kölner Agentur Feinschliff, eine Tochterfirma Schmidts, 43.000 Euro für das Catering und 45.000 Euro für die Vermietung der Fläche. Summen, die zum Beispiel der Veranstaltungsmanager am Bremer Flughafen „stattlich“ nennt. Allerdings bieten auch nicht viele deutsche Flughäfen die Räumung eines gesamten Terminals samt Sicherheitsbereich für Partys an. In der Landeshauptstadt Stuttgart etwa sei in den vergangenen 20 Jahren nur einmal ein Terminal zum Feiern vermietet worden – und dort auch nur der öffentliche Teil, ohne den Sicherheitsbereich. „Der Aufwand wäre sonst viel zu groß“, sagt eine Sprecherin.

In einem anderen Fall musste sich Glaeseker dagegen nicht so sehr ins Zeug legen. Bei der Messe AG genügt 2009 eine einzige E-Mail. Am 17. September schreibt er an den „lieben Herrn von Fritsch“, den Vorstandsvorsitzenden Wolfram von Fritsch, dass „wir“ uns freuen würden, wenn „wir auch in diesem Jahr die Deutsche Messe als Sponsor gewinnen könnten“. 2008, vor der Veranstaltung in Stuttgart, hatte es bereits eine ähnliche Mail gegeben. Vier Tage später sagt von Fritsch zu. Die Messe kauft das „Co-Sponsor-Paket“ für 25.000 Euro, genau wie 2008 und bei der ersten Veranstaltung 2007 in Hannover – da war die Sponsorenschaft noch für 20.000 Euro zu haben.
Messe-Sprecher Hartwig von Saß betont heute den Nutzen solcher Treffen von Wirtschaftsbossen und Politikern für die Messe: „Das war ein gutes Investment.“  Aber war es wirklich frei gewählt? Die Messe ist zu knapp 50 Prozent im Besitz des Landes Niedersachsen. Tatsächlich hatte Schmidts Agentur die Messe bei ihrer Kalkulation von Anfang an fest eingeplant: „Es war uns immer klar, dass die Messe dabei sein würde. So war es uns signalisiert worden.“

Es gibt weitere Beispiele, wie sich ­Glaeseker und auch Christian Wulff für Schmidt und seine Partyagentur eingesetzt haben. Am 14. Oktober 2009 gab es in der Nord/LB einen Abend für mögliche Sponsoren. Spitzenkoch Oliver Rasper kochte, Wulff sagte laut Teilnehmern freundliche Worte über Schmidt – und widmete sich anschließend dem Gespräch mit möglichen Geldgebern.

Ganz zufrieden war Schmidt da jedoch immer noch nicht. Ende November treibt er Glaeseker in einer E-Mail an: „Sponsoren brauche ich noch.“ Glaeseker darauf: „Dann gucke ich mal, watt noch geht.“ Schmidt drängt weiter: „Dann mach!“

Schmidt wusste Glaesekers Folgsamkeit zu schätzen – und ließ ihn mehrmals in seinen Domizilen in Südeuropa Urlaub machen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Glaeseker nun wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit. Einmal, 2008, hat laut Medienberichten auch Wulffs Exfrau Glaeseker und dessen Gattin begleitet. Christiane und Christian Wulff waren da bereits geschieden – aber ist es plausibel, dass der Ministerpräsident nichts von der Reise und ihren Umständen wusste?

Glaeseker bedankte sich bei seinem ebenso kahlen Kumpanen für solche Reisen schon mal per E-Mail mit einem „Dicken Glatzenschmatz!“. Was verboten war und was nicht, muss die Justiz klären. Ganz sicher aber liegt vieles jenseits der Grenzen des guten Geschmacks. Insofern haben der Ton der E-Mails und viele Details dieser Affäre manches gemeinsam.

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