Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Die Wulff-Affäre Ex-Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker wird angeklagt
Thema Specials Die Wulff-Affäre Ex-Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker wird angeklagt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:59 06.03.2013
Von Klaus Wallbaum
Olaf Glaeseker wird wegen Bestechlichkeit angeklagt Quelle: dpa
Hannover

Die "Affäre Wulff" kommt vor Gericht: Olaf Glaeseker habe als niedersächsischer Regierungssprecher in der Amtszeit von Christian Wulff Sponsoren für den sogenannten "Nord-Süd-Dialog" eingeworben – es sei um mehr als 650.000 Euro gegangen. Diese Promi-Veranstaltungen hatten 2007, 2008 und 2009 in Hannover und Stuttgart stattgefunden. Schmidt soll als Veranstalter dieser Treffen mehr als eine Million Euro verdient haben. Im Gegenzug, so behauptet die Staatsanwaltschaft, hätten Glaeseker und seine Frau neun unentgeltliche Urlaube in Schmidts Domizilen in Frankreich und Spanien verbracht. Freiflüge im Wert von 12.000 Euro habe Glaeseker dazu genutzt.

"Nach dem Anklagevorwurf erhielt Olaf Glaeseker als Belohnung für seine Gefälligkeiten von Manfred Schmidt unentgeltlich neun Urlaubsaufenthalte in dessen Feriendomizilen in Frankreich und Spanien sowie 19 Freiflüge im Gesamtwert von etwa 12 000 Euro", hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Die Anklageschrift umfasst 134 Seiten und nennt 47 Zeugen, die Unterlagen erstrecken sich auf insgesamt 53 Aktenordner und zahlreiche elektronische Dateien. Auch Schmidt wird angeklagt - wegen Bestechung.

Das Landgericht Hannover muss jetzt entscheiden, ob die Anklage angenommen und ein Prozess eröffnet wird. Glaesekers Anwalt Guido Frings hatte bislang erklärt, sein Mandant habe sich kein strafbares Verhalten vorzuwerfen. Die Beziehungen zwischen Glaeseker und Schmidt beruhten auf einer jahrelangen engen Freundschaft, die schon vor der Zeit Glaesekers als niedersächsischer Regierungssprecher begonnen habe. "Wir werden jetzt schriftlich gegenüber dem Gericht Stellung nehmen und klar herausstellen, dass es unzweifelhaft eine enge Freundschaft zwischen meinem Mandanten und Herrn Schmidt gibt", sagte Frings.

Da es immer wieder zu gegenseitigen Einladungen gekommen sei, hätten diese auch keinen Bezug zu Glaesekers Sponsorenwerben im Vorfeld der "Nord-Süd-Dialoge". Dieses Werben habe Glaeseker als Regierungssprecher unternommen, damit die Veranstaltungen ein Erfolg wurden. Diese Promi-Treffen wurden seinerzeit zwar von Schmidt organisiert, der auch einen Gewinn daraus zog. Die Länder Niedersachsen und Baden-Württemberg hätten aber ein gemeinsames Interesse gehabt, den Kontakt zwischen Wirtschaft und Politik zu verstärken.

Über eine Anklage gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff hat die Staatsanwaltschaft Hannover noch nicht entschieden. "Wir erwarten einen Abschluss des Verfahrens gegen Herrn Wulff in den nächsten Wochen", sagte Behördensprecher Oliver Eisenhauer. Gegen das frühere Staatsoberhaupt wird wegen des Verdachts der Vorteilsnahme ermittelt. Er soll Geschenke vom Film-Unternehmer David Groenewold angenommen haben, obwohl Groenewold zuvor vom Land Niedersachsen eine Landesbürgschaft zugesprochen bekam. Dies geschah zu der Zeit, als Wulff Ministerpräsident von Niedersachsen war.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Die Staatsanwaltschaft Hannover will laut einem Medienbericht Anklage gegen Olaf Glaeseker erheben. Der frühere Sprecher des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff müsse sich mit dem Partyveranstalter Manfred Schmidt vor Gericht verantworten. Filmproduzent David Groenewold räumte unterdessen ein, Hotelkosten für Wulff übernommen zu haben.

03.03.2013

Nach den länger als ein Jahr dauernden Ermittlungen nähert sich das Korruptionsverfahren gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff und seinen ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker dem Ende. Wie es aus politischen Kreisen in Hannover heißt, kommt die Staatsanwaltschaft Hannover voraussichtlich in dieser Woche zum Abschluss ihrer Untersuchungen.

Klaus Wallbaum 06.03.2013

Die seit einem Jahr laufenden Ermittlungen gegen Christian Wulff stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover vor dem Abschluss. "Die Ermittlungsarbeiten näheren sich dem Ende", sagte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel der Deutschen Presse-Agentur in Hannover.

12.02.2013

Nach den länger als ein Jahr dauernden Ermittlungen nähert sich das Korruptionsverfahren gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff und seinen ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker dem Ende. Wie es aus politischen Kreisen in Hannover heißt, kommt die Staatsanwaltschaft Hannover voraussichtlich in dieser Woche zum Abschluss ihrer Untersuchungen.

Klaus Wallbaum 06.03.2013

Die Staatsanwaltschaft Hannover will laut einem Medienbericht Anklage gegen Olaf Glaeseker erheben. Der frühere Sprecher des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff müsse sich mit dem Partyveranstalter Manfred Schmidt vor Gericht verantworten. Filmproduzent David Groenewold räumte unterdessen ein, Hotelkosten für Wulff übernommen zu haben.

03.03.2013

ARD-Hörfunkkorrespondent Michael Götschenberg hat ein Buch geschrieben. „Der böse Wulff? Die Geschichte hinter der Geschichte und die Rolle der Medien“ heißt es und analysiert die Wulff-Affäre aus Mediensicht.

07.02.2013