Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
HAZ-Themenwoche Schule Schlechte Mathe-Leistungen wegen „Turbo-Abi“?
Thema Specials HAZ-Themenwoche Schule Schlechte Mathe-Leistungen wegen „Turbo-Abi“?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 08.09.2012
Von Klaus Wallbaum
Die Verkürzung der Schulzeit wirkt sich negativ auf die Mathematik-Leistungen der Schüler aus, das ergab eine Studie. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Das NIW hatte 724 Schüler von zwölf Schulen in Magdeburg und Halberstadt befragt, die vor fünf Jahren je zur Hälfte das Abitur nach Klasse 13 und nach Klasse 12 abgelegt hatten. Sachsen-Anhalt war 2007 zum zwölf Schuljahre dauernden G-8-Abitur zurückgekehrt, in Niedersachsen wurde die Schulzeit 2011 verkürzt. Untersuchungen gibt es hier bislang noch nicht.

Das partei- und verbandspolitisch unabhängige NIW wird vom Wirtschaftswissenschaftler Prof. Stephan Thomsen geleitet. Die 724 Schüler wurden eingehend schriftlich befragt – es wurden sowohl die Noten verglichen als auch die weiteren Bildungswege nach dem Abitur festgehalten. Besonders im Fach Mathematik sind die Zeugniszensuren im Durchschnitt beim G-8-Abitur schlechter, bei den Männern um elf, bei den Frauen um acht Prozent. Im Fach Deutsch und auch bei den Fremsprachen gibt es keine messbaren Unterschiede. Das NIW folgert daraus, dass im Fach Mathematik bei den Schülern „die Leistungsgrenze offenbar erreicht“ wurde.

Außerdem hat die Untersuchung gezeigt, dass die Zahl der Studienanfängerinnen beim G-8-Abitur um zehn Prozent kleiner ist als in der Gruppe des G-9-Abiturs. Bei den Männern waren keine erheblichen Unterschiede festzustellen.

Wesentlich ist gerade bei den Männern aber der Unterschied bei der Wahl des Studienfachs: Bei den Geistes-, Sozial-, Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften gibt es zwar keine Unterschiede zwischen der Gruppe der G-8- und der G-9-Absolventen. Anders ist dies bei Mathematik und Naturwissenschaften. Junge Männer, die nach acht Jahren Gymnasialzeit das Abitur ablegen, haben demnach im Vergleich zur G-9-Gruppe eine um 15 Prozent verminderte Wahrscheinlichkeit, Mathematik und Naturwissenschaften zu studieren. Belege dafür, dass der Stress bei G 8 die Persönlichkeit der Schüler verändert, fand das NIW indes nicht.

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) nannte die NIW-Studie „interessant“, bezweifelte aber die Übertragbarkeit auf Niedersachsen. Hierzulande seien die Inhalte des Mathe-Unterrichts „deutlich konzentriert“, also verringert worden. Eine „Rolle rückwärts“ zu G 9 lehnt Althusmann ab. Vielmehr müsse an den Rahmenbedingungen gearbeitet werden.

Ina Korter (Grüne) nannte es „besorgniserregend“, dass sich vor allem Schüler in Mathe verschlechterten, die vorher noch gut waren. Das „Turbo-Abi“ sei ein Fehler, nötig sei eine Wahlmöglichkeit zwischen G 8 und G 9.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

„Keine Freizeit, viel Stress und lange Nächte am Schreibtisch“ – für Duc Nguyen ist das Abitur nach zwölf Jahren in Niedersachsen alles andere als ein Erfolg.

Saskia Döhner 07.09.2012

An der Käthe-Kollwitz-Schule starten neben vielen Schülern auch neue Lehrer. Darunter auch Nadine Werner, die Sport unterrichtet.

Bärbel Hilbig 07.09.2012

Neue Technik macht den Schulunterricht spannend und den Schulranzen leichter: In Lehrte lernt die erste iPad-Klasse der Region nun mit Tablet-Geräten.

06.09.2012

„Keine Freizeit, viel Stress und lange Nächte am Schreibtisch“ – für Duc Nguyen ist das Abitur nach zwölf Jahren in Niedersachsen alles andere als ein Erfolg.

Saskia Döhner 07.09.2012
HAZ-Themenwoche Schule Verkehrssicherheit von Schülern - Wie viel Vertrauen brauchen Eltern?

Viele Eltern 
bringen ihre 
Kinder mit 
dem Auto zur Schule. Das sei in den meisten Fällen völlig unnötig, 
meinen Lehrer.

07.09.2012
HAZ-Themenwoche Schule Digitale Medien im Unterricht - Haben Schulbücher ausgedient?

Sind digitale Medien eine Bereicherung im Unterricht? Welche Lernprogramme sind gut? Anlässlich der HAZ-Themenwoche „Schule“ hat HAZ-Redakteurin Bärbel Hilbig den Professor am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim, Dr. Kristian Folta-Schoofs, befragt.

Bärbel Hilbig 07.09.2012
Anzeige