Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Barsinghausen 14 Jahre Haft für Totschlag von Anna Lena
Umland Barsinghausen 14 Jahre Haft für Totschlag von Anna Lena
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 08.12.2018
Kurz vor der Urteilsverkündung tauschte sich Ronald C. noch einmal mit seinem Verteidiger Christian J. Neumann aus. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Das Schwurgericht hat am Mittwoch den 24-jährigen Ronald C. wegen Totschlags zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Nach Überzeugung der Kammer unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch hat der Angeklagte am 17. Juni dieses Jahres die 16-jährige Anna Lena in Barsinghausen umgebracht. Die Jugendliche wurde nahe einer Grundschule niedergeschlagen, dann zertrümmerte der Mörder ihren Schädel mit einem fast zehn Kilo schweren und 1,30 Meter langen Ast. Das Schwurgericht behielt sich vor, in einigen Jahren über die Anordnung einer Sicherungsverwahrung für C. zu entscheiden. Bei der Urteilsverkündung war neben zahlreichen Zuschauern erstmals die Mutter des Opfers im Gerichtssaal anwesend. Sie saß an der Seite ihres Anwalts Uwe Hoffmann, zitterte am ganzen Leib und weinte viel.

Die sichtbar aufgewühlte Mutter hatte Anwalt Uwe Hoffmann an ihrer Seite. Quelle: Michael Zgoll

Wie Richter Rosenbusch bei der Begründung des Urteils sagte, gebe es zwei wesentliche Aspekte, die die Täterschaft von C. belegen. Zum einen seien an der Wäsche der Jugendlichen und am Ast DNA-Spuren des 24-Jährigen gefunden worden. Zum anderen habe er im Laufe jenes Juni-Sonntags vorzeitig Täterwissen offenbart: Er durchsuchte das Internet nach Informationen über das Verbrechen, obwohl noch gar keine diesbezügliche Nachricht publik geworden war. Auch erzählte er einem Bekannten vom Fund einer Frauenleiche – was zu diesem Zeitpunkt noch niemand außer dem Täter wissen konnte.

Warum wurde Ronald C. nicht wegen Mordes verurteilt? „Letztendlich konnte die Kammer nicht aufklären, was zu dieser Tat geführt hat“, erklärte der Vorsitzende Richter. In Bezug auf das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe bewege man sich ebenso im Bereich der Spekulation wie bei der Annahme, dass C. mit dem Verbrechen eine Sexualstraftat habe verdecken wollen. „Natürlich hat uns der heruntergezogene Slip des Mädchens zu denken gegeben“, so Rosenbusch. Die Ermittler hätten aber ansonsten bei dem Opfer keinerlei Spermaspuren oder Verletzungen entdeckt, die diese These stützen würden. Mit Blick auf die Grausamkeit der Tat sagte der Richter: „Wir können nur hofffen, dass Anna Lena schnell bewusstlos geworden ist.“

Nach dem Urteil sagte Uwe Hoffmann, der Verteidiger der Mutter (ganz rechts), dass er das Urteil positiv sehe. Quelle: Michael Zgoll

Das Schwurgericht konstatierte, dass sieben der acht Straftaten, die C. in seinem Leben bereits begangen hat, Rohheitsdelikte waren. Darum sei es aus Gründen der „Gefahrenabwehr“ angebracht, gegen Ende der Haftzeit zu prüfen, ob es bei C. einen Hang zu Gewaltttaten gebe; in einem neuen, förmlichen Verfahren könnte das Schwurgericht dann eine Sicherungsverwahrung anordnen.

„Wir sind froh, dass sich die Kammer eine Sicherungsverwahrung vorbehält“, sagte Nebenklage-Anwalt Hoffmann nach der Verhandlung. Die Mutter von Anna Lena wollte das Urteil nicht kommentieren; sie befindet sich immer noch in stationärer psychotherapeutischer Behandlung. C.s Verteidiger Neumann erklärte, dass eine Revision „denkbar“ sei; er hatte auf Freispruch plädiert, die Staatsanwaltschaft auf eine Verurteilung wegen Mordes sowie lebenslange Haft. Der Angeklagte verließ den Gerichtssaal mit einem Lächeln im Gesicht – keine zehn Meter von der verzweifelten Mutter entfernt.

Von Michael Zgoll

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der erste Lebendige Adventskalender im Raum Groß Munzel kommt offenbar gut an. Zahlreiche Besucher versammelten sich auf Einladung der CDU in der Munzeler Ortsmitte zum Treffen in geselliger Runde.

05.12.2018

Der Besuchsdienst Barsinghausen hat Verstärkung bekommen. Das Helferteam hat jetzt 22 statt bisher 20 Mitglieder. Das ist beim vorweihnachtlichen Treffen in Eckerde verkündet worden.

05.12.2018

Im Backparadies Sprengel backen Kinder Weihnachtskekse. Jeden Mittwoch sind derzeit in Langreder kleine Bäcker aus verschiedenen Kindergärten und Schulen am Werk.

05.12.2018