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Barsinghausen Weitere Sprachpaten werden dringend gesucht
Umland Barsinghausen Weitere Sprachpaten werden dringend gesucht
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13:45 27.09.2018
Christa Holtiegel (links) und Beate Rühmkorf (Mitte) werden bei der Betreuungsarbeit für Flüchtlinge von Jutta Sprengel-Steinert vom Internationalen Frauentreff unterstützt. Quelle: Andreas Kannegießer
Barsinghausen

Beate Rühmkorf und Christa Holtiegel engagieren sich für Flüchtlingsfamilien und versuchen, den Migranten mit viel ehrenamtlichem Engagement die Integration in Barsinghausen zu erleichtern. Die Frage nach der Motivation für diese Arbeit können die beiden Frauen in einem Satz beantworten: „Wir empfinden es als notwendig, uns um Menschen zu kümmern, denen es nicht gut geht“, betonen die beiden pensionierten Lehrerinnen. Es gebe unter den Migranten etliche traurige und tragische Schicksale, ergänzt Rühmkorf. „Ich würde mir in einem fremden Land auch wünschen, dass mir jemand hilft.“

Rühmkorf und Holtiegel haben schon lange vor der sogenannten Flüchtlingskrise vor drei Jahren begonnen, sich für Menschen aus anderen Kulturkreisen zu engagieren, unter anderem im Arbeitskreis Kulturelle Vielfalt. Die 72-jährige Beate Rühmkorf hat ihre Wurzeln im ehemaligen Barsinghäuser Frauentreff, der schon vor Jahrzehnten einen interkulturellen Ansatz pflegte. Sie hat bereits vor rund 30 Jahren kurdische Flüchtlinge in Barsinghausen unterstützt und war später auch dabei, als die Idee eines Anlaufpunktes für Frauen mit dem Internationalen Frauentreff neu entwickelt wurde.

Christa Holtiegel (76) hat einen Schwerpunkt ihrer Arbeit zurzeit auf die Unterstützung von Zuwanderern beim Erlernen der deutschen Sprache gelegt. Seit drei Jahren gehört sie in der St.-Barbara-Kirchengemeinde zum Team, das dort Sprachkurse für Flüchtlinge gibt. Auch Rühmkorf ist als Sprachpatin aktiv. Beide Frauen betreuen zudem individuell Zuwandererfamilien bei allen auftretenden, oft ganz alltäglichen Problemen. „Das Ganze ist nicht einseitig“, betont Rühmkorf. „Wir erleben auch eine große Bereicherung durch den Kontakt mit den Familien.“ Beide Frauen schwärmen von der großen Gastfreundschaft und außergewöhnlichen Herzlichkeit, die ihnen immer wieder entgegengebracht werde. Christa Holtiegel kümmert sich etwa um eine afghanische Familie, die vor den Taliban geflohen war und zunächst im Iran gelebt hatte, dort aber keine Papiere erhalten hatte und letztlich in Deutschland aufgenommen wurde. Sie habe eine Schwangerschaft in der Familie begleitet, berichtet Holtiegel. Der kleine Junge erhielt den Namen Michael. „Er jauchzt immer, wenn ich komme“, sagt Holtiegel. „Er ist inzwischen wie mein neuntes Enkelkind.“

Eine Erfolgsgeschichte berichtet die 76-Jährige auch von einer Jesidenfamilie aus dem Irak, die sie betreut hat. Der Familienvater ist Arzt und konnte seine Ausbildung in Deutschland nachweisen. „Obwohl die Familie erst im Herbst 2015 angekommen ist, arbeitet der Vater jetzt schon in einer Klinik in Coppenbrügge“, sagt Holtiegel.

Beate Rühmkorf ist derzeit auch dabei, einen regelmäßigen Gesprächskreis für Migrantinnen im Freiwilligenzentrum Barsinghausen zu etablieren. „Es läuft so langsam an“, berichtet sie. Drei bis vier Frauen nutzten das Angebot derzeit. „Mehr als sechs sollen es nicht werden, weil sonst kein intensives Gespräch möglich ist.“

Beide ehrenamtliche Helferinnen begleiten Flüchtlingsfamilien auch bei allen bürokratischen Problemen. „Ich habe mittlerweile gelernt, mit Behörden umzugehen“, sagt Holtiegel. Dazu gehören Gerichte, das Jobcenter und die Ausländerbehörde. Die Erfahrungen seien unterschiedlich. Zum Teil herrsche dort ein sehr harter Umgangston. „Manche sind aber auch sehr zugewandt.“

Bei der Arbeit mit Flüchtlingen nehmen die Frauen durchaus auch Probleme wahr. Nicht alle Familien seien zugänglich, sagt Rühmkorf. „Manche schotten sich ab.“ Und es gebe auch Fälle, in denen Frauen von ihren Männern drangsaliert würden.

Rühmkorf und Holtiegel wünschen sich, dass sich wieder mehr Freiwillige als Sprachpaten engagieren. Deren Zahl sei seit 2015 leider deutlich zurückgegangen – von etwa 40 vor drei Jahren auf zurzeit noch sieben. „Wir brauchen mehr, wir können zurzeit längst nicht alle Anfragen beantworten.“ Lob äußern die Helferinnen für die Institutionen in Barsinghausen: „Die Schulen machen ganz viel und engagieren sich“, sagen Rühmkorf und Holtiegel. Auch sonst laufe es mit Behörden und Einrichtungen in der Deisterstadt ganz gut: Sie sind offen und nehmen Anregungen auf.“ Holtiegel und Rühmkorf sind entschlossen, sich auch von den mitunter auftretenden Problemen bei der Betreuungsarbeit nicht aus der Bahn werfen zu lassen. „Das Ganze ist eine Herausforderung für uns alle, die hört nicht auf“, betont Rühmkorf.

Von Andreas Kannegießer

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