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Barsinghausen Windkraft: Viele Bürger nutzen die Chance zur Beteiligung
Umland Barsinghausen Windkraft: Viele Bürger nutzen die Chance zur Beteiligung
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17:32 14.03.2019
Engagierte Diskussion: Stadtplaner Christoph Fischer (rechts) erläutert die Auswahlkriterien für die potentiellen Vorrangflächen für Windenergie. Quelle: Andreas Kannegießer
Barsinghausen

Die Stadt Barsinghausen bemüht sich darum, bei der Suche nach neuen, geeigneten Vorrangflächen für Windkraftanlagen die Bürger so intensiv wie möglich einzubeziehen. Das scheint zu gelingen: An einer Informationsveranstaltung im Schulzentrum Am Spalterhals haben am Mittwochabend rund 150 Bürger teilgenommen und dabei die Chance genutzt, ihre Interessen deutlich zu machen. Im Mittelpunkt stand die Präsentation von vier Standortvarianten, die nach Einschätzung der Planungsexperten denkbar sind. Die größte Zustimmung in der Versammlung zeichnete sich für die sogenannte Variante A ab, die drei größere Einzelflächen für die Windkraftnutzung entlang der Autobahn 2 westlich der Ortsteile Landringhausen und Groß Munzel vorsieht.

Das sind drei von vier möglichen neuen Vorrangflächen für die Windenergienutzung. Der vierte Vorschlag der Landschaftsplaner und der Stadtverwaltung unterscheidet sich nur in Nuancen von der Variante A. Quelle: HAZ-Grafik

Die Veranstaltung hatte Workshopcharakter. Es gab Präsentationen von Mitarbeitern der Verwaltung und den Experten des Landschaftsarchitekturbüros von Luckwald. Daneben waren auch die Besucher gefragt: Sie konnten sich zwischendurch an Stellwänden und in kleinen Gesprächsrunden im Detail über die einzelnen Varianten informieren und ihre Wünsche formulieren.

Zahlreiche Bürger nutzen in der Aula des Schulzentrums Am Spalterhals die Chance, Stellung zu nehmen zur Planung neuer Vorrangflächen für die Windkraft. Quelle: Andreas Kannegießer

Am Ende gab es fast ausnahmslos viel Zustimmung für die Veranstaltung und deren hohen Informationswert. „Ein großes Lob an die Verwaltung für dieses aufwändige Veranstaltungsformat“, sagte Werner Kutz, einer der Sprecher der Bürgerinitiative Gegenwind Deistervorland. Umfangreiche Informationen seien die Voraussetzung für die intensive Bürgerbeteiligung. „Wir haben Vertrauen in die Arbeit der Kommune“, sagte Kutz. „Man darf auch mal positiv überrascht sein“, ergänzte Werner Eggers, Sprecher des ansonsten eher verwaltungskritischen Aktionsbündnisses für soziale Kommunalabgaben.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Bürgermeister Marc Lahmann die aktuelle Situation rund um die Windkraftnutzung im Barsinghäuser Stadtgebiet noch einmal erläutert. Nachdem das Regionale Raumordnungsprogramm der Region Hannover mit der umstrittenen Windkraft-Vorrangfläche zwischen Egestorf und Degersen außer Kraft gesetzt ist, sei die Stadt nun selbst gefordert. „Wir wollen die Windkraftnutzung selbst steuern“, betonte Lahmann. Dazu müssten Flächen gesucht werden, dann gelte es, zwischen verschiedenen Ausschlusskriterien abzuwägen. Der Bürgermeister betonte auch, dass sich die Stadt anpassen müsse, sofern die Region ein neues Regionales Raumordnungsprogramm für den Bereich Windenergie aufstellen sollte. „Aber wir erwarten schon, dass das berücksichtigt wird, was wir mit großer Bürgerbeteiligung erarbeitet haben.“

Landschaftsplaner Georg Seibert (Mitte) erläutert die Kriterien für die Auswahl potenzieller Windkraft-Vorrangflächen entlang der Autobahn. Quelle: Andreas Kannegießer

Die Auswahl geeigneter Windenergie-Potenzialflächen soll am Ende zu einem sogenannten Teilflächennutzungsplan für die Windenergie führen. Nur in dem festgelegten Planbereich werden dann neue Windkraftanlagen genehmigungsfähig sein. Ohne Flächennutzungsplan hätten dagegen Windenergieprojekte fast überall im Stadtgebiet Anspruch auf Genehmigung. Das will die Verwaltung unbedingt verhindern. „Wir müssen ein flächendeckendes, schlüssiges Konzept mit Ausschluss- und Abstandskriterien haben“, erläute Landschaftsplaner Georg Seibert vom Planungsbüro von Luckwald.

Bei der Suche nach Potenzialflächen geht es vor allem darum, die sogenannten weichen Ausschlusskriterien für deren Grenzen festzulegen. Seibert und seine Kollegin Nicole Weber zeigten während der Veranstaltung eindrucksvoll auf, wie sich die denkbaren Vorrangflächen rasant verkleinern, wenn variable Stellschrauben wie der Abstand zur nächsten Wohnbebauung verändert werden.

Bei der Erarbeitung der zurzeit vier vorgeschlagenen Standortvarianten ist deutlich geworden, dass es die geringsten Interessenkonflikte wohl am westlichen Stadtrand auf Flächen parallel zur Autobahn geben wird. Als weiche Kriterien haben die Planer dort unter anderem einen 1000-Meter-Abstand zur nächsten Wohnbebauung und einen Abstand von zwei Kilometer zum Hubschrauber-Tiefflug-Korridor quer durch das Stadtgebiet vorgeschlagen. Nicht berücksichtigt würde bei dieser Variante A dagegen das Landschaftsschutzgebiet Südaue und die Einstufung großer Teile des Areals als wertvoll für Gastvögel. Im Ergebnis blieben rund 139 Hektar gegenüber der Mülldeponie Kolenfeld als Wind-Vorrangfläche übrig.

Würden das Landschaftsschutzgebiet Südaue und das Gastvogelgebiet dagegen zu Ausschlusskriterien erklärt, kämen zwei größere Einzelflächen südlich und nördlich der Bundesstraße 65 zwischen Barsinghausen und Landringhausen in Frage. Voraussetzung für diese Variante B: Der Abstand zum Hubschrauber-Flugkorridor müsste auf 1000 Meter sinken.

Wenn als weiteres Kriterium Sichtachsen mit besonderer Bedeutung in die Betrachtung einbezogen werden, würden als Variante C vier Einzelflächen übrig bleiben, drei davon nordöstlich von Ostermunzel und Holtensen. Eine vierte Variante D entspricht nahezu der Variante A. Weil dabei aber die Mindestgröße der Einzelflächen reduziert wäre, würde zusätzlich eine fünf Hektar große Einzelfläche an der Nordgrenze der Stadt nahe Dedensen in das Vorranggebiet einbezogen werden können. In der Diskussion machten viele Bürger deutlich, dass sie sich am ehesten die Variante A als Vorrangfläche vorstellen können. „Es handelt sich um eine ohnehin schon belastete Zone“, hieß es.

Wie geht es nun weiter? Noch bis zum 18. April können Interessierte im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung Stellungnahmen zum künftigen Flächennutzungsplan abgeben. „Kommen Sie im Rathaus vorbei und stellen Sie Ihre Fragen“, warb der stellvertretende Fachdienstleiter Sönke Bohm. Am Ende muss der Rat den Teilflächennutzungsplan als Satzung beschließen.

Zahlreiche Bürger nutzen in der Aula des Schulzentrums Am Spalterhals die Chance, Stellung zu nehmen zur Planung neuer Vorrangflächen für die Windkraft. Quelle: Andreas Kannegießer

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Von Andreas Kannegießer

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