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Barsinghausen Offenheit und Herzlichkeit sind besonders beeindruckend
Umland Barsinghausen Offenheit und Herzlichkeit sind besonders beeindruckend
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17:40 05.07.2018
Die 20-jährige Alena Kebel fühlt sich im Kreise ihrer kleinen Schützlinge in der Vispa Emmanuel School im kenianischen Kisumu sehr wohl. Quelle: Privat
Egestorf

“Jeder Tag hier bringt neue Abenteuer und Erfahrungen“, sagt Alena Kebel. Die 20-jährige Egestorferin absolviert derzeit einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Kenia. Mittlerweile lebt die Abiturientin bereits seit rund neun Monaten in dem schwarzafrikanischen Land, die meiste Zeit davon in einer Gastfamilie in Kisumu am Ufer des Victoriasees. Alena arbeitet dort als Hilfslehrkraft in der Vispa Emmanuel School, in der rund 80 Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren betreut werden. Außerdem engagiert sie sich in einem Projekt, bei dem dreimal in der Woche für die Straßenkinder von Kisumu gekocht wird.

„In meiner Gastfamilie mit vier jüngeren Geschwistern habe ich mich schnell wohlgefühlt“, berichtet Alena. Auch mit den vielen fremden Situationen des kenianischen Alltags habe sie sich von Beginn an gut arrangieren können. „Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen schätze ich sehr“, sagt die 20-Jährige. Das Kennenlernen neuer Menschen gehe sehr schnell – „im Gegensatz zu vielem anderen hier“, wie Alena erfahren hat. Allgemein werde im Alltag meist nach dem Motto „pole, pole“ (langsam, langsam) verfahren. Es sei ganz normal, zu spät zu kommen, ganz anders als in Deutschland. „Trotzdem ist die Mentalität hier etwas ganz Besonderes, und man ist immer herzlich willkommen“, betont die Egestorferin.

Kolleginnen unter sich: Ein herzliches Verhältnis hat Alena zu den Lehrkräften der Schule aufgebaut. Quelle: Privat

 

Ihre kleinen Schützlinge in der Vorschulklasse der Schule hat Alena besonders ins Herz geschlossen. „Die Kleinen zaubern mir jeden Tag aufs Neue ein Lächeln ins Gesicht“, berichtet die Hilfslehrerin. Sie lobt die Herzlichkeit, Bescheidenheit und Motivation der Kinder, aber auch der Lehrkräfte. „Dadurch wächst auch meine eigene Motivation, etwas bewegen zu wollen“, sagt Alena. Besonders beeindruckt ist die freiwillige Helferin von der Mentalität des Teilens, die es schon in der Schule gebe. „Wenn ein Kind nichts zu essen dabei hat, bekommt es einfach ungefragt von jedem anderen Kind eine Kleinigkeit ab.“ Das setze sich bei den Erwachsenen fort: „Selbst bei Familien, die noch so wenig zum Anbieten haben, wird das Haus nicht verlassen, bevor der Gast etwas bekommen hat“, sagt Alena.

Zu den weniger positiven Erfahrungen während ihres Freiwilligendienstes zählt die 20-Jährige, dass im kenianischen Schulsystem harte Strafen an der Tagesordnung sind, wenn der Lernerfolg ausbleibt. Dabei sei es schwierig, die Kinder so wie eigentlich notwendig individuell zu fördern. „Wie soll das gehen mit zwei Klassen und zwei Lehrkräften für 80 Kinder?“, fragt Alena. Die Strafen täten ihr stets in der Seele weh. „Ich habe aber einsehen müssen, dass ich hier zum Unterstützen bin und nichts daran verändern kann.“ Auch die unterschiedliche Stellung von Männern und Frauen in der kenianischen Gesellschaft hält die junge Egestorferin für sehr problematisch. „Die meisten Männer haben mindestens drei Frauen, die alle zusammen wohnen.“ Beeindruckt habe sie, „dass die Frauen da so gut mit klarkommen und trotzdem alles für ihren Mann machen“.

Die 20-Jährige hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Schule in Kisumu noch stärker zu unterstützen, als es ihr mit eigenen Mitteln und ihrer Arbeit möglich ist. Manche alltägliche Dinge fehlten wie Löffel zum Essen und Stifte und Hefte zum Schreiben, berichtet Alena. Sie habe zudem die Idee, das Schulgebäude mit Wandmalereien aufzupeppen oder auch Basteln für die Kinder anzubieten. Aber das Geld dafür fehle, sagt die 20-Jährige. Sie ruft deshalb zu Spenden für ihr Hilfsprojekt auf. Wer sich näher informieren möchte, kann sich per E-Mail an akebel98@googlemail.com an die Egestorferin wenden. Weitere Informationen gibt es auch unter der Adresse oneyearkenya.jimdo.com im Internet. Auf einem Blog berichtet Alena dort regelmäßig über ihre Erlebnisse in ihrem Gastland.

Von Andreas Kannegießer

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