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Umland Barsinghausen Nachrichten Alte Zeche: Eine Bantorferin erinnert sich
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18:21 05.09.2013
Nach dem Abriss der Gebäude bleiben nur Schuttberge übrig. Quelle: Frank Hermann
Barsinghausen

Als Kind einer Bergmannsfamilie wurde Ingrid Knust im Jahr 1938 im ehemaligen Knappenheim geboren. Dort lebten Eltern, Großeltern und Geschwister gemeinsam in einer der sieben Wohnungen des roten Ziegelgebäudes. Zehn Jahre zuvor hatte die Preussag entschieden, den Steinkohlebergbau in Bantorf stillzulegen und das Knappenheim sowie die Waschkaue mit der ehemaligen Lampenstube zu Wohnzwecken umzubauen. „An die Zeit auf der Alten Zeche habe ich nur schöne und gute Erinnerungen. Es herrschte immer ein enger Zusammenhalt in der ganzen Nachbarschaft. Das war fast schon wie ein kleines Dorf im Dorf“, erläutert die Bantorferin, die bis 1954 in ihrem Geburtshaus lebte. Direkt am Haus habe die Familie einen Garten bewirtschaftet und unter anderem Tabak für den Großvater Wilhelm Bruns angebaut. Außerdem haben sich die Familien damals Schweine gehalten. „Die Hausschlachtungen waren immer ein großes Ereignis“, sagt Ingrid Knust.

In der Rückschau berichtet die Bantorferin auch von Kriegserlebnissen - und dass sie sich als junges Mädchen mit ihrer Familie und den Nachbarn immer im Keller in Sicherheit brachte, wenn Alliierte die nahe Autobahn und die Eisenbahn beschossen. Zu den schönen Erlebnissen aus ihrer Kinder- und Jugendzeit gehören vor allem die Glück-Auf-Feste: „Dann war die Alte Zeche mit einer Ehrenpforte geschmückt und wir haben Kränze geworfen“, sagt Knust. Wegen der vielen persönlichen Verbindungen schmerze der Abriss der beiden mehr als 100 Jahre alten Gebäude jetzt ganz besonders, bedauert die Bantorferin. „Wirklich schade. Damit ist ein Stück Geschichte verschwunden“, fügt die Bergmannstochter hinzu.

Die Geschichte

Schacht Antonie wird 1928 geschlossen

Auf dem Zechengelände in Bantorf fuhren Bergleute von 1859 bis 1928 in den Antonieschacht ein, um Steinkohle abzubauen. Nach der Stilllegung der Schachtanlagen wurde 1929 das Anschlussgleis zur Eisenbahnstrecke abgebaut. Mindener Pioniere sprengten 1938 den etwa 60 Meter hohen Schornstein der Zeche. Im selben Jahr verschwand auch die mächtige Bergenhalde. Das Material diente als Unterbau für die Autobahn, der heutigen A 2.
Nach Angaben des Deisterbergbau-Experten Thomas Müller aus Bantorf brannte 1898 das alte Wannenbad der Zeche Antonie ab. Danach ließ die Bergwerksgesellschaft eine neue Waschkaue mit Lampenstube sowie nebenan das Knappenheim als Unterkunft für ledige Bergleute errichten.
Während des Zweiten Weltkrieges waren laut Müller bis zu 30 Kriegsgefangene polnischer, französischer und belgischer Herkunft auf der früheren Schachtanlage im Arbeitskommando „Altes Bergwerk“ untergebracht. Die Gefangenen mussten in der Landwirtschaft oder in der ehemaligen Bantorfer Sirupfabrik arbeiten. „Das Arbeitskommando wurde von der Gemeinde betrieben, die das Gebäude von der Bergwerksverwaltung in Barsinghausen gemietet hatte“, erläutert Müller.

Frank Hermann

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