Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Am Deister könnten die höchsten Windräder Deutschlands entstehen
Umland Barsinghausen Nachrichten Am Deister könnten die höchsten Windräder Deutschlands entstehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:05 21.02.2018
Zwischen Gehrden, Wennigsen und Barsinghausen sollen Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von mehr als 240 Metern entstehen. Symbolbild. Quelle: dpa
Wennigsen

 So viele Bürger saßen selten im Zuschauerraum einer Bauausschusssitzung. Rund 50 Einwohner aus Wennigsen, Gehrden und Barsinghausen haben sich am Donnerstag die Pläne für den Windpark zwischen Degersen, Redderse, Langreder und Egestorf angehört. Der Betreiber WPD möchte dort auf einem 107 Hektar großen Areal insgesamt sieben Windenergieanlagen errichten, die laut Unternehmensangaben Strom für mehr als 21.000 Haushalte produzieren sollen. Der Unmut über die Bestrebungen von WPD unter den Bürgern ist jedoch nach wie vor groß. Dies wurde während der Sitzung noch einmal deutlich.

Vor allem die Höhe der geplanten Anlagen stieß auf eine breite Ablehnung – sowohl bei den Bürgern als auch der Politik. Wie die WPD-Vertreter Heinz Herbort und Holger Groß erklärten, sollen die Windräder eine Nabenhöhe von bis zu 166 Metern besitzen, hinzu käme ein Rotorendurchmesser von 150 Metern. Dies würde einer Gesamthöhe von mehr als 240 Metern entsprechen. Ein Wert, den es bislang mit einer Ausnahme im Raum Stuttgart auf dem deutschen Festland noch nicht gegeben hat. Zum Vergleich: Die Windräder bei Leveste sind gerade einmal halb so hoch. „Dies macht es uns unmöglich, die Dimension überhaupt zu erfassen“, sagte FDP-Fraktionschef Hans-Jürgen Herr.

 Für eine Reduzierung der Höhe sprach sich auch Eike Werner (CDU) aus. „Durch die Planungshoheit, die bei der Gemeinde liegt, können wir einen gewissen Einfluss nehmen“, sagte er. Für ihn sei mit 150 Metern Höhe die Akzeptanzgrenze erreicht. WPD-Vertreter Holger Groß, der immer wieder auf die Kompromissbereitschaft des Unternehmens hinwies, machte jedoch deutlich, dass sich Anlagen in dieser Höhe mittlerweile nicht mehr wirtschaftlich rentierten.

Rund 50 Bürger hören den Ausführungen der WPD-Vertreter aufmerksam zu. Quelle: Marcel Sacha

Als strittig erwiesen sich zudem die von WPD mittels einer Simulationssoftware errechneten Schallwerte. Demnach beträgt die durch die Anlagen erzeugte Lautstärke in den einzelnen Ortsteilen einen Wert zwischen 37,6 (Wennigsen) und 43, 1 Dezibel (Langreder). Aus Sicht der Betreiberfirma blieben damit in jedem Ort die Grenzwerte unterschritten. WPD geht davon aus, dass es sich bei den betroffenen Bebauungen um ein sogenanntes Wohn- und Mischgebiet handelt, wo bis zu 45 Dezibel erlaubt sind. Dem widersprachen allerdings gleich mehrere Bürger und Politiker. Ihrer Ansicht nach handelt es sich an einigen Standorten um ein Allgemeines Wohngebiet, in dem lediglich bis zu 40 Dezibel erlaubt sind. Eine Klärung dieses Streitpunktes blieb während der Sitzung aus. Groß sagte allerdings, dass die Windkraftanlagen zur Not gedrosselt würden, um eine Grenzwertüberschreitung zu verhindern. 

Bürger sollen Anteile kaufen können

Um die Akzeptanz des möglichen Windparks in der Bevölkerung zu erhöhen, setzt WPD auf einen sogenannten Bürgerwindpark. Demnach bestünde für die Wennigser, Gehrdener und Barsinghäuser die Möglichkeit, den Betrieb von zwei der geplanten sieben Anlagen in Form einer Gesellschaft zu übernehmen und entsprechende Anteile zu erwerben. Am Beispiel eines Bürgerwindparks in einem anderen Landkreis zeigte WPD-Vertreter Holger Groß auf, zu welchen Konditionen dies geschehen könnte. Dort gebe es bei einer Laufzeit von zehn Jahren eine garantierte Verzinsung von 3,5 Prozent sowie eine geringe Mindesteinlage von 500 Euro. Denkbar wäre allerdings auch ein Windsparbrief als Form der Beteiligung, falls sich eine Gesellschaft nicht realisieren ließe.

Holger Groß, Leiter der WPD-Niederlassung in Kassel, wirbt um Akzeptanz für den geplanten Windpark. Quelle: Marcel Sacha

Mehrmals betonte er, dass die vorgestellten Pläne nicht in Stein gemeißelt seien und WPD durchaus Kompromisse eingehen würde. Hierfür müsste das Unternehmen jedoch die Wünsche der Bürger und der Politik erfahren. Während die Politik ihre Kompromissbereitschaft durchaus signalisierte, fiel diese unter den anwesenden Bürgern deutlich geringer aus. Für die Anmerkung „Wir wollen gar keine Windräder“ erhielt Manfred Döbel aus dem Ortsrat Degersen den stärksten Applaus aus den Reihen der Bürger.

Meineke schließt Klage nicht aus

Dass zwischen Degersen, Redderse und Egestorf überhaupt ein Windpark entstehen kann, liegt an dem von der Regionsversammlung beschlossenen Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP). In diesem sind die sogenannten Vorranggebiete für Windenergie festgeschrieben. Nur dort ist der Bau von Windkraftanlagen erlaubt. Bürgermeister Christoph Meineke berichtete, dass es bereits Klagen gegen das RROP gebe – allerdings seitens Windkraftbetreibern, die wiederum ihre Interessen nicht genügend berücksichtigt sähen. Dass auch die Gemeinde Wennigsen den Rechtsweg beschreiten werde, schloss Meineke nicht aus. Die entsprechende Frist endet dem Bürgermeister zufolge im August. „Bis dahin werden wir sorgfältig prüfen, was wir im Rahmen unserer Planungshoheit erreichen können“, sagte er. Dazu gehöre auch ein eigenes Tierschutzgutachten. Untersuchungen von WPD kamen zu dem Ergebnis, dass keine geschützten Vogelarten durch die geplanten Windkraftanlagen gefährdet wären. Eine Verhinderungsplanung ist dem Bürgermeister zufolge jedoch aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Er wies jedoch darauf hin, dass im Falle einer erfolgreichen Klage gegen das RROP zumindest zwischenzeitlich überall der Bau von Windrädern erlaubt wäre.

Von Marcel Sacha

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Progressive Oi!-Pop“ -- so heißt das neue Album der Rockband Rough Silk. Auf einer deutschlandweiten Club-Tournee stellen die Musiker um Ferdy Doernberg und Herbert Hartmann sowohl neue Lieder als auch Stücke aus den Vorgängeralben vor. Am Sonnabend, 17. Februar, spielt Rough Silk im ASB-Bahnhof.

11.03.2018

Ob aus dem Deister oder vom Steinhuder Meer: Unsere Leser haben uns zahlreiche schöne Winteraufnahmen aus der gesamten Region geschickt. 

21.02.2018

Das Barsinghäuser Seniorenbüro ist weit und breit einmalig: Eine Gruppe ehrenamtlicher Helfer bietet Sprechstunden für ältere Menschen und richtet eine Fülle von Veranstaltungen, Fahrten und Wanderungen aus.

21.02.2018