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Nachrichten Archäologen entdecken kultische Grabanlage am Kreisel
Umland Barsinghausen Nachrichten Archäologen entdecken kultische Grabanlage am Kreisel
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00:39 03.06.2018
Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf (links) und Grabungsleiter Christoph Kutz (Vierter von links) erläutern die ersten Erkenntnisse der Untersuchungen auf der künftigen Gewerbefläche am Calenberger Kreisel. Quelle: Andreas Kannegießer
Barsinghausen

Die archäologischen Bodenuntersuchungen auf der Fläche des künftigen Gewerbegebiets am Calenberger Kreisel haben Spuren einer Siedlung aus möglicherweise vorchristlicher Zeit zutage gefördert. Zu den für die Archäologen wichtigsten Funden gehört dabei eine kreisförmig gestaltete Gräberanlage mit Spuren einer Stele oder eines Pfostens im Kreismittelpunkt. Dabei ist auch eine nahezu unversehrte Keramikurne ausgegraben worden. Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf und Grabungsleiter Christoph Kutz sprachen bei einem Ortstermin von einer „kultischen Anlage“, in der die frühen Siedler ihre Toten bestattet hätten.

Die Mitarbeiter der beauftragten Berliner Grabungsfirma AAB haben Reste von Bodengruben entdeckt und mindestens einen Hausgrundriss, Reste von Speicherbauten und einen in den Boden eingebauten Ofen dokumentiert. Nach einer ersten Bilanz sind mehr als 100 Scherben und Teile von Keramikgefäßen geborgen worden. Mitunter sind es lediglich Bodenverfärbungen, die heute noch Hinweise auf das Leben im Deistervorland vor tausenden von Jahren liefern können. Aus allen Funden zusammen können sich die Experten aber ein recht gutes Bild machen von Lebensumständen und Gebräuchen der Bewohner. „Die Siedler damals haben ihre Toten auf Scheiterhaufen verbrannt“, berichtete Kutz. Knochenreste und Asche seien dann in Urnen gefüllt und bestattet worden. In der sogenannten Kreisgrabenanlage im Norden der Grabungsfläche sind laut Kutz 22 derartige Gräber in kleinen Gruppen identifiziert worden.

Vieles liegt aber noch im Unklaren, so lange die geborgenen Fundstücke noch nicht abschließend ausgewertet und bestimmt worden sind. Insbesondere die aufwendige und je nach Verfahren auch teure Altersbestimmung der Funde ist noch nicht abgeschlossen, wie die Experten betonten.

Nach den Worten von Wulf ist das nördliche Deistervorland ein bekannter Siedlungsschwerpunkt schon seit der Jungsteinzeit vor etwa 4500 Jahren. „Seitdem haben immer Menschen hier gesiedelt“, sagte der Bezirksarchäologe. Gute Siedlungsplätze seien immer wieder aufgesucht worden. Der Bereich der heutigen Städte Barsinghausen und Gehrden gehöre aus archäologischer Sicht zu den besonders fundträchtigen Gebieten. „Die Stadt Barsinghausen tut mir richtig leid“, sagte Wulf mit Blick auf die hohen Kosten der gesetzlich vorgeschriebenen archäologischen Untersuchungen.

Die Grabungen am Calenberger Kreisel werden noch etwa vier Wochen andauern. Rund 500.000 Euro muss die Stadt als Grundstückseigentümerin für die Untersuchungen bezahlen. Diese Kosten müssen über die Verkaufspreise der Gewerbegrundstücke refinanziert werden. Barsinghausens Erster Stadtrat Thomas Wolf lobte den Erkenntnisgewinn im Zuge der archäologischen Untersuchungen. „Dass dokumentiert wird, ist richtig“, sagte Wolf, „auch wenn man das Kosten-Nutzen-Verhältnis anders bewerten kann“.

Bezirksarchäologe Wulf wünscht sich, dass einige der interessantesten Fundstücke aus den jüngsten Grabungen noch einmal nach Barsinghausen zurückkehren: Er regte eine Ausstellung im Rathaus an, die allerdings finanziert werden müsse. Grundsätzlich werden archäologische Fundstücke nach der Dokumentation im niedersächsischen Landesmuseum gesammelt und aufbewahrt.

Bei den Grabungsarbeiten sind die Experten auch auf Spuren menschlicher Aktivitäten aus der Neuzeit gestoßen. So sind die Fundamente eines größeren Schafstalls aus dem 18. oder 19. Jahrhundert entdeckt worden. Die Archäologen vermuten, dass es sich dabei um den Teil einer Außenwirtschaftsanlage des damaligen Klostergutes Barsinghausen handelt.

Nach den Worten von Baudirektor Tobias Fischer soll die Erschließung des neuen Gewerbegebiets am Calenberger Kreisel im Juni ausgeschrieben werden. Im Laufe des Sommers könne dann die Baustraße hergestellt werden, sodass etwa ab September die künftigen Gewerbegrundstücke erreichbar seien. Das Interesse von Gewerbetreibenden an den Flächen ist groß. Von den 16 Gewerbegrundstücken seien 14 fest reserviert, an den beiden anderen bestehe Interesse, sagte Fachdienstleiter Florian Jürgens. „Wir sind in den Verkaufsgesprächen sehr weit“, betonte er. Verträge seien nur deshalb noch nicht abgeschlossen worden, weil die Grundstücke noch vermessen werden müssten.

Von Andreas Kannegießer

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