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Umland Barsinghausen Nachrichten Bürger fordern Verbot für Großkaliberschießen
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17:01 25.02.2018
Protest gegen Lärmbelästigung: Tina Marks (rechts) und Anja Grupe-Kircher überreichen eine Liste mit 139 Unterschriften an den Ersten Stadtrat Thomas Wolf (links) und Mark Herrmann von der Regionsverwaltung. Die Unterzeichner fordern ein Verbot des Großkaliberschießbetriebs auf der Anlage In den Schütten. Quelle: Andreas Kannegießer
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Barsinghausen

 Im Konflikt um den Schießbetrieb des Schützenvereins für Groß- und Kleinkaliberschießen Hannover im Deister sind die Fronten derzeit verhärtet. Bei einer Informationsveranstaltung von Stadt und Region am Mittwochabend im Schulzentrum Am Spalterhals forderten zahlreiche Bürger ein Ende des besonders lauten Schießens mit Großkaliberwaffen auf der Schießanlage In den Schütten. Zielscheibe der Bürgerkritik war nicht nur der Sportschützenverein. Im Fokus stehen auch die Regionsverwaltung und die Stadt, die für die Genehmigung des Schießbetriebs verantwortlich sind. Vertreter des Schützenvereins zeigten sich offen für weitere Lärmschutzmaßnahmen am Schießstand. Allerdings könne das nicht sofort umgesetzt werden, hieß es. Die Stadt Barsinghausen setzt auf Gespräche mit allen Beteiligten, um Kompromisse und einen Ausgleich der Interessen zu erreichen.

Mehr als 120 Menschen waren zu der Versammlung gekommen, die meisten von ihnen Anwohner aus den Randbereichen des Deisters oder von Vereinen, die vom Schießbetrieb besonders betroffen sind. Mark Herrmann, Teamleiter für Immissionsschutz in der Regionsverwaltung, erläuterte den Ablauf des Genehmigungsverfahrens, nachdem der hannoversche Schützenverein die Anlage In den Schütten übernommen und umgebaut hatte. Wegen der Erweiterung auf das Großkaliberschießen sei eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung notwendig geworden, erläuterte Herrmann. Grundlage sei ein schalltechnisches Gutachten des TÜV Nord, in dem die Geräuschemissionen gemessen und auch berechnet worden seien. Bezugspunkt für die Lärmbelastung sei das Wohngebiet an der Oberen Mark, das rund 550 Meter vom Schießstand In den Schütten entfernt sei. Die Stadt Barsinghausen sei beteiligt worden und habe das städtebauliche Einvernehmen erklärt. Herrmann betonte, dass der Ermessensspielraum im Genehmigungsverfahren gering sei. „Es besteht ein Rechtsanspruch auf Genehmigung, wenn alle Voraussetzungen gegeben sind“, sagte der Teamleiter. Alle Grenzwerte würden eingehalten. Herrmanns Botschaft an die Kritiker war eindeutig formuliert: „Das, was jetzt abläuft, ist Ihnen zuzumuten.“

Das sehen viele Bürger ganz anders: „Sie üben Ihr Hobby zulasten der Allgemeinheit aus“, kritisierte Nabu-Vorsitzende Elke Steinhoff an die Schützen gewandt. „Das ist nicht mehr zeitgemäß und kann eigentlich niemand dulden.“ Andere Anlieger warfen dem Schützenverein „Rücksichtslosigkeit“ vor. Sportring-Vorsitzender Berthold Kuban verwies darauf, dass es über die Anlieger hinaus „sensible Nutzer“ in der Umgebung der Schießanlage gebe und nannte die Deister-Freilichtbühne, das Tierheim am Deisterrand und den Polizeihundesportverein Kirchdorf. Zudem mache er sich Sorgen um die anderen Schützenvereine, „die wir bisher überhaupt nicht wahrgenommen haben“. Vertreter des Hundesportvereins berichteten von verängstigten Hunden während des Schießbetriebs und „Zuständen wie auf einem Truppenübungsplatz“. Bleibe die Lärmbelästigung so wie im Januar, „können wir unseren Verein zumachen“, sagte eine Sprecherin. Viel Beifall aus dem Publikum gab es für die Worte einer Anliegerin, wonach „die Freiheit der eigenen Entfaltung da endet, wo Auswirkungen auf andere da sind“. Anja Grupe-Kircher und Tina Marks überreichten schließlich eine Liste mit 139 Unterschriften an Herrmann und den Ersten Stadtrat Thomas Wolf. Die Unterzeichner fordern ein dauerhaftes Ende des Großkaliberschießbetriebs In den Schütten.

 Karl-Heinz Horenburg, Vorsitzender des Vereins für Groß- und Kleinkaliberschießen, betonte, dass der Verein sein Trainingsprogramm nach der Kritik nach dem Start im Januar bereits zurückgefahren und Gespräche mit der Freilichtbühne, dem Polizeihundesportverein und anderen Betroffenen geführt habe. „Wir sind lernfähig“, sagte Horenburg. „Wir geben uns Mühe und wollen nachbessern bei der Lärmdämmung, aber das geht nicht von heute auf morgen.“ Der Verein stehe in Kontakt mit dem Landessportbund, um dafür Fördergelder zu erhalten, sagte Horenburg. Der Vorsitzende und sein Vorstandskollege Ekkehard Neugebauer machten aber auch deutlich, dass der Schützenverein nicht bereit sei, auf die Rechte aus der Betriebsgenehmigung zu verzichten und das Großkaliberschießen einzustellen.

Der Bürgerforderung nach einem vorläufigen Verbot für das Großkaliberschießen erteilte auch Mark Herrmann eine Absage: „Ein Stopp des Schießbetriebs wäre rechtswidrig, das wären enteignungsgleiche Zustände“, sagte er. Die Stadt Barsinghausen will in dem Konflikt vermitteln: „Wir sehen uns durchaus in der Pflicht, zu einem Ausgleich zu kommen“, sagte Erster Stadtrat Thomas Wolf. „Wir wollen den Blick nach vorne richten und Gespräche initiieren, das ist unsere Rolle.“ Es handele sich zwar um „ein kompliziertes Geflecht“ von Interessen. Ziel sei es aber, diese „unter einen Hut zu bekommen“.

Region und Stadtverwaltung kündigten an, dass der Genehmigungsbescheid für den Schützenverein noch einmal öffentlich ausgelegt werde. Dann könnten binnen vier Wochen Widersprüche eingereicht werden.

Von Andreas Kannegießer

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