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00:26 03.03.2018
Leere Geschäfte, Tristesse im Umfeld: Das Barsinghäuser City-Center-Center hat seine guten Tage lange hinter sich. Die Investorensuche für eine Modernisierung des Komplexes ist nach vielen Jahren immer noch erfolglos. Quelle: Mirko Haendel
Barsinghausen

 Über kaum einen Gebäudekomplex in Barsinghausen wird so viel gesprochen wie das City-Center. Seit vielen Jahren dümpelt das geschäftliche Leben in dem ehemaligen Aushängeschild Barsinghausens dahin. Notwendige Investitionen lassen auf sich warten, der Leerstand steigt immer weiter. Wie geht es den Betroffenen in dieser Situation?

Nach der Eröffnung im Jahr 1980 war der Gebäudekomplex in der Stadtmitte mit seinen zahlreichen Geschäften und fast 30 Eigentumswohnungen lange Zeit eine Erfolgsgeschichte. Das ist vorbei. Ein Großteil der Gewerbefläche ist mittlerweile verwaist. Auch nach rund zehnjähriger Suche hat sich noch kein Interessent gefunden, der in eine umfassende Sanierung oder einen Umbau des City-Centers investieren will. Und die Stadtverwaltung hat ihre Hoffnung, dass sich auf dem Areal zwischen Markt-, Altenhof-, Gurken- und Glockenstraße noch einmal etwas bewegt, inzwischen aufgegeben.

Je nachdem, wie Menschen von der Situation um das City-Center betroffen ist, beurteilen sie diese unterschiedlich. Bürger, die zum Einkaufen in der Marktstraße unterwegs sind, sprechen nicht selten von einem „Schandfleck“. Der Niedergang sei traurig, sagt ein älterer Passant und beklagt den „Totentanz“, der mittlerweile in der Passage herrsche. „Es kann doch nicht sein, dass sich ältere Menschen in der Innenstadt nicht mehr fußläufig mit Lebensmitteln versorgen können“, beklagt er weiter.

Am Gebäude ist der sprichwörtliche Lack ab. Das Erscheinungsbild der Ladenzeilen verursacht nur noch wehmütige Erinnerungen an bessere Zeiten. Noch schlimmer: Auf der rückwärtigen Seite an der Altenhofstraße hat sich die Eigentümerfamilie Widdel ein Grundstück gesichert, um hier irgendwann einmal den geplanten Neubau eines modernen, an das City-Center anschließenden Supermarkts zu ermöglichen. Die Gebäude des ehemaligen Autohauses Bühre aber rotten vor sich hin und bereiten Anwohnern wie Stadtplanern schlechte Laune.

Ebenfalls wenig begeistert von der Hängepartie und dem Warten nach der dringend notwendigen Modernisierung sind die drei noch verbliebenen Gewerbetreibenden. Nicht nur ist mit ihren stark sanierungsbedürftigen Räumlichkeiten kein Staat zu machen. Sie beklagen zudem die ausbleibende (Lauf-) Kundschaft. Georg Keil hat bereits den Ausverkauf eingeläutet. Sein Sportartikelgeschäft Sport Keil schließt im März. Der Mittsechziger verabschiedet sich in den Ruhestand, entsprechend gelassen ist er mittlerweile. „Ich bin nicht mehr wütend“, sagt Keil. Was solle er Friedhelm Widdel, Oberhaupt der Eigentümerfamilie und seinem Vermieter, auch vorwerfen? „Dass er nach so vielen Jahren noch keinen Investor gefunden hat?“, fragt er. Der Zustand seiner Geschäftsräume sei allerdings katastrophal. Mehrfach sei Wasser über die Decke in die Räume gelaufen. „Das Ding ist komplett marode“, urteilt Keil. „Kein Wunder, wenn man 40 Jahre nichts macht.“

Auf der anderen Seite der Passage will Hans-Helmut Werner mit seinem Uhren- und Schmuckgeschäft Trend Schmuck Werner weiter die Stellung halten. Hoffnung auf baldige Besserung hat er nicht, aber: „Ich bin jetzt seit elf Jahren hier und bald 70 Jahre alt. Wäre ich jünger, würde ich nach einem anderen Standort suchen“, sagt er. Werner unterschreibt bereits seit Jahren nur Mietverträge mit einjähriger Laufzeit.

Einer von Werners Kunden ist Helmut Albrecht, der lange Jahre das Café Albrecht oberhalb des Eingangs zum Widdel-Modegeschäft betrieben hat. Er bewohnt eine der 29 Eigentumswohnungen und sagt: „Der Zustand des City-Centers ist eine Katastrophe. Wir Bewohner haben Angst, dass uns irgendwann alles unter dem Hintern zusammenbricht. Wir wollen verkaufen, aber können nicht. Wer will hier schon etwas kaufen?“

Solche Horrorszenarien befürchtet der Großteil der übrigen Center-Bewohner offenbar noch nicht. Vertreter der Eigentümergemeinschaft, die namentlich nicht genannt werden möchten, betonen, dass es bezüglich der baulichen Situation im gesamten City-Center keinen Sanierungs-, „aber eben einen Investitionsstau“ gebe. Gemäß dem Wohnungseigentumsgesetz sei die Eigentümergemeinschaft, zu der auch die Familie Widdel als Eigentümer sämtlicher Gewerbeflächen gehöre, verpflichtet, regelmäßig notwendige Sanierungen durchzuführen. „Herr Widdel kommt bezüglich der Sanierungen seinen Pflichten nach“ sagt einer der Eigentümer. Gerade erst wurde der schadhafte Dachstuhl des Wohngebäudes an der Glockenstraße saniert. Und auch das mit Eröffnung des City-Centers freiwillig der Öffentlichkeit zur Nutzung freigegebene Parkdeck sei unvermindert tragfähig. „Trotz einiger Schäden am Belag wird dafür gesorgt, dass die Verkehrssicherheit gegeben ist“, betont der Wohnungseigentümer.

Die Einschätzung von Albrecht wollen andere Eigentümer nicht bestätigen. „Es ist zwar Tatsache, dass die Wertsteigerung unserer Wohnungen nicht mit den Wertsteigerungen vergleichbarer Neubauwohnungen mithalten kann. Wir haben allerdings nicht den Eindruck, dass es schwer ist, unsere Wohnungen zu verkaufen.“ Die Fluktuation unter den Eigentümern sei gering. „Wird doch mal eine Wohnung zum Verkauf oder zur Vermietung angeboten, steht sie nicht lange leer“, sagt einer der Eigentümer und betont: „Wir alle leben gerne hier.“

Während der Großteil der Eigentümer ihre Immobilien nicht verkaufen wollen, steht Geschäftsmann Friedhelm Widdel der Sinn genau danach. „Für uns hat der Verkauf Priorität, doch hegen wir mittlerweile auch die Überlegung, selbst umfassend zu investieren“, berichtet er.  Viele Investoren schrecke die Tatsache ab, dass er und die Bewohner des City-Centers über das Wohnungseigentumsgesetz rechtlich miteinander verbunden seien, glaubt Widdel. Zudem sei es heutzutage ohnehin schwer, „an relativ kleinen Orten Handel zu platzieren“ und einen Komplex wie das City-Center für Investoren attraktiv zu machen.

Aktuell sei ein Projektentwicklungsbüro aus Bremen damit beschäftigt, ein Zukunftskonzept zu entwickeln, das den Kauf für Investoren lohnenswert erscheinen lässt, berichtet Widdel. Parallel ist der Eigentümer der Gewerbeflächen selbst weiterhin auf der Suche nach Mietern. „Wir sind da an einer größeren Sache dran, die allerdings noch nicht spruchreif ist“, sagt er. Allerdings schränkt Widdel auch ein: „Ich weiß, das sagen wir bereits seit zehn Jahren, doch wissen die Leute auch nicht, wie schwierig die Situation ist.“ Widdel selbst hat sein Ziel also noch nicht aufgegeben. Die Pläne der Stadt, auf der Freifläche an Volkers Hof ein Einkaufszentrum errichten zu lassen, sieht er entsprechend kritisch. „Das City-Center steht bereits jetzt im Wettbewerb mit den Plänen an Volkers Hof. Kommt Volkers Hof, ist das City-Center tot.“

Von Mirko Haendel

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