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Umland Barsinghausen Nachrichten Preise für Klärschlammentsorgung steigen rasch weiter
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00:43 15.06.2018
Der Klärschlamm, der im Nordgolterner Gruppenklärwerk anfällt und in einem überdachten Bunker (im Hintergrund) gelagert wird, ist immer schwieriger zu entsorgen. Quelle: Andreas Kannegießer
Nordgoltern

Der Barsinghäuser Stadtentwässerungsbetrieb muss mit weiter steigenden Kosten für die Entsorgung von Klärschlamm aus dem Gruppenklärwerk in Nordgoltern kämpfen. Weil die Klärschlammverordnung im vergangenen Jahr erheblich verschärft worden ist, kommt die bisher übliche Ausbringung des Schlamms auf landwirtschaftliche Flächen kaum noch in Frage. Fast alle Kommunen im Land stehen vor ähnlichen Problemen: Weil die Kapazitäten für eine Verbrennung des Schlamms im großen Stil noch fehlen und viele Schlammlager landesweit zum Bersten gefüllt sind, können Entsorgungsunternehmen derzeit oft die Preise diktieren.

Die Barsinghäuser Stadtentwässerung hatte bis Anfang 2017 lediglich rund 30 Euro netto je Tonne Klärschlamm für die landwirtschaftliche Verwertung bezahlen müssen. Danach schnellte der Preis nach oben. Im vergangenen halben Jahr musste der städtische Eigenbetrieb zwischen 51 und 66 Euro für die Entsorgung ausgeben. Jetzt liegt bis Ende 2018 ein neues Angebot der einzigen Firma vor, die überhaupt noch bereit ist, sich mit dem Schlamm aus Nordgoltern zu beschäftigen. Eindeutig festlegen mag sich das Unternehmen aber nicht: Die Firma stellt zwei Verbrennungsvarianten, die zwischen 84,50 und 119,50 Euro pro Tonne kosten, und die Kompostierung für 80,50 Euro pro Tonne Schlamm in Aussicht. Welcher Entsorgungsweg am Ende gewählt werden muss, hängt von den aktuellen Marktentwicklungen ab.

Der Betriebsausschuss für die Stadtentwässerung hat am Montagabend dem Angebot einstimmig zugestimmt. Die Barsinghäuser Politiker wünschen sich natürlich die Kompostierung als derzeit günstigsten Entsorgungsweg. Ob das klappt, ist allerdings ungewiss. Bei einer voraussichtlich bis zum Jahresende noch zu entsorgenden Menge von 2170 Tonnen Klärschlamm werden die Barsinghäuser Gebührenzahler im günstigsten Fall mit 174.685 Euro Entsorgungskosten belastet, bei der sogenannten thermischen Verwertung in einer Müllverbrennungsanlage dagegen mit 259.315 Euro. Die freien Entsorgungskapazitäten auf dem Markt seien „sehr schnelllebig“, sagte der Betriebsleiter der Stadtentwässerung, Torsten Holzhausen. Es gebe mittlerweile Kommunen, „die gar keine Angebote mehr bekommen“.

Die jüngsten Probleme bei der Schlammentsorgung haben den Stadtentwässerungsbetrieb dazu bewogen, ein schon lange geplantes Projekt im Gruppenklärwerk voranzutreiben: Dort soll eine neue Anlage zur Klärschlammbehandlung gebaut werden. Zentrales Element ist ein Faulturm, in dem der biologische Anteil des Klärschlamms in Gas umgewandelt werden kann. So lässt sich die derzeit in Nordgoltern anfallende Jahresmenge von rund 4500 Tonnen Schlamm um rund ein Drittel reduzieren. Mit den Faulgasen kann zudem ein Blockheizkraftwerk (BHKW) betrieben werden, das Strom und Wärme erzeugt. Der Betriebsausschuss hat am Montag grünes Licht für die europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen gegeben. Das fachlich geeignetste und leistungsfähigste Ingenieurbüro wird dabei in einem sogenannten zweistufigen Teilnahmewettbewerb ausgesucht. Nach Holzhausens Worten müssen die Planungsunternehmen in der ersten Runde ihr Interesse bekunden. „Wer sich als geeignet erweist, wird dann zur Bewerbung aufgefordert“, erläuterte der Betriebsleiter. Es gebe bereits mehrere Interessenbekundungen.

Für das Bauprojekt hat der Stadtentwässerungsbetrieb vorerst 3,6 Millionen Euro im Haushaltsplan eingeplant. Das Vorhaben wird mit einer Million Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bezuschusst. Das Geld fließt über ein Förderprogramm des Landes Niedersachsen zur Verbesserung der Energieeffizienz in öffentlichen Abwasseranlagen. „Der Zuschuss macht das Ganze höchst wirtschaftlich für uns“, sagte Holzhausen. Er rechnet damit, dass der Bau der neuen Anlage im Frühjahr 2019 beginnen kann und gut ein Jahr später abgeschlossen sein wird.

Von Andreas Kannegießer

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