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Umland Barsinghausen Nachrichten Fünf neue Stolpersteine erinnern an NS-Opfer
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00:16 15.09.2017
Während Künstler Gunter Demnig in der Schwarzenknechtstraße den Stolperstein für Frida Menge verlegt, berichten die Schüler Lucas Haase (von links), Marcel Kühn und Felix Fiedler aus dem Leben der von den Nazis ermordeten Frau. Quelle: Andreas Kannegießer
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Barsinghausen

Der Initiator der europaweiten Stolpersteinaktion, der Kölner Künstler Gunter Demnig, war dazu selbst am Deister zu Gast, um die mit gravierten Metallplaketten versehenen Erinnerungssteine vor den ehemaligen Wohngrundstücken der Opfer zu verlegen. Die neuen Stolpersteine erinnern in der Schwarzenknechtstraße 16 an Frida Menge, in der Osterstraße 13 an Herbert und Leonhard Herzberg, in der Osterstraße 6 an Arnold Dünte und in der Wilhelm-Heß-Straße 21 an Wilma Meyer. In den nächsten Wochen werden noch zwei weitere Steine hinzukommen: In der Heinrich-Poppe-Straße 7 in Kirchdorf für Friedrich Krause und in der Beekestraße 3 in Landringhausen für Friedrich Meyer.

Die Siegfried-Lehmann-Stiftung hat die Personen ausgewählt, derer mit den neuen Stolpersteinen gedacht werden soll. Erstmals sind unter diesen Opfern auch Menschen nichtjüdischen Glaubens, die im Zuge des sogenannten Euthanasie-Tötungsprogramms der Nazis ihr Leben verloren haben. Barsinghausens Erster Stadtrat Thomas Wolf lobte das Stolperstein-Projekt als „tolle Idee und ungeheure Leistung“. Seit 1992 seien von Demnig und dessen Team mehr als 63 000 Steine in 21 Ländern verlegt worden. Wolf würdigte außerdem das Engagement der Siegfried-Lehmann-Stiftung mit deren Geschäftsführer Eckard Steigerwald. „Das Projekt lebt davon, dass Menschen da sind, die die Opfer identifizieren“, sagte er.

Schüler der Goetheschule berichteten am Dienstag während der Verlegung der Stolpersteine aus dem Leben der Opfer. Die Zehntklässler hatten sich in den vergangenen Monaten gemeinsam mit ihrer Lehrerin Elke Strehl mit den Biographien der Opfer beschäftigt. Bei der Stolpersteinverlegung für Frida Menge in der Schwarzenknechtstraße war auch deren Neffe Klaus Lorenz mit seiner Familie zu Gast. Lorenz, der eigens aus Baden-Württemberg angereist war, war wenige Monate nach dem Tod seiner Tante im Mai 1941 geboren worden und konnte diese nie kennenlernen. „Es ist berührend, dass wir hier heute stehen können“, sagte Lorenz. Die Fülle der über seine Tante zusammengetragenen Lebensdaten sei beeindruckend, sagte er und richtete seinen Dank „an die Menschen in Barsinghausen, die die Erinnerung wachhalten an jüdische und andere Opfer des Nationalsozialismus“.

Frida Menge war am 26. November 1898 in der Schwarzenknechtstraße 16 geboren worden. Sie arbeitete als Hausmädchen in Barsinghausen und Hannover und heiratete 1925 den Dreher Heinrich Menge. Sie erkrankte Anfang der 30er Jahre schwer, war halbseitig gelähmt, später dement und wurde zu einem Pflegefall, der seit 1934 in der Landesheil- und Pflegeanstalt Wunstorf betreut wurde. Im Mai 1941 wurde sie auf Anweisung des Naziregimes in die Heilanstalt Hadamar transportiert und vermutlich noch am Ankunftstag ermordet.Die Brüder Herbert (geboren 1886)und Leonhard (geboren 1887) Herzberg sind mit ihrer jüdischen Familie im Jahr 1900 nach Barsinghausen gezogen. Herbert wurde später wie sein Vater Viehhändler. Er wurde 1941 mit Frau und Sohn nach Riga deportiert, wo sich seine Spur verliert. Leonhard, ebenfalls Viehhändler, wurde mit seiner Familie im Oktober 1944 in Auschwitz ermordet. Arnold Dünte wurde 1897 in Barsinghausen geboren. Er betrieb zeitweise ein Kino in der Deisterstadt und erkrankte später seelisch. Von der Landesheil- und Pflegeanstalt Wunstorf aus wurde er im Mai 1941 nach Hadamar transportiert und umgebracht. Wilma Meyer (1907 in Nordgoltern geboren) war Dienstmädchen. 1929 wurde bei ihr Schizophrenie diagnostiziert. Auch sie wurde im Mai 1941 in Hadamar mit Giftgas ermordet.

Fotostrecke Barsinghausen: Fünf neue Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

Von Andreas Kannegießer

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